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Dieses Thema hat 187 Antworten
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 RPG~Profi
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JaneDoe Offline

Dicke, untervögelte Teilzeit-Brockhaus-Chiller-Robbe


Beiträge: 136

20.08.2016 14:26
#136 Och... nö xD Zitat · antworten



Mehr als ein Seufzen blieb mir nicht übrig. Eigentlich wusste ich, dass ich kein Recht hatte, mich über Robbie zu beschweren. Ich spannte ihm die Freundin aus, Gott im Himmel! Aber andererseits wallte einfach alles in mir auf, Stolz, Testosteron mit dem folgenden männlichen Gehabe, im Hintergrund ein Besitzanspruch, der permanent von der vernunft verdroschen wurde, allerdings ein ziemliches Durchhaltevermögen hatte. Und Logik und Vernunft mochten den Typen auch nicht sonderlich. Wer noch an Gesellschafts- und Geschlechtsbildern festhielt, die bereits vor über einem Jahrhundert begonnen worden zu umzustürzen, der hatte definitiv eine Schelle verdient. Gott, schmeiß Hirn vom Himmel – oder schwere Steine!, sagte Luke immer, wenn er Menschen traf, die er nicht mochte, und hier musste ich ihm leider zustimmen. Ich hatte unterschätzt, wie schwer es war, vor anderen Menschen so zu tun, als wäre ich nur Dozent. Als wäre ich nicht ein unmoralisches Arschloch.
So himmlisch es war, wenn Sutton mich berührte – wenn sie es nicht tat, war sie sehr schlecht für mein Selbstbild. Das bröckelte gerade auseinander, weil sich meine Moralvorstellungen, mein Fundament, scheinbar in Luft aufgelöst hatten. Kim erhob das Wort, und höflichst bat ich sie, still zu sein. Nicht jetzt, nicht hier, nicht vor diesen Menschen. Nicht, wenn ich über diese Tatsache ohnehin schon von mir aus ziemlich beschämt war. Sutton fragte matt, wer gewonnen hatte, und ich zuckte lediglich mit den Achseln. Kim sah mich fragend an. „Ich hab' das Ende verpasst.“ „In solchen Sachen sehen sich immer beide Männer als Gewinner. Testosteron vernebelt das klare Denken.“ Auch wenn einem vorgegaukelt wird, dass man ganz eindeutig gewonnen hatte, war das einfach nur ein Restschub vom Proll-Hormon. Meistens gewann keiner und beide machten sich tierisch zum Affen.
Als Sutton aufstand, sah ich zu ihr, bevor sie Kim angrinste – und zweideutig war noch untertrieben. Das war mehr als eindeutig anzüglich dieses Grinsen, und die Worte, die darauf folgten, waren noch schlimmer. Meine Mundwinkel zuckten, bevor sie sich gegen meinen Willen in dieses breite Männergrinsen verzogen, an dem Wes und Mike erst erkannt hatten, dass ich irgendwo eine Frau versteckt haben musste. Dieses selbstzufriedene Grinsen, als wäre man ein Jäger, der seine Beute gerissen hatte. Dieses Grinsen, das so dreckig war, dass jeder Außenstehende, jeder Fremde genau sah, worum es ging. Und das so allmächtig und selbstständig war, dass es erschien und verschwand, wie es wollte. Kims Kinnlade war herabgesackt, und ihr Mund stand offen. „Sutton!“, zischte sie, „Ich freue mich unheimlich, dass ihr Spaß habt, und ich finde es klasse, dass du mirendlich was erzählst, aber hier? Und jetzt?“ Sie machte mit dem Kopf eine ruckartige Bewegung in Richtung des Gebäudeinneren. „Und du!“ Dann trat sie zu mir. „Schmier! Dir! Das! Grinsen! Aus! Dem! Gesicht!“ Mit jedem Wort fing ich mir einen Schlag gegen die Schulter, und ich runzelte die Stirn. „Kim!“, sagte ich warnend, aber sie schüttelte den Kopf, dass die Locken nur so flogen. „Ich helfe euch!“ Sie hielt inne. „Nein, besser: ich rette euch den Arsch. Wie mag das wohl aussehen, wenn Sutton vollkommen zittrig wieder hereinkommt und ihr Dozent mit dem Grinsen dahinter steht? Selbst wenn ihr wirklich nur geredet habt?“ Meine Mundwinkel zuckten, und ich schmunzelte. Ich sah, was Luke an ihr mochte. „Aedan!“ Dafür fing ich mit einen guten Treffer mit der Faust. „Ist ja gut.“, murrte ich und rieb mir das Kinn, tief ein- und ausatmend, um meine Beherrschung wieder zu finden. „Und rauch nicht zu viel vor deinen Studenten, das ist mehr als eindeutig“, war ihre letzte Ermahnung, bevor sie wieder zu ihrer rothaarigen, hinreißenden Freundin trat.



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Neyl Offline

Admin


Beiträge: 36.228

20.08.2016 17:34
#137 RE: Stimmt, sie zu quälen ist ja so viel schöner xD Zitat · antworten







So recht konnte ich mir nicht vorstellen, dass es das sogenannten "Testosteron-Battle" wirklich gegeben hatte. Weder Robbie, noch Aedan schienen der Typ dafür zu sein, weshalb ich Kims Aussage als maßlose Übertreibung abstempelte, angefeuert durch viel Fantasie und dem Vorhandensein einiger Backgroundinfos. Dennoch entging mir natürlich nicht, dass IRGENDETWAS mit ihm los war und ich versuchte dieses IRGENDETWAS zu ergründen, weshalb mir nicht mal wirklich bewusst wurde, dass Aedan durch seine nächste Aussage bezeugte, dass dem wirklich so gewesen war. Sei es drum...
Ich war mir nicht mal sicher, warum ich meine eigene Aussage tätigte und das auch noch in seinem Beisein. In meinem Kopf hallte ein langgezogenes "FUUUUUUUUUUUUUCK", aber da waren die Worte natürlich schon über meine Lippen. "Sorry?", brachte ich hervor, als Kim das unpassende Timing erwähnte, ehe sie sich auf Aedan stürzte, dessen Grinsen eine unerwartete Wirkung auf mich hatte. Nicht nur, dass es mich zum ersten ehrlichen Lächeln des Tages brachte, nein, auch hatte ich plötzlich das Gefühl, dass es ähnlich wie seine Berührungen funktionierte. Nämlich jeden negativen Gedanken in mir auszulöschen, was mich ja eigentlich erst in diesen ganzen Schlamassel gebracht hatte. Bei Kim schien er etwas anderes auszulösen und ich wusste nicht, ob ich laut loslachen oder erschüttert darüber sein sollte. Sie schien ganz zu vergessen, dass Aedan ja immer noch unser Dozent war und...Vielleicht sollte gerade ICH besser die Klappe halten. Sehr clever, Sutton, wirklich. War ja schließlich nicht so, dass ICH diese Grenze nicht weitaus schlimmer überschritten hatte. „Nein, besser: ich rette euch den Arsch. Wie mag das wohl aussehen, wenn Sutton vollkommen zittrig wieder hereinkommt und ihr Dozent mit dem Grinsen dahinter steht? Selbst wenn ihr wirklich nur geredet habt?“ Dieser Satz brachte mich wieder zurück, ebenso wie die Schuldgefühle, die bereits einen riesigen Krater in meinen Bauch gefressen hatten. Sie hatte Recht, wenn ich nicht wollte, dass Robbie Verdacht schöpfte, dann mussten wir uns zusammenreißen. „Und rauch nicht zu viel vor deinen Studenten, das ist mehr als eindeutig.“, beendete Kim ihre Moralpredigt und ich blickte sie mit leicht geöffnetem Mund an, als sie wieder zu mir trat. Was war eindeutig?
Ich warf Aeden einen kurzen Blick zu, und er sah ebenso wie ein zurechtgewiesenes Kind aus, wie ich mich zurzeit fühlte. Und man bedenke, dass wir hier immer noch von Kim sprachen, deren moralischer Kompass vermutlich noch nie nach Norden gedeutet hatte.
"Ich sollte wieder reingehen.", murmelte ich, atmete kurz durch, um mich wieder zu sammeln und trat auf Aedan, der die Tür noch immer versperrte, zu. "Wir sollten reden.", sagte ich, als ich vor ihm Halt machte, darauf wartend, dass er zur Seite trat. Ja, vermutlich wurde es höchste Zeit, dass wir das taten. Ebenso wie es für mich Zeit wurde, endlich eine Entscheidung zu treffen. Wieder zurück in meinem Happy-Modus, schaffte ich es ihm ein kleines Lächeln zu schenken, ehe ich an ihm vorbei ins Innere des Gebäudes trat. Nicht nachdenken, Sutton.
Wie oft hatte ich mir diesen Satz in den letzten Wochen gesagt? Und schlussendlich hatte es nur dazu geführt, dass meine Verwirrung ins Unendliche gestiegen war. "Da bist du ja, ist alles in Ordnung?", fragte Robbie mich, als ich zu ihm trat und ich nickte. "Ja, ich glaube, ich brüte etwas aus.", log ich und lächelte beruhigend. Robbie musterte mich einen Tick zu lange, weshalb ich froh war, dass plötzlich eine Frau zu uns trat, die ich zuvor noch nie gesehen hatte. "Hast du dich verlaufen?", fragte ich amüsiert, weil ihr Blick suchend durch die Gegend glitt. "Ich suche jemanden.", erwiderte die Blondine und in dem Bruchteil bevor sie die nächsten Worte sprach, überkam mich dieses Gefühl, dass ich ihre Stimme schon einmal irgendwo gehört hatte. "Aedan Costello. Ich bin Emily, seine Verlobte." Ich schwöre, wenn mich jetzt jemand mit der Nadel gestochen hätte, wäre kein einziger Tropfen Blut heraus geflossen.

