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Dieses Thema hat 185 Antworten
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 RPG~Profi
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Neyl Offline

Admin


Beiträge: 36.219

15.07.2016 02:52
#31 RE: ~NewYork~ Zitat · antworten







Sein Grinsen als Reaktion auf mein Lächeln, machte es mir nicht gerade einfacher, meinen Blick von ihm zu lösen. Er begann locker zu plaudern, seine Scherze zu reißen, während ich darauf bedacht war, ihn nicht allzu sehr anzuhimmeln. Irgendwie hatte er ein Talent dafür Robbie in solchen Augenblicken aus meinem Gedächtnis zu fegen. Nicht gut! Ganz und gar nicht! "Dominante Gene also..so, so.", erwiderte ich amüsiert, bis mir klar wurde, was er da gerade eigentlich für Informationen preis gab. Sie war mit ihm verwandt! Mein Herz hüpfte auf und ich wies es innerlich zurecht, dass gerade der falsche Mann vor uns stand. Dummes Ding!
Aedan schien zum Glück auch kurz in Gedanken zu sein, weshalb er meinen inneren Disput nicht mitbekam. Nach was genau hielt er da eigentlich Ausschau? Hatte ich etwas im Gesicht. Doch noch ehe ich weiter darüber grübeln konnte, senkte sich sein Blick und ich zuckte kaum merklich zusammen, als er plötzlich nach meiner Hand griff. "Eine kleine Meinungsverschiedenheit mit einem der Stühle.", erwiderte ich schwach. Meine Stimme ahmte meine Knie wohl aus Solidarität nach. Als er meine Hand wieder freigab, wusste ich nicht genau, ob ich erleichtert, oder enttäuscht darüber war. Doch lange dauerte es nicht, bis er mich wieder in Bredouille brachte. Als wäre es das normalste der Welt, säuberte er meine Wunde, während meine Wangen zu glühen begannen. Nicht nur, dass er mich verlegen machte, nein, mir wurde auch bewusst, dass nicht allzu weit entfernt meine Freunde, SEINE Studenten standen (von den restlichen mal abgesehen) und uns mit Sicherheit beobachteten. Als er mir ein Pflaster über den Schnitt klebte, riss ich mich schnell wieder zusammen (so gut es in diesem Moment eben ging) und nickte lächelnd auf seinen Kommentar. "Ja, Unfälle wie der am Brunnen passieren mir des Öfteren.", entgegnete ich, hätte mir aber im selben Moment am liebsten auf die Zunge gebissen. Ich brauchte nun wirklich keine Erinnerung an diesem Moment, der all dieses Chaos in mir erst hervorgerufen hatte. "Danke.", sprach ich weiter und riskierte einen kurzen Blick zu ihm, ehe ich ablenkend auf die Tasche hinabblickte. "Immer wieder erstaunlich, was Frauen so alles in ihrem Handgepäck mit sich rumtragen,nicht?", grinste ich leicht, ehe meine unverletzte Hand sich schon wieder in meinen Haaren vergrub. Sobald jemand diesen Tick durchschauen würde, wäre ich beim Pokerspielen ziemlich am Arsch.
Wieso konnte ich diese dumme Nervosität in mir nicht einfach abstellen. Einmal auf den Knopf und Feierabend! Und wieso zur Hölle stellte ich mich überhaupt an, wie ein 15 jähriges Groupie?
"Hey." Überrascht drehte ich mich um, als ich Robbies Stimme hinter mir vernahm. Augenblicklich meldete sich mein schlechtes Gewissen und ich hätte mich mal wieder selbst ohrfeigen können. Robbies Blick jedoch fiel auf Aedan, ehe er seine Hand zu ihm ausstreckte. "Ich bin übrigens Robbie. Robbie Palmer. Suttons Freund.", stellte er sich Aedan vor. Die Situation wurde von Minute zu Minute unangenehmer. "Das ist Aedan, einer unserer Dozenten.", sagte ich schnell und versuchte dabei so neutral, freundlich wie möglich zu klingen. "Tut mir Leid, aber ich muss wieder an die Arbeit.", sagte ich schnell, was nicht einmal gelogen war. Es gab noch einiges was vorbereitet werden musste. "Und du musst neuen Kaffee besorgen. Und versuche diesmal bitte ihn nicht auf wildfremde Leute zu verteilen.", grinste ich meinem Partner zu und legte eine Hand an seinen Unterarm, um ihn von hier wegzubringen. "War jedenfalls schön sie kennen zulernen. Vielleicht läuft man sich noch öfter über den Weg. Sie werden dich sicher bis zum Stück hierbleiben, oder?", brabbelte Robbie, während ich immer ungeduldiger wurde. Ja klar, verabredet euch, mögt euch, wunderbar! Nicht! "Wir sehen uns.", sagte ich nun und zog Robbie leicht mit mir mit, der sich endlich in Bewegung setze, während ich Aedan noch ein kleines Lächeln schenkte und Richtung Bühne davonging.

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JaneDoe Offline

Dicke, untervögelte Teilzeit-Brockhaus-Chiller-Robbe


Beiträge: 127

16.07.2016 01:14
#32 RE: ~NewYork~ Zitat · antworten



Ich versuchte mein Bestes, nicht auszusehen wie der letzte liebeskranke, notgeile Bock, sondern hoffte, dass man mir meine Anspannung nicht allzu sehr ansah. Es war nicht so, als wäre mir die Begegnung unangenehm, im Gegenteil, es war, als läge ein Raubtier auf der Lauer. Was auch untypisch für mich war – ich war kein Jäger. Bisher hatte ich wenig Gefallen daran, jemanden in die Ecke zu treiben und am Ende zu reißen, bisher war das immer relativ entspannt abgelaufen. Und „Verbotene Liebe“-Zeugs reizte mich auch überhaupt nicht. Es hatte meistens seine Gründe, weshalb solche Sachen nicht gern gesehen wurden, und rein rational gesehen stimmte ich solchen Argumentationen zu. Jedes Mal, wenn sich Sutton allerdings mit der Hand durch die Haare fuhr, als sei ihr scheiß egal, wie ihre Haare lagen und ob sie sich damit die Frisur versaute, weckte das bei mir den Impuls, ebenfalls mit beiden Haaren in ihren Schopf zu greifen. Und das war kein harmloses „Haare hinter das Ohr streichen“, wie Sutton es tat, sondern es wäre eher… anderer Natur.
Wahrscheinlich war meine rothaarige Studentin die einzige Person, die es schaffte, sich an einem Stuhl die Haut aufzureißen, und ich runzelte amüsiert die Stirn. „Interessantes Talent, das du da besitzt.“, murmelte ich, in der Handtasche meiner kleinen Schwester nach Pflastern suchend. Als jemand, der eine kleine Schwester hatte war es für mich de facto das normalste der Welt, sich um eine solche Verletzung zu kümmern, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass sie damit nicht gut arbeiten konnte, und bevor sie ihr Kostüm für später oder auch nur ihre Klamotten einsaute, half ich lieber kurz aus. Das hätte ich für jeden getan. Zumindest redete ich mir das soweit ein, und hatte dabei auch völlig außer Acht gelassen, dass nicht nur meine Meinung in dieser Hinsicht zählte, sondern auch Suttons. Der Rotton ihrer Wangen vertiefte sich ein wenig, und ich versuchte, die Frage zu verdrängen, ob das Scham war. Was ich vollkommen außer Acht gelassen hatte, waren die anderen Studenten, die mir schon jetzt gefährlich werden konnten, ohne dass tatsächlich etwas passiert war, nur, weil es ein Missverständnis gab.
„Immer wieder erstaunlich, was Frauen so alles in ihrem Handgepäck mit sich rumtragen,nicht?" , fragte Sutton, und ich lachte kurz auf. „Ich schwöre, Kay könnte von jetzt auf gleich auswandern und wäre mit allem ausgestattet, was man braucht. Es wundert mich, dass ihr nicht alle mit Mitte zwanzig Rückenschäden habt.“, antwortete ich, und das sogar ehrlich – Kays Handtasche wog immer mindestens ein paar Kilo, ging das nicht tierisch auf die Schultern und den Rücken? „Wofür braucht ihr nur den ganzen Kram?“
Kay kam wieder auf uns zugestöckelt, und seufzte, als sie sah, dass ich an ihrer Tasche gewerkelt hatte. „Nur weil du mein Bruder bist, heißt das noch lange nicht, dass du in meiner Tasche wühlen darfst.“, begann sie und griff danach. „Egal. Ich muss weiter. Ruf' Mom an!“, erinnerte sie mich, drückte mir einen Kuss auf die Wange und zog ab, während ich tief seufzte. Immer schwer beschäftigt. Suttons Freund – den ich im Übrigen jetzt schon nicht mochte, obwohl ich noch kein Wort mit ihm gesprochen hatte – kam zurück, und stellte sich mir offiziell vor. Robbie Palmer… ich gab ihm die Hand, bevor Sutton dazwischen grätschte und ihm erklärte, wer ich war. Ich blinzelte kurz verwirrt. Sie hatte es plötzlich sehr eilig, ihn hier weg zu schaffen und selbst ebenfalls zu verschwinden. Ich meine, natürlich, ich hatte auch Arbeit, aber sie war sehr fix. Robbie Palmer war aber allerdings eine kleine Plaudertasche, fragte er mich immerhin, ob ich noch eine Weile hier bleiben würde. „Ich bin hier angestellt, ich werde bis zum bitteren Ende durchhalten müssen.“, sagte ich, auch wenn ich nicht so recht einschätzen konnte, was er mit dieser Information anfangen wollte.

