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Dieses Thema hat 109 Antworten
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 RPG~Profi
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Neyl Offline

Admin


Beiträge: 36.218

08.10.2016 19:19
#61 RE: Wo sind die Männer in den weißen Kitteln? Zitat · antworten



Henry´s | Hat jede Menge zu tun


„Das ist ganz sicher keine Rechnung wert, Caleb.“
Ein knappes Brummen war die einzige Reaktion, die ich auf Elis Worte von mir gab, denn ich sah das ein bisschen anders. Das hier war das Mindeste, was ich tun konnte, wenn man bedachte, was er für Mary Louise getan hatte. Und für mich. Und auch bei der Ärztin hatte ich meine Schulden noch nicht annähernd beglichen, würde es vielleicht nie. Ungewollt prasselten die Erinnerungen von damals auf mich ein, verhinderten, dass ich mitbekam, was um mich herum passierte und während ich mechanisch ein benutztes Glas nach dem anderen durch das Spülgerät beförderte, registrierte ich im ersten Moment nicht mal die verstummende Geräuschkulisse, die der unerwartete Gast auslöste.
„Ich bräuchte mal deine Karte. Meine ist kaputt, und ich würde gern duschen, ich stinke.“
Geistesabwesend hob ich meinen Kopf und zwei Sekunden später zerschellte das Glas, welches ich zuvor noch in den Händen gehalten hatte auf dem Fußboden. "Heilige..."
Fassungslos starrte ich meine Schwester an, die sich unter dem ganzen Dreck, Blut und ich wollte nicht wirklich wissen was noch, verbarg. Eigentlich hatte ich angenommen, dass mich nichts mehr schockieren würde, was mit ihr in Verbindung stand, aber nein, sie schaffte es tatsächlich immer wieder einen draufzusetzen. Während ich sie noch immer entsetzt ansah, hatte zumindest Lana sich von dem anfänglichen Schock erholt, tauchte neben ihr auf und ließ eingehend ihren Blick über Kendra schweifen.
"Bist du verletzt?", fragte die Ärztin, während ich verstört registrierte, dass sie unter der Schicht von "Was auch immer" nicht mal mehr einen Pulli trug.
"Was zur Hölle hast du getrieben?" Wirklich, meine Schwester würde mich irgendwann noch einmal ins Grab bringen! Allein schon der kläglichen Versuch so zu tun, als würde sie nicht gerade so aussehen, als hätte sie sich in den Eingeweiden von tausend Rindern gesuhlt.
Ich massierte mir frustriert seufzend die Schläfe. Niemand schaffte es besser als Kendra diese Mischung von Wut und Sorge gleichzeitig in mir aufkeimen zu lassen und während ich mir innerlich vorwarf, dass ich sie nicht eigenständig ins Bett verfrachtet hatte, musste ich den Drang unterdrücken, ihr an die Gurgel zu springen. Jahaaa, sie war wirklich erwachsen geworden! Mein Blick huschte kurz zu Alistair, der aussah, als würde er sie am liebsten in eine Zwangsjacke verschnürt in eine Gummizelle sperren und den Schlüssel wegwerfen. Und ganz ehrlich, in diesem Moment kam mir dieser Gedanke gar nicht so drastisch vor.

