Goss war schon so lange Vampir, dass sie nicht mehr alle vierundzwanzig Stunden trinken musste. Andererseits hätte sie die Nacht wohl damit zugebracht, ihr Opfer auszusuchen, es zu beobachten und ihm Angst einzujagen, um es schließlich im Morgengrauen vollkommen in sich aufzunehmen.
Doch heute rief sie ihr Vater, kaum dass sie erwacht war. Sein Arbeitszimmer war riesig und immer vollgestopft mit den seltsamsten Dingen und einer Menge Papier. Tja, auch das Oberhaupt eines Vampirclans muss hin und wieder die Büroarbeit erledigen. Er hätte sich eine Sekretärin nehmen können, aber das wollte er nicht. Gossamer, sagte er, als sie an diesem Morgen eintrat. Der gestrige Vorfall hat mich davon überzeugt, dass du Pflichten brauchst, um deine Zeit zu füllen. Ich habe durchaus Verständnis dafür, dass du dir einen Tag freinimmst, um Spaß zu haben, aber du solltest auch etwas Nützliches tun, um deinem Clan zu helfen. Deshalb habe ich einen kleinen Auftrag für dich.
Abwartend lehnte sie sich zurück. Was konnte ein kleiner Auftrag bedeuten? Als sie das Protokoll sah, stockte ihr kurz der Atem.