„Costello!“ Ich sah von dem Haufen leerer Kartons auf, die ich gerade im Papiercontainer entsorgte. „Hm?“
„Kannst du die Bühne mit abbauen?“ Ich zuckte mit den Achseln. Hatte ich eine Wahl? „Klar.“ Nachdem ich den letzten Rest in den bereits übervollen Container gestopft hatte, machte ich mich also wieder zurück auf den Weg zur Bühne. Das Stück, welches aufgeführt worden war, war ein ziemlicher Erfolg gewesen – jeder Stuhl besetzt. Die Studenten hatten es selbst geschrieben und aufgeführt, als Teil ihrer Prüfungen, und ich hatte mir eine Pause gegönnt und es mir angesehen. Immerhin hatte ich keinen einzigen meiner Studenten je auf der Bühne spielen gesehen. Und nein, ich wollte nicht nur Sutton sehen. Denke ich.
Sie war es allerdings gewesen, die ich die meiste Zeit beobachtet hatte. Sie war erstaunlich gut, sehr professionell, und während mich das Stück recht schnell gefangen hatte, war es doch am Ende ihre Rolle, die mich förmlich in ihren Bann zog. Als das Stück endete hoben sich meine Mundwinkel zu einem breiten Grinsen – eine Art Stolz überflutete mich. Meine Studenten, allen voran Sutton, waren verdammt gut in dem, was sie taten. Robbie hatte auch zugesehen – was mich daran erinnerte, dass ich mir seine Freundin dringend aus dem Kopf schlagen sollte. Der Name Palmer ließ irgendwelche Glocken klingeln, ich hatte das schon mal irgendwo gehört, aber abgesehen davon schien er nett und freundlich zu sein, aber irgendwie… sehr glatt. Netter Bengel. Mehr nicht. Sein gesamtes Aussehen war zwar recht schnieke, aber eher ein bisschen wie ein Junge, als ein Mann.
Langweilig. Kopfschüttelnd, wie um die Gedanken zu vertreiben, trat ich an die Stühle heran und begann sie zu stapeln, bevor ich sie über Nacht, für den Fall, dass es regnete, wieder drinnen verstaute. Um nicht zig Mal zu laufen (und weil mir danach Arbeitsschluss versprochen wurde) nahm ich wie heute Vormittag direkt einen ganzen Stapel Stühle und brachte ihn hinein, in einen Seminarraum, der für dieses Wochenende als Abstellraum erklärt wurde – direkt neben dem für Requisiten und einem anderen für Kostüme und als Umkleideraum. Ich hatte bereits die Hälfte allein geschafft (und mein Shirt war zum dritten Mal heute komplett nassgeschwitzt), da kam einer der anderen Doktoranden und half mir, was ich schnaubend zur Kenntnis nahm. Dennoch, ich verabschiedete ihn mit einem Handschlag, bevor ich nach meiner eigenen Tasche griff, die ich heute morgen hier eingeschlossen hatte, sie auf einen Tisch stellte und mir mein T-Shirt über den Kopf zog, froh, das mittlerweile miefende Ding vom Leib zu haben.



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Neyl Offline

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Beiträge: 36.219

16.07.2016 11:19
#33 RE: ~NewYork~ Zitat · antworten






Nervosität war für mich beim Schauspielern ein Fremdwort. Normalerweise. Schon als kleines Kind hatte ich hier und da vor einer Kamera gestanden, weil meine Mutter Gefallen daran gefunden hatte, ihre kleine Prinzessin vorzuführen. Zum Glück hatte sie es irgendwann sein lassen. Zu Familienfeiern legte einer meiner Elternteile noch immer gerne ein Video ein, worauf zu sehen war, wie ich in rosa Tüll posierte. Grauenhaft! Hatte damals niemand den Mut gefasst, den Erwachsenen zu erklären, dass rosa mit dieser Haarfarbe einfach grauenhaft aussah???
Doch diesmal war es anders. Das lag zum Teil an einigen wichtigen Leuten aus der Film- und Theaterbranche, die unter dem Publikum saßen, doch mehr noch, an dem Mann, den ich auf einen der äußeren Plätze gesichtet hatte. In seinem abgetragenen Shirt, hob er sich von der übrigen Masse ab, was mich zu einem kleinen Lächeln bewegte. Das machte ihn bedauerlicherweise kein Stück unattraktiver. Mein Blick glitt über die Reihen, bis ich Robbie entdeckte. Meinen Freund! Wir waren schon seit 2 Jahren zusammen und zum ersten Mal musste ich mich an diese Tatsache erinnern. Ich hasste mich selbst dafür, dass nicht ihm meine Aufmerksamkeit galt. Dass nicht er es war, dessen Berührungen auf mir einen Schauer hinterlassen hatten. Natürlich war es normal, dass nach so langer Zeit die Anziehung verebbte, doch ich konnte mich nicht daran erinnern, mich in Robbies Gegenwart je so gefühlt zu haben.

Das Theaterstück war ein voller Erfolg gewesen und erleichtert alberten wir hinter der Bühne herum, während Dozenten und Professoren uns beglückwünschten. Ich konnte es kaum erwarten mein Stück in die Tat umzusetzen. Auch Robbie kam zu mir, jedoch mit der Absicht, sich von mir zu verabschieden. "Du musst jetzt schon weg?", fragte ich. Man gewöhnte sich an die permanente Abwesenheit des Partners, doch hätte ich mir gerade jetzt gewünscht, dass wir etwas Zeit miteinander verbrachten. Damit nicht nur mein Kopf, sondern auch mein Körper wieder kapierte, dass er der Mann in unserem Leben war. Sutton und Robbie. Das Vorzeigepärchen schlechthin. Keine Dramen, kein böses Gerede...Der Mann, der 12 Flugstunden auf sich nahm, nur um an diesem Tag an meiner Seite zu stehen. Der nett war, zuvorkommend...Und zum ersten Mal hatte ich das Gefühl ihn nicht verdient zu haben. Ich umarmte ihn etwas fester, als gewöhnlich, ehe er in ein Taxi stieg Richtung Flughafen. Auch die Gewissensbisse, die mich plagten waren neu für mich. Doch versuchte ich es zu beruhigen, immerhin konnte ich ja nichts für meinen wirren Verstand. Hätte ich es tun können, hätte ich Aedan aus meinem Gedächtnis gelöscht.

Ein paar Mädels hatten dafür gesorgt, dass Sekt in den Umkleiden für uns bereit standen. Deshalb verbrachten wir selbst für Frauenumstände ungewöhnlich viel Zeit, um uns wieder umzuziehen. Wenn ich nicht gerade in Eile war, konnte ich eine richtige Trödeltante sein, was erklärte, warum ich als Letztes die Umkleide verließ. Ich redete mir ein, dass es nichts damit zu tun hatte, dass ich darauf hoffte, dass Aedan schon gegangen war, wenn ich mir genug Zeit ließ, denn das wäre schwach und erbärmlich gewesen. Soviel Selbstkontrolle durfte man doch schon von sich erwarten. Trotzdem ging ich nicht augenblicklich wieder hinaus, sondern entschied mich dazu noch etwas Zeit totzuschlagen. Weitere Pläne hatte ich für heute Abend sowieso nicht. Ich griff nach meinem Handy, checkte mein Instagramaccount und schob die nächstbeste Tür auf. In dem Display vertieft, ging ich ein paar Schritte, ehe ich aufblickte und...abermals erstarrte. Aedan stand vor mir, wiedereinmal! Und als ob das nicht schon aufwühlend genug wäre, war er nackt. Gut, nicht komplett nackt, aber eindeutig zu viel Haut für meinen Geschmack. Oder doch gerade genug...Wie angewurzelt blickte, nein starrte ich auf seinen entblößten Oberkörper. Verschwamm gerade Realität und Traum miteinander, oder passierte das hier wirklich? Konnte mich mal bitte jemand kneifen, damit ich nicht weiter wie eine komplette Irre meinen Dozenten beglotzte! Und verdammt war er heiß. Verboten gut aussehend, bekam eine ganz neue Bedeutung. Bilder huschten abermals durch meinen Kopf, ich konnte förmlich spüren, wie meine Finger über seine Brust strichen. Erschrocken erwachte ich endlich aus dieser Starre und hoffte, dass es mir nur so vorgekommen war, als hätte ich ihn stundenlang angestarrt und nicht wirklich wie versteinert dagestanden hatte. "Ok, das sind zu viele Zufälle. Ich erkläre ich mich eigenhändig zur Stalkerin.", witzelte ich und versuchte meinen Blick nun an seinem Gesicht festzunageln. Was, wie bereits erwähnt auch nicht viel besser war. Ja Sutton, reiß blöde Witze. Als wäre Adean ein hirnloser Schwachkopf, der seine gesamte Zeit im Fitnesscenter vertrödelte und dessen Hirnzellen durch Mangel an Vitamin-D aufs Minimum geschrumpft waren. Nicht, dass er diesen Kerlen in viel nachstand...