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JaneDoe Offline

Dicke, untervögelte Teilzeit-Brockhaus-Chiller-Robbe


Beiträge: 127

08.10.2016 20:43
#62 Too far away Zitat · antworten


Here we go, let the shitstorm begin!
Unter anderen Umständen hätte ich bei dem entgleisten Gesicht von Caleb und dem klirrenden Geräusch zerspringendem Glases gelacht, als gäbe es kein Morgen mehr, aber so langsam begann das antrocknende Blut zu kleben, und ih bäh, das war wirklich nicht so geil. Ich meine, er war eigentlich wirklich eine arme Sau, und ich wusste ja, dass ich ihn in den Wahnsinn trieb. Was übrigens genauso umgekehrt galt, aber im Moment, zugegeben, war ich das schlimmere Kind. Trotzdem würde ich ihn später, wenn er darüber hinweg war und nicht mehr drohte, mir für diese Aktion den Hintern zu versohlen, mit diesem absolut lächerlichen Gesichtsausdruck aufziehen. Ganz zu schweigen davon, dass er sogar ein Glas hatte fallen lassen, haha! „Heilige...“, begann mein Bruder und glotzte mich noch immer an wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Ich blieb einfach stehen, hob die Augenbrauen, wartete, bis er sich halbwegs genügend gefasst hatte, um mir erst an die Gurgel zu gehen und mir schließlich endlich seine Karte gab, damit ich Handtücher und Klamotten holen konnte. Doc reagierte schneller als mein Bruder (war der heute langsamer als sonst?) und fragte mich, ob ich verletzt war. Seufzend winkte ich ab. Herrje, selbst wenn, nicht jeder Tropfen Blut in diesem Raum, diesem Universum, schrie nach ihr persönlich. War sie einfach eine Heilige, oder wollte sie, dass alle das dachten? Mir persönlich wäre meine Freizeit ein bisschen wichtiger. „Nein, alles gut. Das werden ein paar fette blaue Flecken und vielleicht hab ich ein paar Hautabschürfungen, aber das ist kein Job für dich, Doc.“ Ich grinste. „Auch wenn's mir ein bisschen Leid tut, die ganze Entspannung war bestimmt schon langweilig.“ Seufzend wegen des vorwurfsvollen Tones drehte ich mich wieder zu Caleb, der mittlerweile seine Sprache wiedergefunden hatte. Die Augen verdrehend winkte ich ab, eine große, nichtssagende Geste folgte. „Alles halb so schlimm, wie du denkst. Ich war mir einfach nur ein bisschen die Beine vertreten!“ Ich schickte an, mich an die Bar zu lehnen, stoppte aber mitten in der Bewegung, sah, das Gesicht verziehend, auf meine Arme und ließ es bleiben. Ich zuckte mit den Achseln. Mir war klar, dass jeder im Raum hier dachte, dass ich unfähig war, unfähig zu leben oder was auch immer, aber ich würde mir wünschen, dass diese beschränkten Kleingeister endlich mal den Unterschied zwischen Leichtsinn und Dummheit begreifen würden. Ersterem musste ich schuldig gesprochen werden, zweitem bei weitem nicht. Nur weil ich nicht einen Stock im Arsch hatte, der mir von innen am Gaumen klingelte und obrigkeitshörig war, dass ich sofort mit den Hacken knallte, wenn jemand den Arm hob, hieß das noch lange nicht, dass ich möglichst schnell das Gras von unten durch die Erde schieben wollte, sondern nur, dass ich den Begriff „Spaß“ etwas anderes definierte. Eine Sache, die die meisten hier im Raum absolut nichts anging.