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JaneDoe Offline

Dicke, untervögelte Teilzeit-Brockhaus-Chiller-Robbe


Beiträge: 136

21.08.2016 23:51
#138 DINITIV! Zitat · antworten



Es war eine Sache, von meiner Studentin förmlich verprügelt zu werden, denn sie hatte recht – sie rettete uns damit wirklich den Arsch. Da sei es ihr auch erlaubt, auf meiner Schulter herumzuhämmern. Es war auch eine erträgliche Sache, dass Sutton mir eröffnete, mit mir reden zu wollen. Ich meine, ja, im ersten Moment runzelte ich die Stirn, weil „Wir müssen reden“ klang immer stark nach Abfuhr, Beziehungspause oder „Ich habe dich drei Monate lang betrogen“, aber ich war der festen Überzeugung, egal was kam, nichts könnte schlimmer sein, als der blonde Schopf, den ich schon sah, als ich Sutton die Tür aufhielt und ihr in den Raum zurück folgen wollte. Im Gegensatz zu meinen Studentinnen erstarrte ich allerdings auf dem Fleck, nicht in der Lage, mich zu rühren.
Blut war eine faszinierende Sache. Normalerweise spürte man es kaum. So gar nicht. Aber manchmal, wenn der Körper extreme Situationen durchmachte, spürte man es fließen. Nach der Blutplasma-Spende, wenn man die Natriumchlorid-Lösung bekam, die „nur“ Zimmertemperatur hatte, spürte man, wie sie einem kühl bis in die Schulter hinauf floss, man fühlte, wo die Ader verlief. Wenn man erregt war, wurde es angenehm warm, fast heiß, aber nie unangenehm, und rauschte einem ganz aufgeregt durch den Körper. Und gerade? Gerade stürzte es brüllend durch seine Gänge, trommelte an die Wände, angetrieben vom Herz, das wild um sich schlug, noch schneller zu laufen, sich noch mehr zu beeilen. Ich ballte die Hände zu Fäusten und trat zu der kleinen Gruppe. Robbie war, na ein Glück, auch hier. Ich musterte das mir so bekannte Gesicht, als wäre es mein eigenes, mit aufeinandergebissenen Zähnen. Die Kiefermuskulatur angespannt, die Fäuste so fest geschlossen, dass die Knöchel weiß wurden, musste ich wirklich, wirklich stark mit meiner Beherrschung ringen. „Hast du geraucht?“, fragte sie stirnrunzelnd, und ich nickte. Sie schüttelte den Kopf, musste nicht mehr sagen als das. Das passt nicht zu dir und Ich mag das nicht steckte dahinter. Und es hing mir zum Halse raus, dass sie der Meinung war, da ein Wort mitreden zu dürfen. Angespannt rieb ich mir den Nacken, sah über sie hinweg, um das blonde Haar nicht sehen müssen, das gebleichte, mit dem leichten dunklen Ansatz, wenn es mal wieder länger als vier Wochen war, dass sie den Ansatz nachgefärbt hatte. Wollte nicht ihre Nasenspitze sehen, die sie nicht mochte, und gegen die ich ihr mit dem Zeigefinger getippt hatte. Wollte nicht diese eisblauen Augen sehen, die so durchdringend wie warm dreinschauen konnte, und vor allem dieser Mund, diese geschwungenen Lippen, mit der sanften Kontur, der zwar einen verdammt guten Blowjob auf die Reihe bekam, aber mehr auch nicht – denn äußern, dass es Beziehungsprobleme gab, daran scheiterte er.
Es ging mir in keinster Weise darum, dass ich melancholisch wurde. Oder das alles gar vermisste. Überhaupt nicht. Diese Züge kannte ich zwar wie meine eigenen, aber es war eher wie ein böser Zwilling, den man nicht sehen wollte. Es ging mir darum, dass sie hier reinstolzierte, als gehöre ihr die Welt, und das Präsens benutzte, obwohl sie diejenige war, die alles verdorben hatte! Ich wollte sie nicht mehr sehen, ich wollte, dass sie ging, ich war so verdammt wütend!
Ehemalige Verlobte.“, sagte ich, und richtete das erste Mal meinen Blick auf sie. So langsam sie auch war, dieses Mal begriff sie und runzelte unsicher die Stirn, und selbst Robbie sah verwirrt zwischen uns hin und her, öffnete kurz den Mund, schloss ihn wieder. „Was willst du hier?“ Empört spitzte Em die Lippen und drückte mir einen Kuli in die Hand. „Nicht so frostig, mein Lieber.“ Mit einem widerlichen Knacken brach das Schreibgerät in meiner Faust entzwei. Robbie sank die Kinnlade herunter, und Emily sah zögernd zu mir, bevor sie sich räusperte. „Du musst da was unterschreiben.“ Ich trat näher, bedrängte sie, schob sie förmlich zum Ausgang. „Dafür gibt es die Post.“ Sie verdrehte die Augen. „Jetzt mach hier mal bitte nicht so ein Theater. Das ist ja peinlich“, flüsterte sie, bevor sie anhielt, und sich auch nicht weiter verdrängen ließ, obwohl meine Brust ihre Schulter berührte. „Gott im Himmel, rede doch bitte mal mit mir, Aedan!“ Sie hob beide Hände, und ich sah vielsagend auf das Setting: eine Aula mit allen meinen Studenten der Juilliard. Dafür kommst du an meinen Arbeitsplatz?“ Sie schüttelte den Kopf. „Sag' mir wann.“ Ich schnaubte und verschränkte die Arme vor der Brust. „Du hast immer gesagt, ich wäre der arbeitslose von uns. Die viel beschäftigte Em gibt den Ton der Termine an, und das hat sich bis jetzt nicht geändert.“ Sie zückte ihr Handy und bedeutete mir, es mir gleich zu tun. Ich gehorchte, aber vor allem deshalb, weil die Studenten zu tuscheln begannen. Erstaunlicherweise brauchten wir keine Minute, um einen Termin zu finden – was daran lag, dass es mir ziemlich egal war, wann der stattfand.
Ich würde nicht auftauchen.



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Neyl Offline

Admin


Beiträge: 36.228

22.08.2016 12:20
#139 RE: Drama Lama, lama, lama, lama ding dong xD Zitat · antworten