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JaneDoe Offline

Dicke, untervögelte Teilzeit-Brockhaus-Chiller-Robbe


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16.07.2016 15:44
#34 RE: ~NewYork~ Zitat · antworten



In Gedanken immer noch bei dem hoffentlich bald beendeten Arbeitstag, der mir nicht einmal entlohnt wurde, zog ich mir den nassen Stoff meines Shirts über den Kopf. Ich beäugte es einen Moment lang kritisch, während ich überlegte, ob ich es nicht direkt in einen Mülleimer schmiss – richtig sauber bekäme ich es ohnehin nicht mehr. Andererseits hatte ich vor, demnächst mal mein Schlafzimmer zu streichen, wo ich es noch ein letztes Mal tragen könnte, dann müsste ich nicht ein neues Shirt einsauen.
Dementsprechend wanderte es doch wieder in meine Tasche, und ich griff nach meiner Wasserflasche, die ich an die Lippen hob und ein paar kräftige Schlucke trank. Ich hörte zwar die Tür, dachte aber, es sei der andere Doktorand, der mir beim Tragen geholfen hatte, weil er etwas vergessen hatte oder noch etwas brachte oder was weiß ich denn, dementsprechend kümmerte ich mich herzlich wenig darum. Allerdings sagte er nichts, weshalb ich kurz einen Blick zur Seite warf – und mich verschluckte, weshalb ich kurz zu husten begann. Ich schraubte die Flasche zu und wischte mir mit dem Handrücken über den Mund. „Gott im Himmel, hast du mich erschreckt.“, sagte ich zu Sutton, die mich anstarrte, und dabei einen ziemlich entgeisterten Gesichtsausdruck zur Schau trug. Erst als ich die Wasserflasche beiseite stellte und bemerkte, dass mein Shirt natürlich noch in der Tasche lag, machte es klick. Mein Oberkörper war nackt, Sutton war meine Studentin, ich ihr Doktorand – und auch wenn ein nackter Männeroberkörper eigentlich selten ein Problem war, sah man den schließlich ständig, war ich dennoch in einer Position, in der sie meine nackte Brust nicht sehen sollte. Das rief einige Dinge hervor: erstens zog ich meine Jeans ein Stück hoch, die mir ein paar Zentimeter die Hüfte heruntergerutscht war, zweitens zog ich erneut meine Tasche von mir und hielt dann drittens inne, weil mir zumindest aufgefallen war, dass sie sich das relativ genau ansah.
Man verstehe mich nicht falsch, ich wusste, dass mein Körperbau nicht ohne war. Ich sah mich eigentlich nicht als die totale Sexbombe oder generell als gutaussehenden Typen – ich war okay. Ich hatte keine Probleme damit, wie ich aussah. Und da der Körperbau eines Pumpers nach einer Phase des androgynen Typs wieder in war, gab es viele Männer, die so aussahen. Ich war jetzt kein Ausnahmezustand oder so. Aber wenn jemand, der mich bereits in meinen Träumen heimsuchte, mich anstarrte, kam eben der Wunsch auf, sie ein bisschen zu piesacken. Ich wusste zwar nicht, was genau ihr Gesichtsausdruck mir genau sagen sollte – schämte sie sich, schämte sie sich sogar fremd, empfand sie das als „too much information“ oder als etwas, das sie sich ganz gern ansah? - aber Fakt war, dass in mir der Drang aufkeimte, sie ein bisschen zu reizen, in welche Richtung auch immer. Zudem war sie hier hereingeplatzt, also…
Während ich mich gleichzeitig fragte, was zum Teufel mit dem lieben, netten Aedan passiert war, der ich sonst war, schob ich einfach nur die Wasserflasche in die Tasche und sah zu der Rothaarigen hinüber und grinste, als sie sich spaßeshalber als Stalkerin outete. „Ich weiß nicht, ob ich mich geehrt fühlen soll – mich hat noch nie jemand gestalkt.“, überlegte ich laut und sah schmunzelnd auf Sutton herab, bevor mir einfiel, dass ich mich bisher erfolgreich darum gedrückt hatte, meinen Studenten für ihr Stück zu gratulieren. Ich lehnte mich an den Tisch hinter mir, die Hände an der Kante aufgestützt, ein Bein über das andere geschlagen. „Ich hab euer Stück gesehen.“, begann ich, und wieder wallte ein Stolzgefühl in mir auf, das mich Grinsen ließ. „Das habt ihr gut gemacht. Ein paar Theater-Vertreter waren ganz aus dem Häuschen.“ Ich betrachtete sie einen Moment, bevor ich fortfuhr. „Ich hab' dich vorher noch nie auf der Bühne gesehen. Respekt!“ Wieder ein Schmunzeln. „Du bist noch besser, als ich dachte.“
Es war ganz gut, dass meine Handflächen auf der Tischplatte lagen, denn schon seit ich sie heute das erste Mal gesehen hatte, verdammte ich diesen Pullover, den sie über dem Stück Stoff, das anscheinend ein Rock oder ein Kleid sein sollte, trug, und der viel zu sehr ihre Silhouette verhüllte. Immerhin wusste ich, wie schmal ihre Taille war, und mir brannten die Handflächen von der Vorstellung, damit unter das Wollding zu fahren, das zwar gut aussah, allerdings viel zu viel verhüllte – und mir damit wahrscheinlich den Verstand rettete. Hätte sie das nicht an und ich würde deutlicher ihren Körperbau sehen, hätte ich wahrscheinlich ein gigantisches Problem. Unter anderem mit meiner Beherrschung, die ja jetzt schon die Kündigung eingereicht hatte.



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Neyl Offline

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16.07.2016 20:49
#35 RE: ~NewYork~ Zitat · antworten







Zwar hatte ich mich aus meiner Starre befreien können, dennoch war ich weit davon entfernt mich entspannen zu können. Was nicht zuletzt daran lag, dass McSexy (Und diesen Namen verdiente er mehr, als je zuvor) es nicht gerade eilig zu haben schien in ein anderes Shirt zu schlüpfen. Ohnehin wirkte er, als hätte er gerade ein Mädchen in einem Club angesprochen. Locker, lässig, Coolness auf die Stirn tätowiert. "Entschuldige.", erwiderte ich nun endlich auf seine Aussage, ich hätte ihn zu Tode erschreckt. Das hätte ich ebenso zurückgeben können, jedoch war meine Zunge noch nicht so losgelöst wie sonst. Herr Gott, konnte er sich bitte endlich etwas anziehen! Doch stattdessen legte sich ein amüsiertes Lächeln um seine Lippen, als wäre er ehrlich geschmeichelt über mein "Kompliment". Würde er wissen, wie viele Studentinnen versuchten Informationen über ihn im Internet zu erhalten, hätte er seine Aussage wohl revidiert. Und würden besagte Leute wissen, welche Art von Begegnungen ich in den vergangen Tagen mit ihm gehabt hatte, hätten sie mich vermutlich gelyncht. Diese Vorstellung klang beinahe verlockend, denn irgendwie schien es das Schicksal nicht gut mit mir zu meinen.
Und Aedan offenbar auch nicht. Mein Dozent lehnte sich betont lässig gegen einen der Tische und ich konnte nicht anders, als ihn stumm dabei zu beobachten, ehe er begann Smalltalk zu halten. Es verlangte mir einiges ab, ihn nicht ungläubig anzustarren, sondern stattdessen so zu tun, als wäre dieses Umfeld, dieses Fehlen gewisser Kleidungsstücke, alltäglich. Ich verlagerte mein Gewicht ein wenig nach rechts, während eine Hand meine Tasche umklammerte und die andere ablenkend eine Haarsträhne zwirbelte. Einfach weiteratmen Sutton...

Sein Lob ließ mich ehrlich lächeln. Wenn auch immer noch nervös, so freute mich seine Aussage, ihm habe das Stück gefallen. Immerhin hatte dieses Projekt in den letzen Wochen jede freie Minute meiner Freizeit abverlangt. Als er jedoch meine Leistung erwähnte, erkannte ich zum ersten Mal den Schalk in seinen Augen. Dieser verdammte...
Er tat das hier doch mit Absicht! Oder? Unsicher biss ich mir auf die Unterlippe und versuchte meinen Gegenüber zu durchschauen. Zog er mich hier tatsächlich gerade auf? Amüsierte ihn mein peinliches Verhalten? Gut...Ich stellte natürlich auch gerade ein leichtes Opfer dar. Wie ein scheues Reh, eine Jungfer, die zum ersten Mal verführt wurde. Blödes Beispiel!!! Fast hätte ich amüsiert aufgelacht, doch da erkannte ich noch etwas anderes in seinem Blick. "Du bist noch besser, als ich dachte.", schmunzelte er, ehe sich sein Blick intensivierte und ich plötzlich das Gefühl hatte nackt vor ihm zu stehen. Moment...
"Du hast also erwartet, dass ich gut bin?", lächelte ich und trat einen Schritt auf ihn zu. Meine Stimme klang eindeutig zu...kokett? Ja, eindeutig! Das Lächeln zu charmant, die Körpersprache zu einladend. Ebenso, wie bei ihm! Das bildete ich mir doch nicht ein? Aber er neckte mich nur! Ich hatte keine Ahnung warum. Vielleicht war es einfach seine Art, wenn man ihn außerhalb traf. Bei vielen war Flirten ja ein Hobby. Absolut unschuldig!
Während ich mir also einredete, dass er sich allerhöchstens einen Spaß erlaubte, schienen sich mein Kopf und mein Bauch zu streiten. Mein Verstand riet mir, mal wieder das Weite zu suchen. Mein Bauch, beziehungsweise mein gesamter restlicher Körper, wollte den kurzen Abstand zwischen uns gänzlich überwinden und...Ja? Was und? Mein Verstand schien sich mit jeder weiteren Sekunde zu verabschieden, als würde mein Körper die Kontrolle übernehmen. Und was der wollte, konnte er mir kaum deutlicher zeigen.
Als Aedan sich ein wenig zur Seite drehte, fiel mir eine Narbe auf seinem linken Schulterblatt auf. Das nächste, an das ich mich erinnerte, war, dass ich plötzlich hinter ihm stand und mein Zeigefinger der länglichen Linie entlang strich. "Wovon hast du die?", fragte ich leise, und hob meinen Kopf um ihn anzusehen.