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Pummel Offline

Eumelchen <3


Beiträge: 71

08.10.2016 21:39
#63 Indianerherz kennt keinen Schmerz! Zitat · antworten


In Odeyas Reich
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

"War das Fell nicht mehr zu gebrauchen? Oder habt ihr das Tier so stark massakriert?"
Die Frage war berechtigt. Nachdenklich kratzte ich mich am Kinn und überlegte kurz, ob etwas an dem stinkenden Körper wohl verwertbar sein könnte.
„Das Fell sah nicht wirklich brauchbar aus. Wirkte teils durch die Strahlung ziemlich ausgedünnt. Und es stank ungeheuerlich. Weiß nicht, ob jemand etwas damit anfangen könnte. Aber ja, wir waren auch nicht unbedingt zimperlich, was unsere Angriffe anging.“
Vielleicht würde ich morgen ja noch einmal nachsehen, falls der Körper dann immer noch rumliegen sollte. Aber grundsätzlich würde ich den Kadaver lieber liegen lassen. Es würde mich nicht wundern, wenn das Viech irgendeine Krankheit gehabt hätte. Es hatte sich schließlich übertrieben aggressiv verhalten und wild um sich geschlagen. Und dann dieser ätzende Sabber überall.
"Also, wenn du das genäht haben willst, dann wird das am Ende aber nicht schön aussehen. Ich piecks dir da dreimal rein und mach jedes mal ein Knoten auf die Fäden. Ich bin ja keine Ärztin."
„Es soll ja nicht schön aussehen, sondern einfach aufhören zu bluten. Verknotete Piekser sind vollkommen okay.“
Neugierig betrachtete ich aus sicherer Entfernung, wie Odeya sich an ihrer Arbeitsfläche zu schaffen machte und eine Nadel für den bevorstehenden Eingriff vorbereitete. "Schneller, aber vermutlich schmerzhafter wird es, wenn die Wunde zusammen gebrannt wird... das gibt aber vermutlich eine fette Narbe." Ich lachte bei der Vorstellung von meinem verkohlten Fleisch kurz auf. Dann trat ich langsam zur Theke und schnappte die Flasche mit dem Alkohol. Etwas umständlich schraubte ich sie mit den Zähnen auf (der zweite Arm war schließlich beschäftigt) und gönnte mir ein paar kräftige Schlücke, ehe ich meine Augen zu Odeya richtete, die mittlerweile mit ihrem neuen Equipment zu mir getreten war.
"Also? Nähen oder nur ein Pflaster drauf?"
Ich konnte ihre Bedenken verstehen, die sie durch ihre scherzhafte Folterandrohung nur noch deutlicher machte. Sie wollte sichergehen, dass ich keine Höchstleistungen in Lanas Manier erwartete. Tat ich auch nicht. Eigentlich wunderte es mich, dass sie sich überhaupt dazu bereiterklärte mir zu helfen. Mit einem schiefen Lächeln löste ich den Lappen von meiner Stirn, klappte ihn einmal herum und tunkte den Stoff in etwas Alkohol, bevor ich ihn noch einmal kurz gegen die Kratzer presste und dabei einen leisen, zischenden Laut von mir gab. Anschließend beugte ich mich ein Stück zu Odeya vor. Kurz blickte ich ihr prüfend in die Augen und grinste dann zuversichtlich.
„Leg los.“

NoNameSorrySoon Offline

Grünschnabel

Beiträge: 36

09.10.2016 16:12
#64 RE: Indianerherz kennt keinen Schmerz! Zitat · antworten


Zuhause


Jonas Ausführungen konnte ich nur mit einem bestätigten Nicken quittieren.
Die Einwände klangen berechtigt und durchdacht. Schade drum. Wäre das Fell brauchbar gewesen , hätten die beiden sicher  einen guten Monats Zuschuss bekommen können.
Als Jonas meinen Ideen zuhörte und meine Brandidee anscheinend ziemlich belustigend fand, nahm ich meinen Schreibtischstuhl und stellte ihn vor Jonas um mich auf diesen Stellen zu können, um genug Blick auf seine Narbe haben zu können. Jonas hatte die Wunde desinfiziert und sich ganz nebenbei einen Schluck gegönnt. "Dass du bei dem Zeug dir nicht die Kehle weg ätzt." , gab ich belustigt von mir und entferne die Hand von seiner Stirn mithilfe eines vorsichtigen Wischers. Wenn Jonas Glück hatte, half ihm diese Aufnahme dabei , die Stiche nicht mehr zu spüren.  Auch wenn ich bezweifelte, dass es so schnell ging.
Seiner Aufforderung, los zu legen, folgend presste ich die Schnitte mithilfe meines linken Zeigefinger und Daumen zusammen, wartete etwas und legte dann mit der Nadel Hand an. Erst an der rechten Ecke zog ich den Faden durch die Haut und Knotete das zusammen , dann in der Mitte und dann nochmal links. Keine Aufwendige Technik sondern ein einfaches 'Ich mach einen Knoten drauf' - Prinzip. Da ich nun wirklich keine Professionelle Hand hatte , rutschte mir einmal der  Faden aus der Hand . Ich versuchte in meiner Konzentration möglichst nicht zu zittern. Schaltkreise ordentlich zusammen löten oder Micro Technik auseinander nehmen hatte eine andere Ebene . Da konnte ich keinem unnötig Schmerz bereiten. Vielleicht mir selbst, wenn ich zu dumm und unkonzentriert war.
"Hast du dich nicht getraut zu Lana zu gehen? Oder war sie noch in der Bar, so dass du nicht dorthin konntest?" , gab ich verschmitzt von mir und tupfte nochmal mit dem alkoholisierten Tuch über die Wunde, ehe ich mach einem breiten Pflaster griff. Ungehemmt stellte ich weitere Fragen: "Wie kommt es , dass die Wunde nicht von Kendra ist." , auch wenn diese Frage eher meine Belustigung über die kurzzeitige Allianz ausdrücken sollte. Ich sagte es ja. Ich sah die beiden noch in einer ungesunden seltsamen und dennoch passenden Beziehung zueinander.