Auch, wenn Aedan ihren Satz sofort mit "ehemalige Verlobte" klar stellte, brannten sich diese zwei Wörter in mich ein. Zum einen, weil meine Vermutungen bestätigt worden, dass Emily versuchte ihre Beziehung mit ihm wieder zu kitten und zum anderen, weil sich mein Magen dabei schmerzhaft zusammenzog, wie damals bei ihrem Cockblock, der mir diesen Gedanken zum ersten Mal beschert hatte (und den ich seither brav ignoriert hatte). Erneut bereute ich diesen Umstand, denn eventuell würden mich solche Dinge nicht immer aus heiterem Himmel treffen, wenn ich es mir erlauben würde, öfter an diese Sachen zu denken. Unfähig etwas dagegen zu tun, starrte ich Emily an, deren Aufmerksamkeit zum Glück dem Mann neben ihr galt. Und verdammt, sie war unglaublich hübsch. Diese Aussage konnte man jedoch als alles andere als neidlos bezeichnen. Eine weitere Empfindung, die mich unerwartet hart traf, denn normalerweise war ich nicht der Typ dafür. Und als ich endlich meinen Blick abwenden konnte und zu unserem Dozenten sah, verpasste mir dieser Anblick das Knockout. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich noch nicht sagen, warum das so war, aber ich spürte es so heftig, dass die Frage nach dem "Warum" erst einmal in den Hintergrund rückte. Alle Konzentration wurde ohnehin gebraucht, um mich auf den Beinen zu halten und irgendwie all diesen Schmerz nicht nach außen dringen zu lassen. Als Aedan den Kugelschreiber entzwei brach, zuckte ich jedoch zusammen und auch Robbie schien milde ausgedrückt überrascht. Aedans Wut war durch den kompletten Raum spürbar, fast greifbar und meine Augen wanderten von ihm zu meinem Freund, wieder zurück, dann wieder zu Robbie. Würde er mir mit dem gleichen Hass entgegenkommen, wenn er wüsste, dass ich ihn mit meinem Dozenten betrog? Vermutlich. Und wieso? Weil er mich liebte...
Einige Sekunden lang starrte ich ins Leere, während sich das "Warum" deutlich vor mir manifestierte. Ich hatte mich Kim gegenüber als Lückenbüßerin bezeichnet, und es auch so gedacht. Doch auch dieser Gedanke hatte bislang nur außerhalb der Mauer existiert. Die, die ich fein säuberlich um mein Herz und meinen Kopf herum gebaut hatte und vielleicht erklärte, warum der Rest meines Körpers so gelitten hatte. (Wenn Aedan nicht gerade dafür sorgte, dass es ihm sehr, sehr gut ging). Doch entweder hatte diese zurzeit einige Löcher, oder ich hatte irgendein Törchen geöffnet, denn ich ließ diesen Gedanken nicht nur zu, sondern ermöglichte ihm auch mir zuzusetzen. Mehr, als mir lieb war. Mehr, als ich gedacht hätte. Und dieser Umstand verwirrte mich -mal wieder.
"Was für ein Zirkus...", murmelte Robbie, nachdem Aedan Emily weg geschoben hatte und ich beobachtete, wie beide ihr Handy zückten, während ich zum ersten Mal realisierte, dass auch die Anderen diese Szene verfolgten. Vermutlich zu meinem Glück. "Was?", fragte ich und löste noch völlig durcheinander meinen Blick von den Beiden. "So eine Szene zu machen, peinlicher geht es nicht mehr.", erwiderte Robbie und verdrehte die Augen. "Also, ich werde dann mal in die Stadt fahren. Soll ich dich nachher abholen?", fragte er, legte seine Hand an meine Wange und strich mit dem Daumen darüber. "Musst du nicht.", erwiderte ich und lächelte über all mein Gefühlschaos hinweg. "Dann sehen wir uns heute Abend bei deinem Vater." Ich nickte, ehe er den Kopf zu mir senkte, einen Kuss auf meine Lippen hauchte, die Aula verließ und ich mittendrin stehen blieb, ein wenig verloren. Ich konnte sehen, dass Robbie Aedan einen kurzen missfallenden Blick zuwarf, weshalb mein Blick unsicher an dem Dozenten hängen blieb.

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JaneDoe Offline

Dicke, untervögelte Teilzeit-Brockhaus-Chiller-Robbe


Beiträge: 136

22.08.2016 13:26
#140 Ich bin nicht gut darin, Gefühlschaos auszudrücken... wenns nach mir ginge, stünde da nur: "AAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHH!!!!!" Zitat · antworten



Ich klickte auf „Speichern“, damit der Termin im Kalender sicher saß, steckte das Handy weg und deutete auf die Tür – als ich Robbie im Augenwinkel vorbeigehen sah. Sein Blick war urteilend, nicht sehr freundlich, drückte Missfallen aus, und mir schoss glühende Wut zurück in die Adern.
Wer war er, dass er dachte, auch nur den Ansatz eines Rechts zu haben, über mich zu urteilen? Dieser Gedanke wirkte sich allerdings wie ein Schwall eiskalten Wassers auf mich aus – wie die Ice Bucket Challenge, nur ohne Ice Bucket, sozusagen. Noch hatte er das nicht, aber bald. Ziemlich bald. Und um ehrlich zu sein: Ich stand im Moment so unter Druck wie ein Dampfkessel, es war nur eine Frage der Zeit, bis ich in die Luft ging. Zumindest wenn Em und Robbie so weitermachten. Also, was heißt weitermachen, prinzipiell waren sie ja einfach nur anwesend -
Was bedeutete, dass der Fehler bei mir lag.
Natürlich tat er das. Schon die ganze Zeit, und nicht nur einer. Ich war anmaßend – und ein Arschloch, wie schon gesagt.
Ohne Em zu verabschieden, unter anderem, weil ich gerade dabei war, in der Scheiße zu ersaufen, die ich mir eingebrockt hatte, drehte ich mich um – und mein Blick fiel auf Sutton. Der nächste Eimer kaltes Wasser.
Ich hatte an Em kritisiert, dass sie fremd gegangen war. Dass sie es nicht geschafft hatte, Klartext zu reden. Dass sie mir nicht gesagt hatte, dass sie Probleme hatte, denn eine Affäre kam nicht aus dem Nichts.
Und Sutton war all dieser Punkte genauso schuldig. Nicht, dass ihr Liste von Schuldpunkten damit länger war als meine, Blödsinn, aber sie war genau das, was ich an Emily auch kritisiert hatte. Und sie hatte nicht nur die zweieinhalb Wochen unserer… Sache Zeit gehabt, sondern irgendetwas musste ja im Voraus schon nicht gestimmt haben, wenn sie sich auf mich eingelassen hatte. Rein theoretisch war mir das klar gewesen, schon die ganze Zeit, aber jetzt standen sie beide nebeneinander – nur ich hatte die Seiten gewechselt. Ich war mal Robbie gewesen. Der Betrogene. Und die Reaktion, die ich auf Em gezeigt hatte, würde höchstwahrscheinlich auch unweigerlich Sutton treffen, und mich. Ach Scheiße, wieso war das so kompliziert?
Ich fühlte mich einfach nur mit Schwung niedergerissen.
Seufzend ließ ich die Überreste des Kugelschreibers in den Mülleimer neben der Tür fallen und ging, möglichst erhobenen Hauptes, hinüber zu dem Tisch, an dem die Manuskripte lagen. Ich sollte mal meine Arbeit machen. „Aedan, war das-“ „Klappe.“, unterbrach ich Boyd, der ganz vorwitzig versucht hatte, mir Informationen zu entlocken, und zog ihm sein Handtuch von der Schulter, an der ich mir die Hand abwischte, die voller Tinte war. „Gib' mir ein Manuskript, dafür bin ich ja schließlich hier.“ Wenn ich für die Arbeit begann, ruhig und stringent, argumentativ zu denken, beruhigte ich mich wieder – und konnte mich mit selbiger, vernünftiger Attitüde auch meinen eigenen Problemen widmen.



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Neyl Offline

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22.08.2016 16:58
#141 RE: Ich weiß nicht, ob mir dieses ganze fühlen gefallen soll xDDD Zitat · antworten







Stirnrunzelnd blickte ich Aedan nach, der versuchte die kleine Szene zwischen ihm und seiner ExVerlobten zu überspielen, auch wenn mir nicht entging, dass überall Köpfe zusammengesteckt wurden. Konnten die sich nicht um ihren eigenen Scheiß kümmern? Schnell versuchte ich mich ebenfalls abzulenken, bevor ich noch irgendjemanden anfahren würde. Kim war clever genug das Ganze nicht zu erwähnen, weshalb wir uns mit einigen anderen zu einer Gruppe zusammentaten um gewisse Dinge zu besprechen. Oder eher, sie diskutierten, während ich teilnahmslos daneben saß und versuchte zu ergründen, was gerade in mir los war. Doch als die Probe sich dem Ende näherte, war ich noch immer nicht wirklich schlauer, als zuvor. Ich wusste nur, dass ich mich nach der Leere in meinem Kopf sehnte, wenn Aedan mich berührte. Oder sehnte ich mich nur nach dem Gefühl an sich? Mittlerweile war ich mir nicht mehr sicher. In meinem Kopf hatten sich ohnehin alle einzelnen Gedankenstränge zu einem riesigen Klumpen verknotet, weshalb ich nicht in der Lage war diese halbwegs zu ordnen. Nur eines wusste ich mit absoluter Sicherheit. Irgendetwas musste ich dagegen tun.
Kim drückte mich bei unserer Verabschiedung fester und länger als gewöhnlich, woraufhin ich sie kurz verwirrt musterte. Sie zuckte lediglich mit den Achseln, ehe sie das Gebäude verließ und ich meinen Weg zu den Toiletten suchte. Ein paar Hände voll Wasser im Gesicht später, zog ich eins der Tücher aus dem Spender hervor und trocknete mir das Gesicht ab. Mir sah so viel Schuld entgegen, weshalb ich meinem Spiegelbild nicht lange standhalten konnte und praktisch aus dem Raum flüchtete. Kaum trat ich hinaus, bemerkte ich Aedan, der ein wenig abseits stand und blieb wie angewurzelt stehen. Mir fiel ein, dass ich ihm gesagt hatte, das wir reden wollten und ich fragte mich, ob er auf mich wartete. Es war mir ernst damit gewesen nach einem Gespräch zu suchen und das obwohl ich bei meiner Aussage an keinen bestimmten Verlauf gedacht hatte. Es war eher die Erkenntnis gewesen, dass es mittlerweile unabdingbar war. Jetzt geriet ich allerdings in Panik und wollte reflexartig den Rückwärtsgang einlegen, als mir seine Reaktion auf Emily einfiel. Diese Wut, ausgelöst von Trauer? Zumindest interpretierte ich so sein Verhalten. Er vermisste Emily, wollte all das vermutlich am liebsten ungeschehen machen und Emilys Verrat (der meinem an Robbie glich), schien schwer an ihm zu nagen. Und obwohl diese Annahme ähnliche Empfindungen in mir hervorrief, verblassten sie für einen Moment, angesichts eines anderen Gefühls. Ich weiß nicht genau, ob es Mitleid war, jedenfalls missfiel mir die Vorstellung, dass es ihm schlecht ging, weshalb meine Füße sich verselbstständigt hatten und dieses mal zu ihm hin, nicht von ihm weg.
"Hey." Ich lächelte ihm zu, unsicher, aufmunternd, ich weiß nicht. Jedenfalls hatte sich meine Hand an seinen Arm gelegt und dieses mal aus einem unschuldigen, uneigennützigen Reflex. Trotzdem konnte ich mich nicht überwinden ihn nach Emily zu fragen. Als wäre ich unfähig diesen Namen überhaupt auszusprechen (Sah man einmal von "Emily ist eine Idiotin" ab, und diese Meinung blieb bestehen). Und diesmal ahnte ich zumindest, woher dieses Gefühl rührte. Diese Worte wollte ich nicht von ihm hören! "Geht´s dir gut?", fragte ich also stattdessen wage gehalten, während ich versuchte ihm nicht zu sehr zu zeigen, wie sehr er sich schon in mein Herz geschlichen hatte.