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JaneDoe Offline

Dicke, untervögelte Teilzeit-Brockhaus-Chiller-Robbe


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17.07.2016 20:18
#36 RE: ~NewYork~ Zitat · antworten



Ich bewegte mich hier auf verdammt dünnem Eis. Nicht nur, dass ich dafür meinen Job verlieren konnte, ganz zu schweigen von meiner Reputation, sondern auch diese irrsinnige Annahme, die ich traf. Denn nur, weil sie mir feuchte Träume bescherte, hieß das nicht, dass das andersherum ebenfalls so war. Und vor allem – seit wann war ich so wagemutig? Ich baggerte selten, ich war eher von der alten Schule. Höflich. Normalerweise. Gerade jetzt eher nicht so.
Gerade jetzt hoffte ich nur, dass man mir nicht im Gesicht ablesen konnte, was mir für Bilder durch den Kopf gingen. Denn die waren schmutzig. Wenn ich nicht gerade sowieso meinen eigenen Rufmord arrangieren würde, würde mich das glatt verunsichern, und Ängste aufkommen lassen, dass das zu Gewohnheit wurde.
Ich hatte absolut keine Ahnung, dass die Studentinnen versuchten, irgendetwas über mich herauszufinden – wieso sollten sie? Selbst wenn gab es nichts über mich zu finden, ich war ein ziemlicher Langweiler. Facebook hatte ich, war allerdings recht ungenutzt, Tumblr, Instagram, Twitter – alles Bullshit. Ich hatte zwar einen Twitter-Account, war allerdings ein Geist - ich las lediglich Posts von Politikern. Ich wusste gern, was die wirklich dachten, das beeinflusste sehr mein Wahlverhalten.
Apropos beeinflusstes Verhalten – Suttons Nervosität stachelte mich förmlich an. Sie umklammerte den Riemen ihrer Tasche, während die andere Hand schon wieder mit einer Haarsträhne spielte. Dennoch ging sie nicht, was mich dazu veranlasste, weiterhin ohne Shirt mit ihr zu reden. Wahrscheinlich war ich wahnsinnig geworden. Wirklich. Wahnsinnig. Aber ihre Irritation und der nervös zuckende Blick, wenn sie sich nicht davon abhalten konnte, befeuerten meinen Irrsinn noch.
Dennoch wollte ich sie wissen lassen, dass sich ihre Arbeit gelohnt hatte, und das war losgelöst von jeglichem sexuellen Kontext die Wahrheit. Ich hätte es auch gut gefunden, wenn ich nicht von ihr angezogen wäre. Und auch dann hätte ich es ihr gesagt. Sie kam einen Schritt näher, und ihr Tonfall war fast kokett – was meine Beherrschung gefährlich wanken ließ. Abgesehen davon musste ich schmunzeln – hatte sie beschlossen, mitzuspielen? Was würde ich dafür geben, zu wissen, was in diesem hübschen Köpfchen vor sich ging… Ich zuckte mit den Achseln bei ihrer Nachfrage. „Natürlich.“, antwortete ich ihr, sah ihr in die Augen. Schöne Augen, übrigens.
Weil ich ein Geräusch hörte, warf ich kurz einen Blick aus dem Fenster, drehte mich dafür ein Stück beiseite – und erstarrte, als ihr Finger über meine dicke Narbe am Schulterblatt fuhr. Ein Schauer lief mir die Wirbelsäule herab, während ich mir wünschte, ihre Finger würden nicht nur die Narbe nachfahren, sondern über meinen ganzen Rücken streichen. Und die Brust. Und alles. Überall.
Als ich zur Bewegung ansetzte, wusste ich erst, was ich tun wollte, als es bereits zu spät war. Scheinbar hatte meine Beherrschung beschlossen, mit meiner Selbstkontrolle in den Urlaub zu gehen. Ich hatte mich zu ihr umgedreht, die gehobene Hand mit meiner eigenen abgefangen und uns so gedreht, dass Sutton mit dem Po an der Tischkante lehnte, und zwischen dem Tisch und mir gefangen war. Die Finger unserer Hände waren mittlerweile verschränkt, und mit der freien Hand stützte ich mich hinter ihr auf dem Tisch ab. Das Blut rauschte mir förmlich in den Adern, und mein Herzschlag war viel zu kräftig, während sich meine Brust ein bisschen zu schnell hob und senkte. Diese Position, in der wir uns befanden, war ganz und gar nicht gut. Absolut nicht gut. Gefährlich. Seit wann tat ich so etwas? Wenn ich mit einer Ohrfeige davon kam, konnte ich noch von Glück sprechen, den worst case wollte ich mir lieber gar nicht vorstellen. Und während in meinem Kopf meine Vernunft hysterisch schreiend im Kreis lief, mir erzählte, dass ich verdammt blöd war, so eine Aktion zu starten und dass ich mir mein eigenes Grab schaufelte, saß mein Instinkt in der Schaltzentrale – gemeinsam mit der Wollust. Meine Intention konnte man praktisch gar nicht mehr falsch verstehen, und ich wusste nicht genau, ob ich hoffte, dass ich ihre nicht missverstanden hatte – es wäre verdammt peinlich, wenn sie nichts dergleichen erwiderte, aber es würde mich vor einem riesigen Fehler bewahren. Andererseits wollte ich sie. „Autounfall.“, sagte ich und meine Stimme hörte sich ganz und gar nicht an wie meine eigene. Ohne ihre Hand loszulassen, streckte ich den Zeigefinger und fuhr damit die feine, verblasste Narbe an ihrem Kinn entlang. „Und du?“ Mein Blick wanderte von ihrer Narbe über ihr Gesicht, ihre Lippen, die Nase, die Wangen, ihre Augen, bis er auf ihren Lippen zu Liegen kam. Wenigstens hier grätschte die Vernunft ein, und ich beugte mich also nicht zu ihr herab. Noch nicht, flüsterte eine Stimme, die ich rabiat davonschob.

<hr /> <small> <em>
What screws us up most in life is this picture in our head of how it's supposed to be. </em> </small>

Neyl Offline

Admin


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17.07.2016 22:57
#37 RE: ~NewYork~ Zitat · antworten







Aedans Körper versteifte sich unter meiner Berührung, trotzdem schaffte ich es nicht, mich augenblicklich zu lösen und von ihm wegzutreten, wie mein Verstand (dessen Stimme mich kaum noch erreichte) es mir riet. Andererseits wäre dieses Vorhaben ohnehin nicht geglückt. Bevor ich überhaupt irgendwie reagieren konnte, drehte Aedan sich zu mir um, drückte meinen Körper bestimmt, aber sanft gegen den Tisch und verhinderte, dass ich mich aus dieser Position befreien konnte. Als wenn ich dazu in der Lage gewesen wäre...Mein Herz schlug wie verrückt, als ich -nun meinerseits erstarrt- zu ihm aufblickte. DAS war nicht nur Neckerei! Nicht bei diesem Blick, der mir die Hitze ins Gesicht trieb. Meine Gedanken überschlugen sich wild, einzelne Gedanken schossen in meinen Kopf, doch ich war unfähig diese auch nur ansatzweise zu ordnen. Alles um uns herum war wie ausgeblendet. Es gab nur mich und ihn. Meinen heißen Dozenten, der mich seit Tagen verfolgt hatte. Der unzählige Fragen aufgeworfen hatte und mich damit fast um den Verstand gebracht hatte. Doch jetzt war eine davon definitiv beantwortet. Genau das hier hatte ich gewollt. Nein halt, mein Körper...Ich war verwirrt, doch auch darüber konnte ich nicht länger nachdenken. Seine Berührung, sein Duft, alles an ihm vernebelte meinen Verstand, brachte mein Herz zum Stolpern, meinen Körper zum Beben. Ich schluckte, als er mit seinem Finger über mein Kinn fuhr und meine Frage nun an mich wiederholte. Die Sache mit dem Autounfall interessierte mich, doch jetzt war eindeutig nicht der Zeitpunkt darüber zu sprechen! "Hingefallen. Mit 5.", erwiderte ich ebenso knapp, da mein Gehirn gerade mit anderen Dingen beschäftigt war, als sinnvolle Sätze zu produzieren. Sein Blick glitt über mein Gesicht und blieb schlussendlich an meinen Lippen hängen, was mich zum Schlucken brachte. All diese Empfindungen, die er in mir auslöste waren neu für mich. Überwältigend. Nichts auf der Welt hätte mich wohl dazu gebracht, diese Verbindung zwischen uns zu unterbrechen. Dafür war sie zu stark. Die Anziehung, das Prickeln. Worte konnten das nicht beschreiben und doch spürte ich, dass ich nach mehr verlangte. Nervös blickte ich ihm in die Augen, während meine Hand, die er nicht umklammert hatte, sich verselbstständigte. Zärtlich berührten meine Fingerspitzen seine Haut. Fuhren langsam die Konturen seiner Muskeln nach und wanderten dann zu seiner Brust hinauf. Ein schönes Gefühl...ein tolles Gefühl! Er verdrehte mir den Kopf, dabei berührte er mich nicht mal wirklich. Und ich sah es in seinem Blick. Er wollte es! Ich wollte es! Doch noch hielt er sich zurück. Würde er einen Rückzieher machen? Wollte ich einen Rückzieher machen? Ich befeuchtete meine Lippen, traute mich kaum mich zu rühren, auch meine Hand verharrte und mein Blick suchte den seinen.