Pummel Offline

Eumelchen <3


Beiträge: 71

09.10.2016 17:34
#65 This is war! Zitat · antworten


Henry's, Büro, dann wieder hinter der Bar
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Mein Plan schien aufzugehen. Ich wartete geduldig, bis Eli sein Büro aufschloss und trat mit einem Kopfnicken und einem charmanten Lächeln auf den Lippen hinein, nachdem er mir den Vortritt ließ. Neugierig wanderten meine Augen durch den Raum und blieben schlussendlich auf dem Blonden hängen, der mich an seinen Schreibtisch gelehnt betrachtete. „Na dann, mach mal den weltbesten Kaffee.“ Verdattert blickte ich in die Richtung, die er mir mit einem Kopfnicken gewiesen hatte und entdeckte auch prompt die Kaffeemaschine, von der er gesprochen hatte. Meinte er seine Worte ernst? Nun, okay? „Zu Befehl!“ Schmunzelnd gönnte ich mir noch den einen oder anderen Schluck Bier, ehe ich vor dem glänzenden Gerät zum Stillstand kam und mein Glas daneben abstellte. Ich wischte mir mit dem Handrücken kurz über die Lippen und widmete mich dann dem Gerät, um mich mit seiner Bedienung vertrauter zu machen. Es war nicht das erste Mal, dass ich mich mit Kaffee Brühen befasste. Da es jedoch um Alistairs weltbeste Kaffeetasse ging, wollte ich mir natürlich keine Fehler erlauben. Vielleicht hätte ich vorher fragen sollen, wie der Commander seinen Kaffee am liebsten trank. Jetzt würde ich einfach improvisieren müssen.
Konzentriert, weil ich gerade beim Abmessen der Kaffeemenge war, merkte ich zunächst nicht, wie Elijah zu mir trat und mich bei meiner Arbeit betrachtete. Erst, als er seine Stimme erhob, drehte ich meinen Kopf zu ihm.
„Pass auf. Ich brauche unbedingt eine regelmäßige Aushilfe, für mindestens den nächsten Monat. Ich weise dich ein, du arbeitest hier nicht alleine, ich bin entweder mit vorn an der Bar oder hier hinten im Büro, wenn etwas ist, bin ich also für dich erreichbar. Ich bezahle dich natürlich, und alles Trinkgeld, was du ohne Frage bekommen wirst, darfst du komplett behalten.“
Noch während er seinen Vorschlag und deren Vorzüge vor mir auffächerte, wanderten meine Augenbrauen langsam aber stetig nach oben. Ich hatte eigentlich mit keinem Jobangebot gerechnet. Aber jetzt, wo ich so darüber nachdachte, machte es Sinn. Ich konnte nicht abstreiten, dass die Aussicht auf zusätzliches Einkommen nicht verkehrt klang. Jonas würde die Idee zwar wahrscheinlich nicht gefallen. Aber womit gab sich mein großer Bruder schon zufrieden? Ich nickte lächelnd, während Eli auch schon weitersprach.
„Ich brauche vor allem abends jemanden, wenn sie mir die Türen einrennen. Ansonsten wird Lana ihre Drohung wahrscheinlich wahr machen und mich irgendwo festbinden. Luca hat sich bisher noch nicht weichklopfen lassen, für mich zu arbeiten“ Ein leises Lachen entwich mir, während ich die Maschine per Knopfdruck in Gang setzte. Mission Kaffeemachen war auf dem richtigen Weg.