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JaneDoe Offline

Dicke, untervögelte Teilzeit-Brockhaus-Chiller-Robbe


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24.08.2016 21:18
#142 Und für Fenja noch mehr Tatschi tatschi. Zitat · antworten



Das Manuskript war wirklich gut, und fachlich sogar fast einwandfrei. Ich musste wenig korrigieren, aber hier und da mit dem Handy ein paar Sachen googlen, weshalb ich sogar bis zum Schluss brauchte, um es durchzusehen. Da das für die Uni mal wieder eine wichtige Sache war, sollte und wollte ich nicht schlampen.
Tatsächlich hatte ich aber Recht gehabt, und diese Arbeit hatte mir geholfen, runterzukommen und mich abzuregen. Ich hatte dieses Manuskript nicht nur auf Herz und Nieren, sondern bis zu den Zehennägel geprüft und konnte jetzt halbwegs sicher sein, dass es okay war. Emily war als Problem nicht aus meinen Gedanken verschwunden, aber sie regte mich nicht mehr ansatzweise so sehr auf. Vielleicht auch deshalb, weil sie nicht mehr anwesend war.
Ich war der letzte, der ging – nicht nur, weil ich dabei half, das ganze Zeug wieder mit herunterzuschleppen, sondern auch, weil ich einen Schlüssel hatte und gebeten worden war, abends zuzuschließen. Ich sah den letzten Jungs hinterher, lehnte mich für einen Moment an die Wand, und wartete, dass jemand aus den Toiletten kam, den ich vorhin in die Richtung hatte gehen sehen. Erstens, mein Vorzeigegrund, ich konnte sie ja hier nicht einschließen, zweitens hatte sie vorhin gesagt, dass sie reden wollte.
Also steckte ich die Hände in die Taschen und versuchte mir im Vorhinein über die Dinge klar zu werden, die sich gerade abspielten. Über Em und die Sache mit Sutton. Viel Zeit hatte ich allerdings nicht dazu, weil sie schon bald aus der Tür und zu mir kam, und ihre Hand auf meinen Oberarm legte. „Geht's dir gut?“, fragte sie, und ich sah auf sie herab, ein bisschen verwirrt, dass das ihre Frage war. „Klar“, antwortete ich und sah ihr in die Augen. Auch wenn sie gerade im Schatten lagen, wusste ich, dass wenn das Licht hineinfiel, man die grünen und blauen Schleifen sehen konnten, die ineinander verschlungen waren und sich hier und da zu einem dunkle Türkiston vermengten. Vielleicht schrillte an diesem Punkt eine kleine Alarmglocke in mir los. Eine ganz kleine, leise, die ich nicht hören wollte und deshalb rigoros einfach abdrehte. Ich stieß mich von der Wand ab, sah mich kurz um, und schob sie in eine Ecke, dort, wo der Flur einen kleinen Knick machte, bevor ich meine Hände unter ihre Haare in ihren Hals schob, mich zu ihr herunterbeugte und sie genüsslich küsste. Mit den Daumen fuhr ich ihre Kinnlinie entlang, und ein kleines Grinsen breitete sich auf meinem Gesicht aus, als ich von ihr abließ. „Und jetzt geht’s mir sogar noch besser. Was ist mit dir?“ Ich löste die Hände von ihr, schob sie stattdessen in meine Hosentaschen der Jeans, um sie nicht weiter zu verwuscheln, saß schließlich ihr Freund bei ihr zuhause, und wurde ernst. „Du wolltest reden… wann?“, fragte ich – denn ich bezweifelte, dass wir das jetzt hier und sofort klären wollten, aber andererseits – wie gesagt, Robbie war da. Und auch wenn der mit Suttons Vater wahrscheinlich gerade einen Scotch trank und über das Geschäft redete, hieß das nicht, dass auch er nicht irgendwann mal ahnte, dass etwas im Busch war.



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Neyl Offline

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25.08.2016 16:18
#143 RE: Ja, der nächste wird besser *hust* Zitat · antworten







Aedan wirkte ruhig, was mich überraschte. Immerhin war er nicht gerade dafür bekannt, seine Gefühle hinter einer Fassade verstecken zu können. Oder kompensierte er diese mit dem, was er gerade mit mir tat? Mit schneller klopfendem Herzen, erwiderte ich seinen Kuss, der vorübergehend alles negative in mir beseitigte. Dieser Umstand hatte sich bisher nicht geändert, ebenso, wie die Tatsache, dass sein Grinsen mich wiedereinmal lächeln ließ. Auf seine Frage nickte ich also noch ein wenig vernebelt, ehe er sich gänzlich von mir löste und mich wieder zurück in die Realität brachte. "Na ja, wollen...", fing ich unsicher lächelnd an und zwirbelte Haare um meinen Finger. Vermutlich war es nicht der richtige Zeitpunkt für Späße, weshalb ich seinem Beispiel folgte und ihn nun nachdenklich betrachtete. Es gab so viele Dinge, die mir auf der Zunge lagen, die ich aussprechen wollte und gleichzeitig Angst davor hatte. Und doch schienen wir an einem Punkt angelangt zu sein, der unausweichlich schien. "Wir haben uns ganz schön in die Scheiße geritten, oder?", sagte ich und blickte ablenkend zur Seite. Wie konnte man sich nur so unschlüssig sein? Die Erkenntnis, das Aedan noch immer an Emily hing und die beiden sich vielleicht wieder versöhnen würden, schoss mir mit einem Mal wieder in den Kopf. Vielleicht war es gar nicht mehr nötig eine Entscheidung zu treffen? Die beiden schienen sich ohnehin verabredet zu haben. Was, wenn sie sich wieder zusammenraufen würden? Da war es wieder. Dieses seltsame Gefühl, dass mir die Brust enger schnürte und in mir das Verlangen erweckte, Emily eins mit der Pfanne überziehen zu wollen.
Langsam neigte ich meinen Kopf wieder zu Aedan und betrachtete eingehend sein Gesicht, während in meinem Inneren die Gedanken wild durcheinander wirbelten. Ohne es wirklich bemerkt zu haben, hatte ich mich ihm genähert und tat etwas, dass ich zuvor noch nie bei ihm getan hatte. Ich nahm seine Hand in meine und lächelte zu ihm auf. "Hast du noch ein wenig Zeit?", fragte ich mit einem leichten Lächeln. "Ich habe noch ein paar Stunden bis ich...erwartet werde." Sie überlegte kurz, weil ihr bewusst wurde, dass er vermutlich annahm, dass sie nach Aktivitäten fragte, die nach verschlossenen Räumen verlangten. Und nicht, dass sie das nicht wollte, doch schwebte ihr zurzeit etwas im Kopf herum, dessen Wunsch danach sie sich selbst nicht ganz erklären konnte. "Wir könnten uns in ein Taxi setzen und weiter außerhalb fahren. Ich weiß auch nicht. Was essen?", schlug sie mit einem kleinen Schulterzucken vor.