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JaneDoe Offline

Dicke, untervögelte Teilzeit-Brockhaus-Chiller-Robbe


Beiträge: 127

17.07.2016 23:53
#38 Sexually aggressive Aedan. (SAA) Zitat · antworten



Ich hatte nicht den leisesten Schimmer, dass ich nicht der einzige war, der mit dem Denken im Moment so seine argen Probleme hatte. Statt eines funktionalen Gehirns ähnelte das Innere meines Kopfes gerade eher einer Rave-Party mit Stroboskop-Licht.
Himmelherrgott, ich stand oben ohne vor einer fünf Jahre jüngeren Studentin, meine Studentin, und bedrängte sie! Dafür könnte sie mich verklagen, wenn sie wollte!
Ganz zu schweigen davon, dass sie einen Freund hatte. Robbie Palmer, reiches Söhnchen und geleckter Affe, der nicht sonderlich helle wirkte. Nein, ich mochte ihn nicht sonderlich, merkte man das etwa? Aber das änderte nichts an der Tatsache, dass sie vergeben war.
Und trotzdem noch vor mir stand.
Was es nicht einfacher machte. Immerhin sah sie mich zwar aus großen Augen an, machte allerdings keine Anstalten, sich von mir zu lösen. Und ohne irgendwem den Schwarzen Peter zuschieben zu wollen – sie hatte mich berührt, und das von sich aus. Das sah alles stark nach Interesse aus. Scheinbar wollten wir dasselbe.
Machte es das einfacher?
Ich fuhr mit dem Finger die Narbe an ihrem Kinn nach und sah, wie sie schluckte, bevor sie antwortete, sehr knapp. Hingefallen mit fünf? „Sehr niedlich.“, murmelte ich geistesabwesend, die Gedanken hatten keine Form sondern eher wie Nebel, der verhinderte, dass ich deutlich sah. Mein ganzes Gehirn war Nebel. Oder Watte. Oder beides. Was?
Ihr stieg die Röte in die Wangen – hinreißend. Wirklich. Sie sah fast richtig unschuldig aus, und ich bekam ein schlechtes Gewissen – zumindest solange, bis sie die Hand hob, und über meinen Bauch zu streichen begann. Ganz zart, mit den Fingerspitzen, federleicht – was dazu führte, dass sich die Muskeln anspannten. Ganz automatisch, die Haut kribbelte, und ihre Hand wanderte höher zu meiner Brust. Mittlerweile liefen mir Schauder den Rücken hoch und wieder runter und wieder hoch, und ich hatte eine Gänsehaut im Nacken. Wenn ich mich jemals gefragt hatte, was Sutton wollte, dann wusste ich jetzt Bescheid.
Aber wieder: Machte es das einfacher?
Unsicher sah sie mich an, ich hatte das Gefühl, hinter ihren grünblauen Iren praktisch die Gedanken wirbeln zu sehen. Und mir ging es nicht anders. Gott, die Frau machte mich ganz wuschig! (Sagte man heutzutage noch „wuschig“? Ich komme bei Jugendslang nicht mehr so ganz hinterher.)
Ihre Hand hielt inne, und ich sah kurz nach unten, bevor mein Blick fragend zu ihr zurück kam – aber sie sah mir in die Augen und sah mich nicht minder fragend an. Ob bewusst oder nicht, scheinbar überließ sie mir die Entscheidung. Ich war der Ältere, ich sollte der Verantwortungsbewusste sein, und eigentlich war ich das auch.
Eigentlich. Wenn nicht gerade eine rothaarige Studentin mit der Zunge über ihre Lippen fuhr.
Jetzt, wo ich sie so offensichtlich angegraben hatte, brauchte ich mir über die Uni ohnehin keinen Kopf mehr zu machen – Sutton hatte mich, gelinde gesagt, in der Hand. Dass sie vergeben war hätte der Punkt sein sollen, der mich davon abhielt, aber irgendwie tat es das nicht. Ich ließ ihre Hand los, schob die meine in ihren Schopf, und zog sie zu mir hoch. Meine Lippen trafen auf ihre, und ich hatte das Gefühl, mein Herzschlag ging durch die Decke. Endlich. Sie schmeckte nach Sekt, ich hatte gesehen, wie eine Kommilitonin die vollen Sektgläser in den Raum gebracht hatte, den sie zur Umkleidekabine umfunktioniert hatten.
Mehr. Viel mehr.
Ich nahm die andere Hand vom Tisch, richtete mich wieder ein Stück auf, legte sie ihr ins Kreuz, zog sie noch ein Stück näher.
Die Frau würde mich noch umbringen.
Ich löste mich von ihr, schwer atmend, sah sie an, wollte mehr, wollte aber auch nichts tun, was sie nicht wollte. Die Lippen gerötet, ein Anblick, den ich öfter sehen konnte. Öfter sehen wollte. Auch ihr Kinn war an einigen Stellen gerötet, von meinem wieder mittlerweile stehenden Drei-Tage-Bart, und ich fuhr mit dem Daumen über eine dieser gereizten Stellen.



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Neyl Offline

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18.07.2016 02:18
#39 RE: Sexually aggressive Aedan. (SAA) Zitat · antworten







Wäre ich bei klarem Verstand gewesen, dann hätte ich all das hier wohl nie zugelassen. Doch schon, als ich durch diese Tür gekommen war, hatte sich dieser verabschiedet. All die Tatsachen, warum das hier keine gute Idee war, ja sogar gegen alles sprach was mich ausmachte, waren wie weggeblasen. Meine zweijährige Beziehung mit Robbie, der Fakt, dass Aedan mein Dozent war. Nie im Leben hätte ich von mir erwartet, mich je auf so etwas einzulassen. Doch all das war gerade nicht auf meinem Bildschirm. Ich sah nur Aedan. Aedan, dessen Blick mir kleine Schauer durch den Körper jagte, dessen Hand sich plötzlich in meine Haare vertiefte und mich erlöste. Und gleichzeitig weiteres Verlangen in mir weckte. Als seine Lippen auf meine trafen, öffnete ich sie augenblicklich um ihm Einlass zu gewähren. Spätestens jetzt drehte sich alles in mir und als er mich noch enger zu sich zog, erwiderte ich seinen Kuss ebenso leidenschaftlich, wie er es tat. Mein Innerstes zog sich zusammen, mein Herz überschlug sich förmlich vor Erregung. Es war unbeschreiblich, wie sehr er mich in seinen Bann zog und obwohl ich normalerweise ungern die Kontrolle verlor, genoss ich diesen Rausch in vollen Zügen.
Als Aedan sich von mir löste, brannten meine Lippen, ein Zittern ging durch meinen Körper und jeder Zentimeter Abstand von ihm war eine Qual. Als ich die Augen öffnete, blickte er auf mich hinab und Unsicherheit stieg in mir auf. Ich konnte den Ausdruck in seinem Gesicht nicht deuten (wie bereits erwähnt, hatte sich mein Verstand ausgeschaltet), doch dann strich er mir sanft mit seinem Daumen über die Haut. Er wirkte angespannt, als würde es ihm einiges abverlangen sich zu beherrschen. Und doch tat er es. Ein Lächeln umspielte meine Züge, als mir klar wurde, dass er mir die Möglichkeit gab die Notbremse zu ziehen und dabei gar nicht verstand, dass er dafür zu wenig anhatte, mir viel zu nahe war und eindeutig zu gut aussah, damit ich wieder einen klaren Gedanken fassen konnte. Und um ganz ehrlich zu sein. In diesem Moment wollte ich das nicht. Und aus Angst, dass er sich an die Gründe erinnerte, warum das hier falsch war, legte ich meine Arme um seinen Hals, zog mich zu ihm hoch und biss ihm neckisch in die Unterlippe. Ich war viel zu überrumpelt gewesen, um den Kuss in vollen Zügen auszukosten, doch als ich ihm nun meinen Mund auf seinen legte, nutzte ich die Gelegenheit und ließ meine Finger ihn erkunden. Das weiche Haar, den kratzigen Bart, die festen Schultern, Arme, wieder hin zur Brust. Jede Berührung steigerte das Verlangen noch mehr von ihm zu bekommen. Ein leises Stöhnen kam über meine Lippen, doch ich unterbrach den Kuss keine Sekunde. Stattdessen umschlang ich seinen Körper mit meinen Beinen, sodass er mich auf dem Tisch absetzen konnte. Was war mir nur all die Jahre entgangen? Diese sexuelle Anziehung zweier Menschen war unvergleichbar und besaß scheinbar einen eigenen Willen. Einen, der stärker war, als jedes logische Argument und jede Moral. Zumindest, solange er aufrechterhielt.

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Neyl Offline

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18.07.2016 02:18
#40 RE: Sexually aggressive Aedan. (SAA) Zitat · antworten







Wäre ich bei klarem Verstand gewesen, dann hätte ich all das hier wohl nie zugelassen. Doch schon, als ich durch diese Tür gekommen war, hatte sich dieser verabschiedet. All die Tatsachen, warum das hier keine gute Idee war, ja sogar gegen alles sprach was mich ausmachte, waren wie weggeblasen. Meine zweijährige Beziehung mit Robbie, der Fakt, dass Aedan mein Dozent war. Nie im Leben hätte ich von mir erwartet, mich je auf so etwas einzulassen. Doch all das war gerade nicht auf meinem Bildschirm. Ich sah nur Aedan. Aedan, dessen Blick mir kleine Schauer durch den Körper jagte, dessen Hand sich plötzlich in meine Haare vertiefte und mich erlöste. Und gleichzeitig weiteres Verlangen in mir weckte. Als seine Lippen auf meine trafen, öffnete ich sie augenblicklich um ihm Einlass zu gewähren. Spätestens jetzt drehte sich alles in mir und als er mich noch enger zu sich zog, erwiderte ich seinen Kuss ebenso leidenschaftlich, wie er es tat. Mein Innerstes zog sich zusammen, mein Herz überschlug sich förmlich vor Erregung. Es war unbeschreiblich, wie sehr er mich in seinen Bann zog und obwohl ich normalerweise ungern die Kontrolle verlor, genoss ich diesen Rausch in vollen Zügen.
Als Aedan sich von mir löste, brannten meine Lippen, ein Zittern ging durch meinen Körper und jeder Zentimeter Abstand von ihm war eine Qual. Als ich die Augen öffnete, blickte er auf mich hinab und Unsicherheit stieg in mir auf. Ich konnte den Ausdruck in seinem Gesicht nicht deuten (wie bereits erwähnt, hatte sich mein Verstand ausgeschaltet), doch dann strich er mir sanft mit seinem Daumen über die Haut. Er wirkte angespannt, als würde es ihm einiges abverlangen sich zu beherrschen. Und doch tat er es. Ein Lächeln umspielte meine Züge, als mir klar wurde, dass er mir die Möglichkeit gab die Notbremse zu ziehen und dabei gar nicht verstand, dass er dafür zu wenig anhatte, mir viel zu nahe war und eindeutig zu gut aussah, damit ich wieder einen klaren Gedanken fassen konnte. Und um ganz ehrlich zu sein. In diesem Moment wollte ich das nicht. Und aus Angst, dass er sich an die Gründe erinnerte, warum das hier falsch war, legte ich meine Arme um seinen Hals, zog mich zu ihm hoch und biss ihm neckisch in die Unterlippe. Ich war viel zu überrumpelt gewesen, um den Kuss in vollen Zügen auszukosten, doch als ich ihm nun meinen Mund auf seinen legte, nutzte ich die Gelegenheit und ließ meine Finger ihn erkunden. Das weiche Haar, den kratzigen Bart, die festen Schultern, Arme, wieder hin zur Brust. Jede Berührung steigerte das Verlangen noch mehr von ihm zu bekommen. Ein leises Stöhnen kam über meine Lippen, doch ich unterbrach den Kuss keine Sekunde. Stattdessen umschlang ich seinen Körper mit meinen Beinen, sodass er mich auf dem Tisch absetzen konnte. Was war mir nur all die Jahre entgangen? Diese sexuelle Anziehung zweier Menschen war unvergleichbar und besaß scheinbar einen eigenen Willen. Einen, der stärker war, als jedes logische Argument und jede Moral. Zumindest, solange er aufrechterhielt.