„Festbinden? Das wollen wir lieber nicht riskieren. Ich denke das lässt sich einrichten. Ab wann würde das dann losgehen? Gleich heute? Dann könnte ich gleich sehen, wie das hier so läuft... und sonst ist dann immer noch Caleb da, um mir notfalls unter die Arme zu greifen.“
Amüsiert und zugegeben ein klein wenig aufgeregt warf ich einen kurzen Blick zu der Kaffeetasse, die sich langsam aber beständig mit der dunklen Flüssigkeit füllte. Die durfte ich aber nicht aus den Augen verlieren.
„Wenn du selbst etwas trinkst, geht das auf's Haus... unter der Voraussetzung, dass du dich natürlich nicht betrinkst. Caleb arbeitet ohnehin schon zu viel und kommt gerade erst von einer Exkursion wieder, den kann ich nicht noch stärker belasten.“ – ergänzte der Blonde, während ich einen Untersetzer, Löffel und weitere Utensilien zusammensuchte. Leise aufatmend stellte ich die Maschine wieder ab und machte mich daran mein kleines Kunstwerk zu vollenden. Nagut, eigentlich ordnete ich alles einfach irgendwie auf einem kleinen Tablett an, um es Alistair gleich vorzusetzen. Meine Augen fielen wieder auf den Blonden.
„Keine Sorge. Nein, ich... eigentlich trinke ich nicht so viel. Das heute... naja nicht so wichtig eigentlich... ich bin deutlich langweiliger, als mein Bruder und bin nicht dafür Bekannt Ärger zu machen. Ich werde Caleb gerne-“
Weiter kam ich nicht, weil das Geräusch von zerschellendem Glas mich abrupt zur offenen Tür blicken ließ. Allgemein war es drüben ziemlich still geworden. Stirnrunzelnd stellte ich auch mein Bierglas auf dem Tablett ab und richtete mich dann damit auf. „Um... ich glaube ich kann mich schon mal gleich beim Aufräumen nützlich machen... na los...“
Neugierig lief ich aus dem Büro. Als ich wieder in den Hauptraum zu den anderen hinaustrat, hatte ich eigentlich mit unterschiedlichen Szenen gerechnet. Angefangen bei einem harmlosen Unfall, bis hin zu einem beängstigenden Jonas, der sich sein Hausverbot nicht gefallen lassen wollte. Doch eine blutüberströmte Kendra traf mich unerwartet. Ich blieb zunächst wie angewurzelt stehen und betrachtete das Bild vor mir mit leicht geöffnetem Mund. Ich wusste nicht wieso, aber irgendwas daran ließ Unruhe in mir Aufkeimen. Und das obwohl Calebs Schwester bis auf ihr Äußeres in Ordnung zu sein schien. Kopfschüttelnd blinzelte ich langsam, ehe ich meinen Körper nach einigen Augenblicken zu einer Regung zwang und das kleine Tablett vor Alistair auf der Theke abstellte. Ohne den abgelenkten Commander dabei anzusehen oder etwas zu sagen. Ich schluckte trocken. Bevor ich mich versah, fand ich mich bereits neben Caleb wieder und hockte mich zu dem Scherbenhaufen herunter. Immer noch ein wenig durcheinander begann ich nun abwesend die Scherben aufzusammeln. Ich versuchte das sonderbare Gefühl zu ergründen, kam jedoch nicht sonderlich weit. Wahrscheinlich hatte ich mich einfach erschrocken. Schließlich waren solche Zwischenfälle nicht üblich. Oder?