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JaneDoe Offline

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Beiträge: 136

26.08.2016 02:01
#144 Ganz bestimmt.... oder so... Zitat · antworten

Vielleicht hätte es Sutton überrascht, wenn sie gewusst hätte, dass ich nicht nur ruhig wirkte, sondern es mittlerweile auch war – ich war ja auch um ein vielfaches weniger emotional mit Emily verwickelt, als sie dachte.
Was ich ihr im Übrigen als Fehler aufgezeigt hätte, hätte ich es gewusst. Aber das war ein bisschen viel Konjunktiv. Kommen wir zu den Tatsachen.
Und die waren, dass ich erstens sowieso immer gleich ein Stück zufriedener (ruhiger wäre eine Lüge gewesen, sie konnte mich ziemlich aufbringen – wenn auch auf keine schlechte Art und Weise) wurde, wenn ich Sutton nicht nur sah, sondern sie auch berühren konnte. Zweitens war ich mir ein bisschen unsicher, was „Ich will reden“ bedeutete. Bisher war sie dem nämlich ganz gut ausgewichen, und ich war nicht zu hundert Prozent sicher, dass ihre plötzliche Bereitschaft dazu unbedingt positiv war, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass Robbie da war.
Deshalb war ihre Geste und ihre Frage für einen Moment irritierend, bevor ich beschloss, einfach zu warten, bis sie von sich aus auf mich zukam. Dritte Tatsache: Ich war absolut süchtig nach ihr. Wieso zur Hölle war es erlaubt, dass man diese Frau ohne Beipackzettel durch die Gegend laufen ließ? „Achtung, hohes Suchtpotential“ wäre ja wohl das mindeste an Warnung gewesen, was so jemand deutlich sichtbar machen musste.
Auf die Frage, wann sie reden wolle, scherzte sie erst einmal ein bisschen, bevor sie dem Thema Reden dann erst einmal doch wieder aus dem Weg ging. „Wir haben uns ganz schön in die Scheiße geritten, oder?“, fragte sie stattdessen und wich meinem Blick aus. Fakt Nummer vier: Das gefiel mir nicht. Egal was sie sagte, sie sollte mir dabei in die Augen sehen können. „Eigentlich stehts uns bis zum Hals“, murmelte ich und wartete ab, bis sie wieder zu mir sah. „Aber mir fällt es ziemlich schwer, das schlimm zu finden oder irgendwas zu bereuen.“ Sie legte den Kopf schief, musterte mich, und als sie näher trat, verzogen sich meine Lippen automatisch wieder zu einem Lächeln – bis sie meine Hand nahm, was mich, zugegeben, ein bisschen aus dem Takt brachte. Nicht negativ, nur überrascht. „Hast du noch ein bisschen Zeit?“, fragte sie, und schmunzelnd verschränkte ich unsere Finger miteinander. „Ich bin Doktorand. Ich habe immer Zeit.“ An ihrer Hand zog ich sie noch näher und spielte mit einer Haarsträhne, und für einen Moment fragte ich mich, wieso Straftätern in Fiktion so oft unterstellt wurde, dass sie Haarsträhnen sammelten. Die waren doch wenig ästhetisch, solang sie nicht das dazugehörige Gesicht umrahmten. Das im übrigen gerade so aussah, als dachte es über irgendwas nach. Ich hatte eigentlich bisher rein gar keine Erwartung daran, was wir tun würden, wenn ich tatsächlich Ja sagen würde auf ihre Frage, auch wenn es bisher immer ziemlich eindeutig auf Sex hinausgelaufen war. Sie schlug vor, irgendwo nach außerhalb zu fahren und etwas zu essen, und irgendwie schoss mir ein Ort in den Kopf. Ich griff nach ihrer Hand und meinem Kugelschreiber in meiner hinteren Hosentasche. Ich kritzelte ihr eine Adresse auf die Hand. „Da ist ein Inder. Der ist ganz gut, und bei dem kann man sich sein Essen auch mitnehmen. Such dir was aus, bestell ihm schöne Grüße von mir und dass er die Klappe halten soll.“ Sonst würde er sie löchern, ob sie meine Freundin war. „Ich muss hier noch alles abschließen und dem Hausmeister den Schlüssel bringen. Fahr doch einfach schon mal vor, und ich sack dich dort mit dem Essen ein, okay? Oh, und sag' Devdan, er soll dir eine Rechnung mitgeben.“ Ich war des öfteren bei ihm und bestellte da regelmäßig – so langsam kannte er mich nicht nur, sondern war auch recht flexibel, was meine Bezahlungen anging. Als Student hatte ich sogar jede Woche ein paar Stunden gearbeitet und dabei ein Mal die Woche ein Essen frei gehabt. Verrückter Typ, aber es lief ganz gut, da konnte er sich das leisten. Außerdem hatte ich ihn bisher noch nie enttäuscht.
Ich drückte ihr noch einen Kuss auf die Lippen.. „Wir sehen uns da. Wenn du magst, hol noch Naan-Brot dazu. Oder was auch immer du willst.“ Ich zog, wenn auch widerwillig, meine Hand aus ihrer. "Wir sehen uns da."



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Neyl Offline

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26.08.2016 21:49
#145 RE: Oder so...vermutlich eher nicht...aber irgendwann geht es wieder aufwärts xD Zitat · antworten






„Aber mir fällt es ziemlich schwer, das schlimm zu finden oder irgendwas zu bereuen.“
Dieser Worte brachte meine Mundwinkel zum Zucken und sorgten dafür, dass mir ein kleiner Schauer den Rücken entlanglief. Vermutlich war es nicht richtig, moralisch, oder was auch immer, mich so zu fühlen, doch ich freute mich, dass er die Sache zwischen uns nicht bereute. Schließlich erging es mir ähnlich. Ich hätte mir andere Umstände erhofft, das auf jeden Fall, doch auf diese Erfahrung zu verzichten? Ich wusste nicht mal, ob ich schon bereit war, diese aufzugeben. Selbst diese kleinen Gesten, wie das Spielen an meinen Haaren, wurden zu Gewohnheiten, die ich vermissen würde, wenn diese "Sache" ein Ende fand.
Ich blickte auf meine Hand hinunter, als er danach griff, lauschte seinen Anweisungen und nickte ein wenig überrascht, wenn auch recht gespannt. Lächelnd schloss ich die Augen, als seine Lippen meine berührten und fast wehmütig zog ich meine Hand zurück, als Aedan unsere Finger lösten. "Aber nicht wieder was kaputt machen.", gab ich grinsend zurück, stupste ihn neckisch an und entfernte mich, noch immer mit einem breiten Lächeln auf den Lippen.

Während der Taxifahrt, musste ich ununterbrochen an meinen Dozenten denken. Nicht, ob er wieder zu Emily zurückgehen würde, nein. Es waren Kleinigkeiten, die mich vielleicht stutzig gemacht hätten, wenn ich ein bisschen klarer im Kopf wäre, was Dinge betraf, die mit ihm zu tun hatten. Eine Sache, an der ich dringend arbeiten musste. So jedoch lauschte ich nur auf das flattrige Gefühl in meinem Magen, wenn mir sein Lächeln in den Sinn kam, seine Frustration, als wir andauernd überrascht wurden, solche Dinge eben.
Ich bezahlte den Fahrer, ehe ich mich freundlich verabschiedete, verließ das Taxi und blickte zu dem leuchtenden Reklameschild hinauf. Der Laden war mir unbekannt, doch schon beim Hineintreten bemerkte ich die heimische Atmosphäre, die in der Luft lag. Zwei Kunden warteten bereits, weshalb ich darüber nachdachte, welchem Appell ich folgen sollte. Gewiss würde ich einem Fremden nicht sagen, er solle die Klappe halten (ok, zugegeben, das war schon mal vorgekommen. Zu meiner Verteidigung muss ich allerdings sagen, dass es sich dabei um richtige Vollpfosten gehandelt hatte), allerdings wollte Aedan wohl vermeiden, dass mir zuviele Fragen gestellt wurden, weshalb ich mir überlegte ihn besser garnicht zu erwähnen. Ich hatte das gerade beschlossen, als mir einfiel, dass ich dann das Essen bezahlen müsste. Was natürlich kein Problem darstellte, doch bisweilen waren Männer was das anging ja recht eigen. Gehörte Aedan zu dieser Sorte? Wahrscheinlich machte ich die Dinge gerade mal wieder unnötig kompliziert. Ich seufzte leicht, fuhr mir durch die Haare und beschloss einfach instinktiv zu reagieren. Würde vermutlich schrecklich schief gehen...
Als ich an die Reihe kam, begrüßte ich den Mann hinter der Theke mit einem "Hi" und zählte ihm meine Bestellung auf. Während er diese notierte, musterte ich den Unbekannten, entschied mich dann aber dafür besser die Klappe zu halten. Wes hatte schon damals den Verdacht geäußert, dass ich Aedans neue Flamme war und ich wollte ihn nicht wieder in eine unangenehme Situation bringen. Immerhin war ich seine Studentin, seine Affäre...nicht gerade jemand, der ein gutes Licht auf ihn warf. Dieser Gedanke betrübte mich vermutlich mehr, als es angebracht war. So wie es aussah, würde es ohnehin bald keine Rolle mehr spielen. Das Ende von Saedan war nur noch eine Frage der Zeit...