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JaneDoe Offline

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18.07.2016 08:29
#41 RE: Sexually aggressive Aedan. (SAA) Zitat · antworten

AEDAN

Mit Em hatte ich Jahre gebraucht. Wir kannten uns seit dem Sandkasten, und ich war wahrscheinlich auch genau schon ab diesem Zeitpunkt in sie verliebt gewesen, aber es brauchte über die Teenager-Zeit hinaus, um das auf die Reihe zu kriegen. In der Zwischenzeit hatte Em eine Reihe von Freunden gehabt, die ich allesamt nicht leiden konnte, und von denen einer desaströser war als der nächste. Und den letzten hatte sie überhaupt nur gehabt, um mich eifersüchtig zu machen. Zu dem Zeitpunkt war ich achtzehn gewesen. Ich hatte ihr in einer Art Krisengespräch, zugegeben ein bisschen angetrunken, ein paar Takte zu ihrer Männerwahl erzählt, und wenn Em nicht so dreist gewesen wäre und mir gesagt hätte, dass sie sich den ohnehin nur angelacht hatte, um aus mir eine Reaktion herauszukitzeln, wären Aedan & Em wohl nie ein Ding geworden.
Wenn man das mit der Art verglich, mit welcher ich Sutton anbaggerte, könnte man durchaus denken, das sind zwei verschiedene Menschen. Der eine ein Idiot, und der andere ein plumper Idiot. Na Moment, so unterschiedlich ist das doch gar nicht…
Aber so falsch konnte ich mit meinen Annahmen gar nicht gelegen haben, denn Sutton kam mir mehr als bereitwillig entgegen. Ich weiß nicht womit ich gerechnet hatte, eigentlich mit gar nichts, denken war ja nicht mehr, dementsprechend überraschte mich das. Außerdem legte es einen Schalter um, und alles Blut stürzte praktisch wie im freien Fall gen Süden. Mir war heiß – noch heißer als sonst, ich hatte eigentlich meistens Hitze und Em hatte beim Schlafen meistens einen Meter Abstand von mir gebraucht, weil sie meinte, ich sei ein Heizofen und sie würde verglühen, wenn sie näher bei mir lag – aber das hier war noch was anderes. Ihre Finger auf meiner Haut machten das Ganze nicht besser. Für einen Moment löste ich mich von ihr, um zu Atem zu kommen, und vielleicht auch ein bisschen zu Verstand. Sie schlug ihre Augen auf, und vorbei war es mit der Hoffnung, einen klaren Kopf zu bekommen. Sie sah mich dermaßen verklärt an, dass ich die Tatsache verfluchte, dass wir hier waren und nicht in meinem Schlafzimmer. Denn wären wir jetzt da, würde sie sich ziemlich fix in meinem Bett wiederfinden. Verdammt fix.
Hätte ich von ihrer Angst gewusst, mir könnten die Gründe „wieder einfallen“, weshalb diese Aktion hier… kritisch (um nicht zu sagen desaströs) war, hätte ich wohl laut gelacht. Schließlich dachte ich seit einer Woche nur noch daran und vor allem versuchte ich, sie zu umgehen. Ausreden zu suchen. Hatte immerhin funktioniert. Vielleicht sollte ich öfter weniger nachdenken, das hier hatte sich immerhin jetzt schon gelohnt. Selbst wenn ich dafür von der Uni fliegen sollte.
Sutton schlang die Arme um meinen Nacken und biss mir spielerisch in die Unterlippe. Ich hatte nie verstanden, wieso in Ems dämlichen Frauenromanen immer stand, dass Männer „knurrten“ - wir waren keine Tiere, zufällig auch Menschen, und knurren befand sich nicht in unserer Bandbreite der möglichen Geräusche, die unsere Stimmbänder erzeugen konnten. Aber für diesen Laut, der sich ungefragt gebildet hatte und der irgendwo tief aus der Kehle kam und im Hals kratzte (und den ich so von mir noch nie gehört hatte), war das wahrscheinlich immer noch die beste Beschreibung. Verrückt.
Ihre Hände waren genau dort, wo ich sie wollte – überall. In meinen Haaren, an meinem Kinn, meinen Schultern, meinen Armen, meiner Brust. Sie schlang die Beine um meine Hüfte, und ich befürchte, dass das die Hauptsicherung in meinem Schaltkasten ausknipste. Boom. Und es war so viel besser als in meinen Vorstellungen, ganz zu schweigen von den Lauten, die sie von sich gab. Himmelherrgott! Und endlich, als hätte ich Jahre darauf gewartet, wanderten meine Hände über ihren Körper, strichen ihren Rücken hinunter, ihre Beine entlang und auf dem Rückweg unter den Pullover, fuhr über ihre Hüfte, ihre Taille entlang. Mein Daumen fuhr durch den Stoff ihres Kleides über die untere Kante ihres BHs – und es brauchte das Knallen einer Tür im Gang, um mich zur Besinnung zu bringen.
Widerwillig ließ ich von ihr ab und vergrub mein Gesicht an ihrem Hals. Ich weiß nicht, welches Parfum sie benutzte, aber sie roch zum Anbeißen. Ich drückte einen Kuss auf die weiche Haut und versuchte, meine Atmung in den Griff zu kriegen. Meine Pumpe jagte, und ich fühlte mich, als hätte ich einen Marathon gelaufen. Vielleicht auch ein Herzinfarkt, wer wusste das schon? „Sutton“, brummte ich, ohne das Lippen von ihrer Haut zu nehmen. „Vielleicht sollten wir das nicht gerade in der Uni machen.“, fuhr ich fort. In Anbetracht der Tatsache, dass wir in einem nicht abgeschlossenen Raum, der als Abstellraum diente, saßen, und draußen gerade abgebaut wurde, war das nicht nur leichtsinnig, sondern Idiotie. Aber mit der hatte ich es ja sowieso im Moment, wie schon festgestellt wurde. Ich richtete mich auf, während ich ihre Beine sanft von meiner Hüfte löste, obwohl mein Körper ziemlich deutlich dagegen protestierte. „Eigentlich sollte ich mich bei dir entschuldigen.“, sagte ich, und lachte dann heiser auf. „Aber das wäre dann eine fette Lüge.“ Und ich log aus Prinzip nicht. Jedenfalls nicht, wenn es mich betraf. Em hatte ihre Spuren hinterlassen. Und obwohl ich ihr gerade gesagt hatte, dass wir aufhören mussten, beugte ich mich wieder vor. Ein Kuss noch. Nur ganz kurz. Aus „ganz kurz“ wurde natürlich wieder „viel zu gut um aufzuhören“, aber schließlich rückte ich entschieden ein Stück von ihr ab, bevor ich in meine Tasche griff und mir das frische Shirt überzog, bevor ich Sutton musterte. Man sah ihr viel zu deutlich an, was gerade passiert war, und während ich das in meinem Bett verdammt sexy gefunden hätte, missfiel es mir zu wissen, dass sie so durch die Stadt laufen würde. „Alles okay?“, fragte ich und schob ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und hinter das Ohr. Ich wollte nicht, dass sie etwas falsches dachte, und obwohl ich eigentlich am liebsten einfach nur die Beine in die Hand genommen hätte, um nach Hause zu fahren und eiskalt zu duschen – wobei das wahrscheinlich nicht reichen würde… - wollte ich sie hier nicht so sitzen lassen. Da war er wieder, der nette, liebe Aedan. Den war ich gewöhnt. Auch wenn der jetzt Schwierigkeiten haben würde, das auszubügeln, was der Idiot ihm eingebrockt hatte – auch wenn er kein Stück von dem bereute, was passiert war. Was ja irgendwie bedenklich war.
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FML, wer braucht das schon… Powerposting FTW!
(Und nachdem ich das geschrieben habe, dachte ich so: Das klingt wie Aedan, der versucht, hippe Jugendsprache nachzuahmen XD)



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Neyl Offline

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18.07.2016 22:54
#42 RE: Sexually aggressive Aedan. (SAA) Zitat · antworten