Neyl Offline

Admin


Beiträge: 36.218

09.10.2016 21:59
#66 RE: Hat jemand ne Tupperschüssel? xD Zitat · antworten



Henry´s | Braucht Seile, Folie, Klebeband und ein dickes Vorhängeschloss


Dass meine Schwester eine sehr eigensinnige Vorstellung davon hatte, wie man einen tollen Tag verbachte, was keinesfalls neu für mich. Schon als Kind hatte sie ihre Freizeit lieber damit verbracht Steine zu schmeißen (hauptsächlich auf Kerle, die doppelt so groß waren, wie sie selbst), anstatt ihre Puppen zu frisieren. Das erklärte auch, warum ihr Haar meistens einem Vogelnest glich. Doch im Vergleich zu dem Anblick den sie gerade bot, lief sie sonst ja wie eine Schönheitskönigin herum. Aber gut. Langsam verdaute ich ihr äußeres Erscheinungsbild (auch wenn es mich vermutlich verfolgen würde...). Wenigstens war sie unverletzt. Das teilte sie zumindest auf ihre ganz charmante Art der Ärztin mit, die sich nach ihrem Wohl erkundigte.
"Lass gut sein Lana, Kendra ist wie eine Küchenschabe, die würde noch nach zwei Atomkriegen dumme Sprüche reißen.", murmelte ich gereizt. Wie konnte sie nur so ruhig dastehen und so tun, als käme sie gerade von einem romantischen Spaziergang zurück und ihre einzige Veränderung würde darin bestehen, dass ihr jemand ein paar Gänseblümchen ins Haar geflochten hatte.
„Alles halb so schlimm, wie du denkst. Ich war mir einfach nur ein bisschen die Beine vertreten!“
Ich verzog missmutig das Gesicht, noch immer nicht ganz sicher, ob ich sie in den Arm nehmen sollte, oder doch lieber in einen Keller sperren. Da würde sie mir zumindest keine Schwierigkeiten mehr machen. Ach nein, halt. Würde sie immer noch schaffen. Selbst wann man sie geknebelt und mit 8 Rollen Folie umwickelt in einen Plastikbehälter quetschen würde.
Abermals kam ein langgezogener Seufzer über meine Lippen, ehe ich Kendra kopfschüttelnd musterte und mich fragte, für was das Universum mich mit dieser Schwester gestraft hatte.
"Ich will gar nicht wissen, was passiert ist, oder?", äußerte ich verstimmt, schloss für einen Moment meine Augen und rieb mir über die pochende Stirn. Vielleicht war es wirklich besser, wenn ich nicht wusste, was mit ihr passiert war, andererseits würde es mir auch keine Ruhe lassen es nicht zu wissen. Allerdings schien es mir klüger, dieses Gespräch an einen privateren Ort zu verschieben. Sonst würde Elis Inneneinrichtung vielleicht doch noch zu Schaden kommen.
Als ich eine Bewegung zu meinen Füßen wahrnahm, öffete ich meine Augen wieder und senkte den Blick. Ich hatte nicht wirklich registriert, dass Eli und Elora wieder zurückgekommen waren, allerdings sah ich nun, dass das Mädchen neben mir in die Hocke gegangen war und die Glasscherben aufsammelte, die ich verursacht hatte. "Was...?"
Ich warf meiner Schwester einen kurzen Blick zu, der ihr klarmachen sollte, dass sie sich bloß nicht von der Stelle bewegen sollte, ehe ich es Elora gleichtat und nun auf Augenhöhe mit ihr war. "Das musst du nicht tun.", sagte ich und griff sachte nach ihrem Handgelenk, um sie von ihrem Tun abzuhalten. Wenn schon weiteres Blut fließen sollte ( und scheinbar war eine ganze Menge davon geflossen ), dann bestimmt nicht ihres. Nicht, dass ich sie für zu unfähig hielt das auch ohne Verletzungen hinzubekommen aber, ja. Ich runzelte leicht die Stirn, nahm ihr die Scherben vorsichtig aus der Hand und zog sie mit mir wieder nach oben. "Warte.", befahl ich meiner Schwester grimmig, ließ Elora los und sammelte die restlichen Scherben ein, die unwirsch im Abfalleimer landeten. Nachdenklich drehte ich mich wieder um und warf meinem Freund einen entschuldigenden Blick zu, ehe ich mich wieder meiner Schwester widmete. "Wenn jemand Mom und Dad erzählt, dass er dich so gesehen hat, dann sind wir beide dran."