Devdan sei Dank, lenkte mich der Mann von weiterem Trübsal ab, indem er mit mir zu plaudern begann. Ich erwähnte Aedan nicht, empfand jedoch, dass sein Bekannter durchaus sympathisch war, was ich bisher eigentlich von allen seinen -mir bisher bekannten- Freunden sagen konnte. Das sprach sehr für Aedans Menschenkenntis und mittlerweile überraschten mich solche Gedanken nichtmal. Vielleicht musste ich tiefer bohren, um Dinge an ihm zu finden, die ich nicht mochte. Denn bisher kam ich allerhöchstens ins Schwärmen. Was unterschied mich schon großartig von Leuten wie Jennie? Amüsiert lachte ich auf, als Devdan mir riet nicht alles auf einmal aufzufuttern, bedankte mich und verließ das Restaurant wieder. Ich lehnte mich gegen die Fassade, stellte die volle Tüte zwischen meinen Beinen ab und kramte mein Handy aus der Tasche. Kim hatte mir geschrieben, zwei weitere Freundinnen und mein Bruder, doch Robbie hatte sich noch nicht gemeldet. Vermutlich hatte er mal wieder irgendeinen technischen Schnickschnack entdeckt, den er unbedingt haben musste. Ich stellte es auf lautlos, ehe ich die anderen Nachrichten beantwortete.

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JaneDoe Offline

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29.08.2016 00:05
#146 Irgendwie, irgendwo, irgendwann... Schlösser aus Sand, Burgen aus Eis, Bananenmesser. Zitat · antworten




Das schwierigste war noch, den blöden Hausmeister dann auch zu finden. Je länger ich durch die Gegend rannte und ihn suchte, hatte ich das Gefühl, dass Sutton sich die Beine in den Bauch stehen würde. Ewig warten würde. Und zerbrach mir den Kopf über ihr „Nicht wieder was kaputt machen“. Sie meinte doch den Kuli… oder? Aber was denn sonst? Gab es irgendetwas, wo ich aufpassen musste, um uns nicht kaputt zu machen? Mit einem Schnauben riss ich die Tür zu einem Männerklo auf und beschloss, dass solche Gedanken idiotisch waren. Ich war keine Zwölf mehr. „Junge, ruhig!“, brummte der Hausmeister, und ich drückte ihm den Schlüssel zur Aula in die Hand. „Sind alle raus“, sagte ich, und er nickte. Ich hob die Hand zum Abschied und verschwand wieder. Ich stürmte fast aus dem Gebäude, es hatte schließlich lang genug gedauert, und klaute noch einem Typen in Anzug das Taxi, ganz unverschämt. Ich nannte ihm die Adresse von Devdans Laden, und grinste breit, als ich Suton dort stehen sah. Ich ließ das Fenster hinunter und pfiff einmal durch die Finger, damit sie zu mir kam und sich entführen ließ. Ich rutschte herüber, damit sie nicht auf die Straße rennen musste zum Einsteigen, und schmunzelte, als ich die Tüte sah. Der Taxifahrer war bereits über den Ort informiert, an welchem er uns endgültig herausschmeißen sollte, und so fuhr er direkt los, kaum, dass Sutton die Tür hinter sich geschlossen hatte. Und noch bevor sie sich anschnallen konnte, langte ich herüber und zog sie an mich, um sie zu küssen. In Anbetracht der Tatsache, dass sie vorgeschlagen hatte etwas zu essen und generell reden wollte, war das vielleicht ein falsches Signal, aber ich konnte nicht widerstehen. Immerhin hatten New Yorker Taxen keine verdunkelten Trennscheiben wie beispielsweise Limousinen, sonst hätte ich ein wirkliches Problem mit der Beherrschung bekommen. Und auch wenn die Rückbank knapp an Platz bemessen war, schossen mir trotzdem genügend Möglichkeiten durch den Kopf, wie man eventuelle Späße realisieren könnte.

Er hielt am Straßenrand, und ich deutete meiner rothaarigen Begleitung, auszusteigen, bevor ich nachrutschte und dem Taxifahrer sein Geld reichte. Ich nahm Sutton die Tüte mit dem Essen aus der Hand und nahm sie bei der Hand, half ihr zunächst über die kleine, nicht einmal hüfthohe Abgrenzung der Straße, bevor wir einen kleinen Abhang heruntermussten. Mittlerweile wusste ich aber, wo es einen Trampelpfad gab, der mittlerweile also recht gut befestigt war, und ich lief vor ihr, hielt immer noch ihre Hand, damit sie auf ihren Hackenschuhen nicht fiel. Wir waren am nördlichsten Ende von Linda's Lawn, einem Parkgelände, und eigentlich fast am Pier 1. Hier gab es eine Stelle, an der ich ganz gerne saß, wenn ich mal in der Nähe war, einer meiner Lieblingsorte. Manchmal fuhr ich auch extra hier raus, um den Kopf frei zu kriegen, während ich auf den Hudson River starrte. Über die kleinen Holzpoller stieg ich auf den ersten Querbalken des… Dingens, was auch immer das war, eine alter Schiffsanleger?, und zog mein Hemd aus, damit sich Sutton darauf setzen konnte. Das Holz war ein bisschen feucht, und Frauen und ihre Klamotten und empfindliche Blasen und so… sicher war sicher. Ich stellte das Essen ab und sah sie amüsiert an. „Schaffst du's allein oder soll ich kommen und dich holen?“



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Neyl Offline

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30.08.2016 22:55
#147 RE: Josi hat n leichten Schaden xD Sehr nice xDD Zitat · antworten







Ich war ein Mensch, der praktisch ständig am Lachen war. Ein wandelndes Honigkuchenpferd. Doch ich weiß nicht, ob mich je solch ein Lachen zuvor geziert hat, wie jenes, welches auftauchte, wenn ich mit Aedan zusammen war. Als ein Pfiff ertönte, Aedan mich zu sich winkte und mich im Taxi augenblicklich an sich zog, war dieses Lächeln fester Bestandteil der dahinfließenden Minuten. Außerdem schien ich mit Betreten des Taxis einen Teil von mir hinter mir zu lassen. Die Sutton, die einen Freund hatte zum Beispiel. Die, die von ihrem Gewissen geplagt war. Und zurück blieb nur das kleine, naive Mädchen, das Wachs in den Händen des Mannes an ihrer Seite wurde. Und Gott, war das ein tolles Gefühl. Auch als wir an unserem -mir unbekannten- Ziel ankamen, hatte sich daran noch nichts geändert. Schmunzelnd sah ich auf unsere Hände hinab, als Aedan die Führung übernahm und ich ihm mehr als bereitwillig folgte. Immer noch amüsiert, beobachtete ich ihn dabei, wie er sich seines Hemds entledigte und es ausbreitete, ehe er zu mir aufblickte. "Schaffen vielleicht schon...", erwiderte ich langsam auf seine Frage hin und versuchte das breite Feixen zu unterdrücken, indem ich mir auf die Lippe biss. "Aber vielleicht will ich ja von dir gerettet werden...", fuhr ich fort, setzte meinen Fuß auf den Holzkeil und ließ mich übermütig in seine Richtung fallen. So selbstverständlich wie bei dem Vorfall am Brunnen, fing er mich auf und wir befanden uns in der gleichen Position wieder, wie damals. Und auch heute noch schlug mein Herz wie verrückt, wenn vielleicht auch aus unterschiedlichen Gründen...jedenfalls zum Teil. Ich grinste zu ihm auf, als mir die Erinnerungen des Tages durch den Kopf gingen und tat das, was ich schon damals hatte tun wollen. Ich stellte mich auf die Zehenspitzen und küsste ihn, während meine Arme sich um seinen Hals schlangen. "Ich kann gar nicht genug von dir bekommen...", murmelte ich unüberlegt, doch ich fühlte mich gerade viel zu unbekümmert, als dass ich diesen Satz mit etwas Negativem in Verbindung bringen konnte. Wieder verband ich unsere Zungen zu einem leidenschaftlichen Zungenspiel, ehe ich lachend meinen Kopf zurücklehnte, mich dann von ihm löste und auf den mir vorbereitenden Platz setze. "Ich hab vermutlich wieder viel zu viel bestellt.", bemerkte ich, als ich nach dem Essen griff, damit es nicht völlig erkaltet war, bis es den Weg zu unseren Mündern fand. Ich verteilte die verschiedenen Schachteln um und neben uns und griff ganz selbstverständlich nach dem Hähnchen Korma, welches eins meiner liebsten indischen Gerichte war. Erst jetzt fing ich an die Umgebung wirklich wahrzunehmen und nachdem ich eine Weile ohne wirkliche Gedanken aufs Wasser geblickt hatte, wandte ich mich wieder Aedan zu. "Es ist sehr schön hier.", sagte ich, hob meine linke Hand und strich ihm einige Haare aus der Stirn. Noch in der Bewegung fragte ich mich, was eigentlich aus der nötigen Distanz geworden war, die ich für mich eingerichtet hatte. Denn irgendwie, entsprach das hier alles andere, als der Vorstellung von nötigem Abstand. Ein leichtes Lächeln trat auf meinen Mund, während ich sein Gesicht getrachtete und mir dieser Umstand irgendwie gleichgültig wurde. Und vielleicht entwich meinem Mund auch deshalb eine Frage, die mich schon länger beschäftigt hatte, ich aber aus irgendeinem dummen Grund nie gestellt hatte. Meine Hand wanderte über seinen Hals, über seine Schulter und sanft strichen meine Finger über seine Narbe. Die, die ironischerweise dafür verantwortlich war, dass wir nun zusammen hier saßen. "Wann hattest du diesen Autounfall?", fragte ich, blickte von dem Mal in seine Augen und wartete mit merkwürdig kribbelndem Bauch auf seine Antwort.