Noch besser, als ihn überall berühren zu können, war das Gefühl, wenn seine Hände über meinen Körper strichen. Es schien mir unmöglich, doch es verschlimmerte meinen jetzigen Zustand noch weiter. Ein Pulsieren, das unerträglich wurde. Beinahe schmerzhaft, aber nicht auf unangenehme Weise...
Als er meine Lippen freigab, protestierte mein Innerstes dagegen, doch schon legten sie sich auf meinen Hals und heißer Atem, traf auf heiße Haut. Ein Schauer jagte durch meinen Körper, als er meinen Namen aussprach und seine nächsten Worte, holten mich zumindest ein wenig zurück in die Realität. Die passendere Wortwahl wäre wohl gewesen, dass er mich aus meiner Ekstase riss, doch noch immer war ich zu angeschlagen, um bravouröse Sätze zu bilden. Uni? Oh ja, da war doch was! Erschrocken riss ich die Augen auf, als mir klar wurde, was ich hier überhaupt tat! Was wir hier taten! Was Aedan tat! Nie hätte ich erwartet, dass meine Schwärmerei für ihn in irgendeiner Weise erwidert werden würde. Ich schätze Aedan nicht als einen Kerl ein, der mit seinen Studentinnen rummachte, wenn sich die Ergebenheit ergab. Gut, dies war vermutlich eine Ausnahme, wie bei mir auch. Doch andererseits, was wusste ich schon von ihm? Menschenkenntnis alleine, darauf wollte ich mich nicht verlassen. Ohnehin schien ich momentan komplett von Sinnen zu sein...
Als Aedan sich von mir löste, ließ ich ihn bereitwillig ziehen, auch wenn alles in mir mit dieser Entscheidung nicht zufrieden schien. Und so schnell beruhigte sich mein rasendes Herz nicht, als dass ich mich als ansatzweise entspannt beschreiben konnte. Davon war ich Lichtjahre entfernt! Nicht ganz sicher, wie ich auf seine Aussage reagieren sollte, blickte ich ihn stumm an. Versuchte er gerade die Atmosphäre aufzulockern? Jedenfalls schien er nicht ansatzweise so überfordert mit der Situation zu sein, wie ich es war. Und als er sich erneut zu mir beugte und mich in einen Kuss verwickelte, setzte mein Herz abermals für einige Schläge aus. Vielleicht war es ganz gut, dass er nicht wusste, dass er so einen Einfluss auf mich hatte. Andererseits müsste es ihm nach diesem "Zwischenfall" eigentlich klar geworden sein...verdammt!
Während er nun endlich sein Vorhaben, ein neues Shirt anzuziehen, beendete, versuchte ich meine Atmung wieder zu normalisieren. Mit mäßigem Erfolg...Doch noch dringlicher kreisten meine Gedanken darum, was ich jetzt tun sollte. Wie ich reagieren sollte, was ich eigentlich fühlte und als wäre das nicht schon genug, versuchte ich auch all diese Dinge bei ihm aufzuklären. Ein Ding der Unmöglichkeit. Zumindest jetzt und hier. Zu meiner Verteidigung musste ich sagen, dass ich auch nicht sonderlich lange Zeit dafür hatte, denn schon hatte Aedan sich wieder zu mir umgedreht und musterte mich eingehend. "Alles okay?", fragte er und seine liebevolle Geste verwirrte mich zusätzlich. Ich nickte, ohne überhaupt eine Sekunde darüber nachgedacht zu haben. Doch selbst wenn, ich hatte absolut keine Ahnung, was ich denken oder fühlen sollte. Wie ein hilfloses Tier saß ich auf der Tischkante, unfähig überhaupt irgendetwas zu analysieren. Und aus dem Raubtier wurde plötzlich ein samter Kater. Das machte das Ganze nicht gerade einfacher. Wäre er ein Idiot, oder hätte sich jetzt wie ein Arschloch verhalten, dann würde ich dieses "was auch immer" zwischen uns schnell überwinden können, doch so...
So konnte ich gar nicht anders, als in seinem Blick zu versinken und ihm ein Lächeln zu schenken, welches mein Nicken eventuell ein wenig glaubwürdiger unterstrich. Da ich selbst keine Ahnung hatte, was ich tun wollte/sollte, schob ich mich erstmal von dem Tisch herunter und strich meine Kleidung zurecht. Noch immer herrschte dieses leichte Beben in mir und seine Anwesenheit machte es mir unmöglich meine Nervosität abzulegen. Aber ich hatte Aedans Lob ja nicht umsonst bekommen, weshalb ich mich zusammen riss und ihm etwas selbstsicherer entgegenblickte. Die Gedanken, die versuchten mich zu erreichen, blockierte ich erstmal, damit ich nicht vollends durchdrehte. Dafür war immer noch Zeit, wenn ich alleine war. Vermutlich mit 10 Päckchen Schokolade und 3 Falschen Wein...
"Es tut mir Leid.", sagte ich plötzlich und auf einen Schlag schienen meine negativen Gefühle über mich hereinzubrechen. Die Tatsache, dass ich Robbie gerade irgendwie betrogen hatte, dass ich Aedan in eine unmögliche Situation manövriert hatte...Ich musste alle Mühe aufbringen nicht hier und jetzt loszuheulen. Dabei war ich wirklich nicht nahe am Wasser gebaut. "Ich sollte besser gehen.", fuhr ich leise fort, griff nach meiner Tasche und schob mich an meinem Dozenten vorbei. Ich konnte unmöglich noch länger bei ihm bleiben. Und die Tatsache, dass ich einerseits überhaupt nicht weg von ihm wollte, machte die Sache nur noch schlimmer. Zum Glück schaffte ich es wirklich mich zu beherrschen, denn eine Flucht war schon schlimm genug, aber einen dramatischen Abgang wollte ich nun wirklich nicht hinlegen.

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JaneDoe Offline

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19.07.2016 15:51
#43 RE: Sexually aggressive Aedan. (SAA) Zitat · antworten

AEDAN (Keine Zeit für ein Bild!)

Erstaunlicherweise war ich vollkommen ruhig. Überhaupt nicht aufgewühlt. Vorher, ja, aber jetzt nicht mehr. Was zwei Ursachen haben könnte: Entweder war es die Ruhe vor dem Sturm und spätestens zuhause müsste ich mir eine Menge Bier gönnen, oder aber ich wusste jetzt, was ich wollte und war mir bewusst, welche Risiken ich einging. An sich traf letzteres sogar zu – was nicht hieß, dass das erstere nicht trotzdem eintreffen würde.
Was ich für eine Wirkung auf Sutton hatte, war mir natürlich nicht bewusst, auch wenn sie gerade unter meinen Händen förmlich zerschmolzen war – was einerseits daran lag, dass es andersherum genauso gewesen war, und zweitens raffte ich solche Dinge generell so lange nicht, bis man sie mir sagte. Ins Gesicht. Mit Worten.
Außerdem sah Sutton gerade aus, als hätte sie der Blitz getroffen, und obwohl man ihr deutlich ansah, dass es ratterte, hatte ich keinen blassen Schimmer, in welche Richtung das ging. Das gefiel mir nicht. Was mich dazu bewegte, nachzufragen, ob alles in Ordnung ist. Ihr Nicken und das Lächeln, das daraufhin folgte, sah sogar aus, als stimmte das. Nachdem sie aufgestanden und ihre Kleidung zurechtgezogen hatte, sah sie sogar einigermaßen gefasst aus – das beruhigte mich. Ich wollte sie ungern in eine Lebenskrise gestürzt haben, nur, weil ich meine Hormone nicht im Griff hatte.
Und dann, als hätte ich sie geschlagen, sagte sie „Es tut mir Leid.“, woraufhin mir ein verdattertes „Das muss es nicht“ herausrutschte, und ich sah ihr zu, wie sie förmlich hinausstürmte.
Moment.
Das sah nicht aus, als wäre es auch nur halbwegs okay.
Ich meine, klar, ich hatte sie ziemlich überfallen, damit, aber eigentlich hatte sie nicht gewirkt, als – also, mitgemacht hatte sie – okay, ich war verwirrt.
Das war mir jetzt zu schnell.

Tatsächlich war das Tief gekommen, als ich meine Wohnungstür hinter mir zugemacht hatte. Ich hatte mir an den Kopf gefasst und war dort regungslos eine Viertelstunde stehen geblieben, die Hand in den Haaren, der Blick fassungslos, in dem Kopf eine Stimme, die in Dauerschleife „Was zur Hölle, Aedan?“ schrie.
Mittlerweile war es Montag, und die Stimme brüllte immer noch. Sie bläkte vor sich hin, während dazu noch eine andere kam, die bedauerte, dass ich Sutton bisher nicht noch einmal in die Finger bekommen hatte und noch eine, die rumheulte, wie Leid mir das alles tat und dass es mir auch für sie Leid tat, und dass sie ja eine Beziehung hatte – kurz gesagt, es war anstrengend.
Ich lernte zwar, die Stimmen einfach in den Hintergrund zu schieben und mich, wie vorher auch, in Arbeit zu stürzen, aber sie waren dennoch da.
Und der Wunsch, das zu wiederholen, auch.
Deshalb kam es mir nur gelegen, dass es wieder Zeit fürs Boxen war. Heute prügelte ich mich mit Wes, was gut war, denn mit Wes konnte man sich auch wirklich prügeln und machte nicht nur vorsichtige, technische Schläge. Und heute brauchte ich keine Vorsicht, was ich heute brauchte, war ein kräftiger Schlag gegen den Hinterkopf, damit ich mal wieder wie ein normaler Mensch dachte. Nicht wie ein pubertierender Teenie.
Und endlich, während wir, die behandschuhten Fäuste zur Deckung gehoben, umeinander herumtänzelten und uns ständig ausbrachen um uns eine zu verpassen, war es in meinem Kopf leer.



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Neyl Offline

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19.07.2016 22:00
#44 RE: Sexually aggressive Aedan. (SAA) Zitat · antworten







60 Minuten Power-Yoga waren genau das gewesen, was ich nach diesem grauenhaften Wochenende gebraucht hatte. Nachdem ich vor Aedan geflüchtet war, hatte ich mich zwei Tage lang in meinem Apartment verkrochen, ohne das Geschehene auch nur ansatzweise verarbeitet zu haben. Nicht nur, dass mich mein schlechtes Gewissen innerlich auffraß, nein, auch hatte mein Fehltritt dazu geführt, dass mein Verlangen nach Aedan nur noch gestiegen war. Ich schaffte es einfach nicht, ihn aus meinen Gedanken zu vertreiben und irgendwie hatte ich die Vermutung, dass es nicht funktionierte, weil ich es nur halbherzig versuchte. Wenn ich nicht gerade kurz vor dem Verzweifeln war, dann ertappte ich mich immer wieder dabei, wie ich an den Kuss mit meinem Dozenten dachte und dieses Gefühl mich erneut überwältigte. Also hatte ich die vergangenen Tage damit verbracht mich selbst zu hassen und mich gleichzeitig nach jemandem zu sehnen, den ich eigentlich vergessen wollte und dann doch wieder nicht. Was war die Steigerung von Verwirrung?
Jedenfalls hatte ich mich an diesem Morgen aufgerafft und entschlossen, dass ich mich unmöglich weiterhin verkriechen konnte. Ändern konnte ich ohnehin nichts an dem, was geschehen war. So einfach war das natürlich nicht. Sicherlich gab es Menschen, die solche Dinge einfach so abschließen konnten, doch ich gehörte nicht zu dieser Sorte.
Ich bedankte mich bei John, der mir eine Flasche Soda über den Tresen reichte und genehmigte mir einige eiskalte Schlücke, ehe ich mich erhob und Richtung Ausgang schlenderte. Als ich vorhin am Fitnessstudio angekommen war, hatte ich Mike, einen langjährigen Freund meinerseits getroffen, dem ich versprochen hatte, nach meinem Kurs einen kleinen Besuch abzustatten. Bisher war ich noch nie im Keller des Gebäudes gewesen, weshalb ich ein wenig planlos die Treppen hinunter lief und mich dort nach der richtigen Tür umsah. Meine Sportkleidung hatte ich angehalten, weil ich mit dem Gedanken spielte einen weiteren Kurs zu besuchen. Wenigstens war man dabei soweit abgelenkt, dass ich nicht jede Minute mit meinen wirren Gedanken beschäftigt war.Höchstens jede zweite...
Auf dem Weg den Gang hinunter, löste ich meinen Zopf um mir die Haare neu zusammenzubinden. Zwei Männer kamen mir entgegen, die ich freundlich grüßte, ehe ich mich endlich vor der richtigen Tür befand. Schon jetzt war mir klar, dass hier unten anderes Publikum herrschte, als in den oberen Etagen, doch das störte mich nicht. Im Gegenteil. Oftmals kam ich mit den"normalen" Leuten besser zurecht, als mit der High Society. Trotzdem wusste ich die Vorteile zu schätzen, die ein reicher Daddy mit sich brachte. Meine Gedanken wurden jäh unterbrochen, als ich die Tür aufschob und mich in der riesigen Halle umblickte. Testosteron so weit das Auge reichte. Und offenbar waren Frauen hier nicht oft gesehen, zumindest fühlte ich mich plötzlich wie auf dem Präsentierteller, als ich mich auf die Suche nach Mike begab. Doch anstelle des dunkelhäutigen Bodybuilders, entdeckte ich plötzlich jemanden ganz anderen. Ich musste zweimal hinsehen, um mir sicher zu sein, dass ich mir nicht nur einbildete ihn zu sehen, denn immerhin schlich er sich ja andauernd in meinen Kopf, doch er war es wirklich. Augenblicklich meldete sich mein Verstand, schrie, wurde leiser, immer leiser und verstummte hinter dem Bedürfnis mich dem Boxring und somit Aedan zu nähern. Ob ich nun immer so reagieren würde, wenn ich ihn sah? Oder lag es wieder an dem Nichtvorhandensein gewisser Kleidungsstücke. Doch konnte man mir wirklich vorwerfen mich von diesem Anblick angezogen zu fühlen? Er wirkte so konzentriert und...Ich stand nun direkt vor den Seilen und beobachtete Aedan und seinen Sparringpartner mit einem leichten Lächeln. Und seltsamerweise fühlte ich mich wohler, wie seit Tagen. Ihn hier zu sehen linderte meine konfusen Empfindungen nicht und doch verscheuchte gerade er den schweren Stein, der auf meinem Herzen lastete.

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JaneDoe Offline

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19.07.2016 22:52
#45 RE: Sexually aggressive Aedan. (SAA) Zitat · antworten


Ausnahmsweise wieder mit Bild.


Beim Boxen überließ ich mich meinem Instinkt. Natürlich musste man grundlegende Techniken beherrschen, aber wenn man die drauf hatte, war viel Intuition und Reflex dabei. Da ich normalerweise ein ziemlich verkopfter Mensch war und alles überdenken musste, tat es mir gut, beim Sport die Zügel loszulassen.
Und Wesley mochte es einfach unheimlich, auf andere Leute einzudreschen und Schläge zu bekommen. Wes war eigentlich eine coole Socke, aber um mit ihm im Ring zu stehen, musste man einiges abkönnen – weshalb das nicht jeder machte. Heute war allerdings erstens niemand andres frei und zweitens, wie gesagt, brauchte ich das. Ein bisschen klischeehaft machomäßig prügeln, ein bisschen Testosteron versprühen. Nicht, dass der Keller des Fitnessstudios noch mehr Testosteron brauchte, hier hing so viel in der Luft, dass ich mich manchmal fragte, wie zur Hölle es sein konnte, dass nicht alle an Sauerstoffmangel starben hier drin. Und trotzdem, sobald ich die Tür aufmachte straffte sich mein Rücken und meine Schultern drückten sich nach hinten und ich plusterte mich auf wie ein Gockel. Jedes verdammte Mal. Dummes Männergehabe.
Wes holte zu einem Haken aus, aber da konnte ich mich noch ganz gut mit einem geduckten Schritt zur Seite retten und verpasste ihm eine Breitseite gegen die Rippen. Wir standen uns wieder einen Moment gegenüber, mussten beide ein wenig zu Atem kommen, bevor ich einen Satz nach vorn machte und meinerseits angriff. Das war nicht sonderlich von Erfolg gekrönt, aber Wes legte nach.
Dann, wie in einem Bilderbuch, sah ich in einem Ausweichmanöver eine Gestalt, die viel zu klein war, um einer von uns Jungs zu sein und deren rotes Haar viel zu lang war. Hier hatte nur einer rote lange Haare, und das war ein zwei Meter zehn großer irischer Hüne. Jamie war das ganz sicher nicht.
Sutton? Verdutzt hielt ich inne, richtete mich verwirrt ein Stück auf, ließ die Fäuste sinken, die ich mir abwehrend vor das Gesicht gehalten hatte, und sah sie an. Nicht sonderlich lange, vielleicht nur für den Bruchteil einer Sekunde, bevor mit einem Krachen Wesleys Faust auf meinem Kiefer landete, dass mein Kopf nicht unsanft zur Seite flog. Mir entwischte ein ziemlich saftiger Fluch, etwas, das mir eher selten passierte. „Deckung, Costello!“, bellte Wes, während ich Mühe hatte, die Menge an Sterne zu verarbeiten, die in meiner Sicht herumflimmerten. Ich brauchte einen Moment, um wieder klare Konturen zu sehen, blinzelte einige Male. Was geschah hier gerade? Stand Sutton wirklich am Boxring, lächelte selig vor sich hin, und hatte ich gerade von Wes einen Kinnhaken der derbsten Sorte abbekommen? Wieso genau trainierte ich nochmal mit Wes? „Da verirrt sich ein Mal eine Frau in den Keller, und der Junge kann sich nicht mehr konzentrieren.“, sprach Wes, und ich stellte fest, dass er sich Sutton zugewandt hatte. Sich gegen die Seile lehnend, türmte der große, schwarze Mann über ihr auf und grinste. „Wahrscheinlich hat er kein Mädel mehr gesehen, seit seine Ex ihn in den Wind geschossen hat.“, fuhr er fort, und zwinkerte ihr zu. „Halt die Klappe, Wes.“, stöhnte ich und rieb mir den Kiefer. Scheiße, der hatte mehr als gesessen, und noch dazu fiel es Wes im Traum nicht ein, still zu sein. „Natürlich kannste hier nicht in dem Aufzug auftauchen, war ja nur 'ne Frage der Zeit, bis sich jemand was tut.“ Ich hob den Kopf, das rechte Auge noch zugedrückt, mir explodierte der Schädel, das Licht war zu hell. „Lass sie-“ Mir fiel die Kinnlade herab. Ihr Ernst?
Sutton trug zum Sport im Prinzip nur Unterwäsche. Ein graues Bustier, ein Shorts, die eigentlich eher einem Slip ähnelte als einer Hose und einer Sweatjacke. Offen. Mit freier Sicht auf ihren Ausschnitt, ihren nackten Bauch, ihrer Hüfte und den verdammten Beinen. Wer kam auf die Idee, dass es in Ordnung war, wenn Frauen so Sport machten? Scheinbar hatte ich mehr als offensichtlich geglotzt, denn Wesleys barsches Lachen hallte durch den ganzen Raum.
„Hey, Mike!“, brüllte Wes quer durch den Keller, und ich stöhnte auf. Ein einziger Moment Verwunderung entwickelte sich gerade zum peinlichsten Moment meines Lebens. „Nicht so laut!“, zischte ich und rieb mir die Schläfe. Wes interessierte das natürlich einen Scheißdreck. „Mikey, komm mal, Aedan hat seinen Kehlkopf verschluckt! Ich glaub', der braucht 'nen Arzt!“
Ach. Du. Scheiße.
Mike kam angetrabt, grinsend. „Was hat Costello angestellt?“ Mittlerweile hatte ich meine Handschuhe ausgezogen und massierte mir die Schläfe, lehnte eher als dass ich stand am Eckpfeiler. Noch immer zog der Schlag nach, jedes Gehirnareal schien isoliert leiden zu müssen. Eines brav nach dem anderen, während es mir in den Ohren immer noch klingelte, ganz zu schweigen von meinen Augen, die an einer gewissen halbnackten Rothaarigen klebten. Was zur Hölle passierte hier? Ich war doch so froh, ein bisschen Ruhe zu haben?



What screws us up most in life is this picture in our head of how it's supposed to be.

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