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JaneDoe Offline

Dicke, untervögelte Teilzeit-Brockhaus-Chiller-Robbe


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01.09.2016 17:42
#148 Einen ziemlich fetten Schaden, und irgendwie habe ich keinen blassen Schimmer, was ich mit ihm anstellen soll XD Zitat · antworten



Ich hatte keinen blassen Schimmer, wie wir in diese Situation hatten geraten können. Sutton lag in meinen Armen – hatte sich retten lassen, wie vor ein paar Wochen am Brunnen – und nicht nur konnte ich tun, was ich seit genau diesem Vorfall tun wollte, wenn sie in meinen Armen lag, nämlich sie küssen, als gäbe es kein Morgen mehr, sondern auch fühlte es sich an, als sei das ganze vollkommen normal. Als sei Sutton nicht meine Studentin und ich könnte daher meinen Job verlieren, geschweige denn meine Reputation, als hätte Sutton nicht eigentlich einen Freund und ich eine nervige Ex-Verlobte, mit der die Dinge noch immer nicht geklärt waren. Aber eigentlich, wenn man es genau nahm, waren wir ein Mann und eine Frau, die sich anziehend fanden und das genossen. Ich konnte mich einfach nicht dazu durchringen, das zu verurteilen, zu bereuen oder auch nur negativ zu beurteilen. „Ich kann gar nicht genug von dir bekommen...“, murmelte sie und ich schlang meine Arme fester um ihre Taille, zog sie so nah, wie es ging. Das galt für mich nämlich auch, ich konnte und wollte die Finger einfach nicht von ihr lassen. Aber dennoch, wir hatten Essen und wahrscheinlich beide Hunger und es wäre Verschwendung, wenn es jetzt kalt werden würde. Also setzten wir uns, und ich griff mir eine Schachtel, bevor ich losmampfte. Eine Weile waren wir still, aßen, und sahen hinaus auf den Fluss – aber es war kein angespanntes Schweigen oder ein Loch, welches niemand zu füllen wusste, weil wir nicht wussten, worüber wir reden sollten, sondern es war angenehme Ruhe. Wir genossen einfach nur, bei gutem Essen beieinander hier rumzusitzen, die Aussicht zu genießen und natürlich die Gesellschaft.
Sie hob die Hand und strich mir die Haare aus der Stirn und sagte, dass sie es hier schön fände. Grinsend fing ich ihre Finger und verschränkte sie mit meinen. „Hier fahre ich manchmal mit Kay raus.“ Wenn es ihr schlecht ging oder so. Auch wenn es manchmal schwer war, sich meine geschniegelte Schwester in Jeans oder gar Jogginghosen hier vorzustellen. Ich ließ ihre Hand los, und die ging auf Wanderschaft, bevor sie an der knotigen Haut stoppte. Nachdenklich runzelte ich die Stirn. „Oh, das ist schon eine ganze Weile her. Wir waren noch Teenager, 16, und Emily hatte gerade ihren Führerschein gemacht. Ich hatte meinen auch erst seit einem halben Jahr.“ Mir den Hinterkopf kratzend, versuchte ich zusammenzukriegen, wie das eigentlich passiert war. „Wir kamen von irgendeiner Party. Ich glaube, Em hat sich was eingeschmissen.“ Ein Mundwinkel zuckte nach unten. „Ich hab' ihr viel zu viel Mist durchgehen lassen“, murmelte ich, den Blick mittlerweile an Sutton vorbei zum Wasser gerichtet. „Ich weiß gar nicht mehr, wieso ich sie überhaupt habe fahren lassen. Vielleicht war ich selber stramm, oder sie hat sich einfach reingesetzt und ich hatte gehofft, als Beifahrer noch was auszurichten – keine Ahnung.“ Beide Möglichkeiten realistisch und wahrscheinlich. „Das Übliche: Kurven, Regen, Gegenverkehr, Bäume.“ Ich lachte leise. „Ich hatte den uralten Ford, den alten Wagen meiner Großmutter. Das Dach war ohnehin schon kaputt, ich hatte kein Geld, um es zu reparieren, und Panzertape hielt zwar ein bisschen Regen aus, aber nicht einen Überschlag.“ Ich zuckte mit den Achseln. Das Blech vom Autodach hat mich da erwischt, und das ganze hat sich entzündet.“ Im Krankenhaus hatte Em dann weinend an meinem Bett gesessen und mir gesagt, dass sie mich liebte. In Anbetracht der Tatsache, dass wir fast draufgegangen wären, wüsste sie nun Bescheid, oder wollte es nicht mehr für sich behalten oder irgendwie sowas.
Sie hatte schon immer gewartet, bis es zu spät war, bevor sie über ihren Schatten gesprungen war. Zu Stolz für irgendwas.



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Neyl Offline

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03.09.2016 20:48
#149 RE: Zitat · antworten







Der Grund, weshalb ich Aedan bisher nicht danach gefragt hatte, woher die Narbe kam, hatte wenig mit der etwaigen Erwähnung von Emily zu tun gehabt, doch nun war sie der Anlass, weshalb ich die Frage im Nachhinein bereute. Sie zog mich viel zu schnell wieder in die Realität zurück, die wir für diesen Moment hinter uns gelassen hatten. Emily und Aedan...Emily seine Verlobte/vielleicht Exverlobte, vielleicht aber auch bald Wiederverlobte...
Ich wusste nicht, was mich daran eigentlich störte. Wenn die beiden wieder zusammen kommen würden, dann war ich mir ziemlich sicher, dass Aedan die Sache zwischen uns beenden würde, was zur Folge hätte, dass ich mich nicht länger mit meinem Gewissen herumplagen müsste (zumindest weniger), ihn vergessen und mich wieder ganz meinem eigentlichen Freund widmen könnte. Ein Schritt, denn ich anscheinend von mir aus nicht tun konnte. Oder wollte...Kein Wunder, dass ich mein eigenes Spiegelbild nicht mehr ertrug. Diese Schwäche, diese Heuchelei, alles Dinge, für die ich mich schämte und die normalerweise so gar nicht zu mir passten.
Meine Gefühle mal wieder hinter einem Pokerface versteckend, lauschte ich seiner Geschichte, ohne den Blick von ihm abzuwenden. Er fing ohnehin an, mir viel zu oft in die Karten zu gucken, mich zu durchschauen und was zurzeit in mir vorging, davon brauchte er nun wirklich nichts zu erfahren. Vielleicht war es Stolz, eventuell Angst, aber was auch immer mich davon abhielt, es rief zumindest die Distanz hervor, die ich unterwegs irgendwo verloren zu haben schien. "Dann hattest du vermutlich noch Glück.", erwiderte ich leise und wollte mir lieber nicht vorstellen, was sonst noch hätte passieren können. Mit 16 war man jung und dumm, trotzdem förderte diese Geschichte nicht gerade meine Sympathien für Aedans...was auch immer. Wenn ich mir vorstellte, dass er wieder zurück zu Emily ging, wurde mir ganz anders. Ablenkend sah ich nun doch in eine andere Richtung, denn es fiel mir immer schwerer nicht zu zeigen, welche unangenehmen Gefühle sich da gerade in mir aufstauten. Und wie sollte dieses Gespräch zwischen uns eigentlich aussehen, wenn ich nicht mal selbst wusste, was zurzeit in mir vorging. Oder was ich wollte. Und was er wollte. Wobei ich mir da eine ganz gute Vorstellung von machte. Deshalb saß ich vermutlich auch hier und genoss die verbliebene Zeit. Auch wenn ich mir das gerade selbst kaputt machte. "Morgen Abend trifft sich Robbie übrigens mit ein paar Freunden...", fing ich an und warf einen Blick auf die Uhr. Wo war nur die Zeit hingeflogen? "Verdammt..." Ich sah leicht lächelnd wieder zu Aedan und musterte ihn kurz. "Dann können wir reden. Also, falls du reden willst...wir müssen nicht, aber wenn..." Ich brach ab und seufzte verwirrt. "Jedenfalls, ich habe morgen Zeit, also schreib mir, wenn du willst." Ich erhob mich, blieb einen Moment unschlüssig stehen, ehe ich mich zu ihm herunterbeugte und zum Abschied küsste. Lange, noch immer durcheinander und ihn überhaupt nicht verlassen wollend. "Ich muss los.", flüsterte ich, als ich meine Lippen von seinen löste, hauchte ihm einen weiteren Kuss zu und ließ ihn dann zurück. Es wurde dringend Zeit mir über einige Dinge klar zu werden, wenn ich lieber bei meinem Dozenten bleiben wollte, als zu meinem Freund zurückzukehren.






Robbie Palmer



Ungeduldig lehnte Robbie gegen die Fassade des gegenüberliegenden Hauses und wartete auf die Wiederkehr des Mannes, der ganz offensichtlich eine Affäre mit seiner Freundin hatte. Noch immer zitterten seine Hände vor Hass, wenn er an die Szene zurückdachte, die ihm vor wenigen Stunden zuteil geworden war. Nichtsahnend hatte er Sutton überraschen wollen, indem er sie doch abholte, doch anstatt zu ihm, war sie zu ihrem Dozenten gegangen. Das hatte ihn kurz stutzig gemacht, doch das war nichts im Vergleich dazu, was danach passierte. Ein Teil von ihm konnte es immer noch nicht fassen, dabei hatte er mit eigenen Augen gesehen, wie der Kerl sie in eine Ecke gedrängt und geküsst hatte. Ihm war dabei das Blut in den Adern gefroren und noch schlimmer war es zu sehen, wie seine Freundin das nicht nur erwidert hatte, sondern WIE sie es getan hatte. Wie sie ihren Dozenten angeblickt hatte, seine Hand genommen, mit einem Ausdruck auf dem Gesicht, den er zuvor noch nie bei ihr gesehen hatte. Auch jetzt noch, konnte er nicht verstehen, wie das möglich war. Sutton war keines dieser Mädchen, war es nie gewesen und für ihn stand fest, dass es nur an diesem Dreckskerl liegen konnte. Was auch immer er getan hatte um das zu erreichen. Allein die Tatsache, dass er sich mit einer seiner Studentinen vergnügte sagte doch auch, was für ein Typ er war. Vermutlich legte er regelmäßig seine Schülerinnen flach und hausierte damit vor seinen Kumpels. Ihm wurde ganz schlecht, wenn er daran dachte, was dieser Hurensohn alles mit seiner Freundin angestellt hatte. Und er war so naiv gewesen und hatte keinen Verdacht geschöpft. Jetzt im Nachhinein fielen ihm genug Dinge ein, die ihn hätten warnen sollen. Doch er hatte ihr vertraut. Und so irrational das vielleicht war, suchte er ständig nach Ausreden, warum er Schuld war und nicht sie. Doch über eines war er sich von Anfang an klar gewesen. Er wollte Sutton nicht aufgeben. Niemals! Sie war seine Freundin! Sie war die Frau, die er bedingungslos liebte und kein anderer sollte sie je wieder berühren. Dafür würde er sorgen. Und das hatte er getan, beziehungsweise würde er noch tun. Es war immer wieder erstaunlich, wie bereitwillig Menschen ihre Moral vergaßen, für ein paar hundert Dollar Scheine. Peanuts in seinen Augen, doch der Hausmeister hatte nur kurz gezögert, ehe er ihm die Adresse von Costello herausgesucht und dann mitgeteilt hatte. Diesem Möchtegern-Gigolo würde noch klar werden, dass er sich mit dem Falschen angelegt hatte. Seine Hände ballten sich zu Fäusten, als er das Taxi bemerkte, welches vor der ihm angegebenen Hausnummer hielt. Tief einatmend versuchte er sich zur Ruhe zu zwingen. Körperlich war er diesem Mistkerl überlegen, doch das würde ihn nicht daran hindern als Gewinner aus diesem "Kampf" hervorzutreten. Ohne nach links oder rechts zu blicken, überquerte er die Straße und trat hinter den Mann, der ihm mehr als jemals jemand zuvor ein Dorn im Auge war. "Amüsiert?", fragte Robbie so laut, dass der Typ ihn auf jeden Fall nicht überhören konnte. Abermals ermahnte er sich dazu Ruhe zu bewahren und als er sich Aedans Aufmerksamkeit gewiss war, fackelte er nicht lange ihm klarzumachen, mit wem er sich hier anlegte. "Du hast dir die die falsche Frau ausgesucht Costello...", fing Robbie an und schob seine Hände in die Taschen seiner Hose. "Keine Ahnung wie...", fuhr er fort und ließ seinen Blick verächtlich über den seines Gegenübers gleiten. "Aber ich würde dir raten, die Finger von Sutton zu lassen. Jedenfalls, wenn dir deine Karriere am Herzen liegt." Ein Lächeln stahl sich auf das Gesicht des Dunkelhaarigen, der es sichtlich genoss seinen Gegenspieler in der Hand zu haben. "Ist vermutlich nicht sehr förderlich, wenn herauskommen sollte, dass man was mit seinen Studentinnen anfängt...", sprach Robbie weiter und zuckte dabei mit den Schultern, als würden sie nur ein banales Pläusschen halten und nicht, als würde er seinen Gegenüber gerade eiskalt erpressen. Er legte eine kurze Pause ein, damit die Worte den nötigen Effekt erzielten, ehe er seine weiteren Bedingungen zum Ausdruck brachte. "Und um eins klarzustellen. Sollte Sutton erfahren, dass wir diese nette kleine Unterhaltung geführt haben, dann wirst du ebenso als Tellerwäscher enden, wie wenn du sie je wieder auch nur mit dem kleinsten Finger berühren solltest. Kapiert?"

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JaneDoe Offline

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06.09.2016 01:05
#150 RE: Dramaaaa~ Zitat · antworten



Ich für meinen Teil hatte überhaupt keine Probleme, über Emily zu reden. Sie war die Ex – Ex wie in „absolut vorbei“. Es war zwar noch gar nicht lange her, nicht mal ein Monat, wenn ich mich nicht irrte, aber ich war darüber hinweg. Was mir im übrigen heute Nacht zu denken geben würde, wenn es dunkel war und ich allein im Bett lag.
Ja, mir war durchaus bewusst, was damals hätte passieren können, aber es war nun mal geschehen, und danach hatte ich sie nie wieder fahren lassen. Jedenfalls nach einer Party. Immer, wenn wir gemeinsam irgendwo hin tourten, und das Auto nehmen mussten, blieb ich nüchtern. Auch wenn ich mir dafür ein paar „Spielverderber“ oder „Komm schon, du kannst wirklich was trinken. Ich bleib nüchtern“ eingefangen hatte. Ich hatte sicher gehen wollen – oder hatte ich ihr nicht vertraut? Wer wusste das schon?
Sutton ließ mal wieder nichts durchblicken, allerdings vermutete ich, dass sie an irgendetwas zu knabbern hatte. Ich wusste nicht genau was, aber sie setzte ihre Maske meistens dann auf, wenn sie irgendwie aufgewühlt war. Sie bot mir an, uns morgen Abend zu reden, weil Robbie sich wohl mit ein paar Freunden traf, und mich noch einmal küsste, bevor sie ging.
Ich blieb noch eine Weile sitzen, spachtelte noch ein bisschen Essen in mich herein, sah auf das Wasser, genoss den Ort und die Ruhe, für einen Moment allein sein – bis ich das restliche Essen einpackte (das war noch gut für nachher!) und mich auf den Heimweg machte.
Ich war gerade aus meinem Taxi ausgestiegen und es brauste davon, als ich ein „Amüsiert?“ hinter mir hörte. Ich hob die Brauen und drehte mich erstaunt um, während das Taxi davonfuhr. Robbie. Robbie Palmer. Suttons Freund. Und vielleicht war das Reflex, vielleicht hatte ich mir das bei Sutton abgeschaut, aber ich setzte dieses kleine, freundliche Lächeln auf, das ich auf dem Empfang beispielsweise die ganze Zeit hatte tragen müssen. Doch dieses Mal fiel es mir wesentlich leichter. Denn spätestens, als Suttons Freund davon redete, dass ich mir die falsche Frau ausgesucht hatte, wurde mir klar, worum es hier ging – und ich hatte nicht vor, mir den Schrecken ansehen zu lassen. „Ich weiß nicht, wovon du redest, Robbie.“, sagte ich lediglich ruhig, bevor mein Gegenüber anfing, mit wilden Drohungen um sich zu schmeißen. Er wollte mich also verpfeifen? „Sehr originell.“, erwiderte ich, mittlerweile ein wirklich amüsiertes Schmunzeln auf den Lippen. Ich war wirklich ein Arschloch. Seine Rede beendete er wirklich selbstüberzeugt, aber ich lächelte weiterhin, als würde er mir nicht gerade die sprichwörtliche Pistole auf die Brust setzen. Oder zumindest meiner Karriere. „Schönen Abend noch, Robbie.“, sagte ich lediglich, drehte mich um und marschierte in mein Gebäude.
Es war alles okay – bis es dunkel wurde. Nachts sah die Welt ganz anders aus. Gruseliger. Schlimmer. Dramatischer.
Ich konnte nicht schlafen. Gar nicht. Kein Stück.
Aber dennoch, Robbie saß am längeren Hebel. Und einerseits war ich nicht manipulativ, allerdings hatte er mich in der Hand. Noch. Gegen drei Uhr morgens zog ich meinen Laptop auf meine nackte Brust und tippte fix eine Mail an Bernie.

Ich schrieb Sutton am nächsten Tag nicht mal eine Absage, traf mich auch nicht mit ihr und ließ sie in Ruhe, und textete Emily, dass wir das Treffen dringendst nach vorn verschieben mussten. Ich hatte für mich eine Entscheidung getroffen, und die musste vorbereitet werden. Und das tat ich, bevor ich auch nur irgendwas zu ihr sagen würde.



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