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Pummel Offline

Eumelchen <3


Beiträge: 71

11.10.2016 20:23
#67 Indianerherz kennt immer noch keinen Schmerz! Zitat · antworten


In Odeyas Reich
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Neugierig betrachtete ich, wie Odeya ihren Schreibtischstuhl zu mir heranschob und sich mitsamt ihrer zuvor vorbereiteten Utensilien darauf stellte. Anscheinend würden wir das jetzt wirklich durchziehen. Gut.
"Dass du bei dem Zeug dir nicht die Kehle weg ätzt." – kommentierte sie die Tatsache, dass ich mir den Hochprozentigen zuvor selbst reingepfiffen hatte. Auf meinen Lippen tauchte ein breites Grinsen auf. „Alles eine Sache der Übung.“ Dann wischte die Brünette meine Hand mitsamt Lappen bereits mit einer flüchtigen Bewegung aus dem Weg, um sich den tiefen Kratzern zu widmen. Ich verzog kurz das Gesicht, als ich den ersten Piekser spürte, gewöhnte mich jedoch verhältnismäßig schnell an die Prozedur. Schmerzen war ich gewöhnt. Und verglichen mit so manch anderen Schrammen, die ich mir in den letzten Jahren zugezogen hatte, war das hier fast angenehm.
Ich sagte nichts, während die Brünette sich an meiner Stirn abmühte und die Nadel wiederholt durch meine Haut stach und diese dann mit kleinen Knoten absicherte. Stattdessen beschränkte ich mich darauf ihr konzentriertes Gesicht zu betrachten. Das unmerkliche Zittern ihrer Finger, als ihr der Faden zwischenzeitlich aus ihrer Hand rutschte. Dafür, dass sie sowas nicht jeden Tag machte, wirkte Odeya ziemlich gefasst.
"Hast du dich nicht getraut zu Lana zu gehen? Oder war sie noch in der Bar, so dass du nicht dorthin konntest?"
Irritiert richtete ich meine Augen zu der Frau, die mit dem Tuch aus meiner Hand gerade über die Verletzung tupfte und anschließend nach einem Pflaster griff.
„Glaube sie ist immer noch dort, ja. Und in diesem Aufzug hätte ich kaum im Henry’s aufkreuzen können... nicht wenn Elora dort ist.“
Ich konnte die Frage verstehen. Schließlich suchte man bei Verletzungen normalerweise jemanden auf, der etwas davon verstand. Meine Augenbrauen zuckten kurz unmerklich. Dann folgte auch schon die nächste Frage. "Wie kommt es, dass die Wunde nicht von Kendra ist."
Als der Name der Kampfamazone an mein Ohr drang, verzog ich automatisch das Gesicht. Eigentlich eine interessante Frage. Wie war es möglich, dass ich Kendra auf dem Weg an die Oberfläche nicht den Schacht runtergestoßen hatte? Verrückter Tag.
„Keine Ahnung ehrlich gesagt. Eigentlich hatte ich mich nur kurz über das kotzende Bündel lustig machen wollen. Aber dann waren wir plötzlich da oben und kämpften gegen einen sabbernden King Kong. Wahrscheinlich ist die jetzt... keine Ahnung... irgendwo hier unten...“
Ich kniff ein Auge zu, während meine spontane Krankenschwester das Pflaster über der wunden Stelle anbrachte. Sobald sie ihre Finger von meinem Gesicht entfernte, strich ich mir kurz über die versorgte Stelle und nickte dabei zufrieden.
„Hey, vielleicht solltest du in Erwägung ziehen deinen Tätigkeitsbereich auszuweiten?“ – schlug ich schief lächelnd vor, ehe ich mir noch einen Schluck aus der Flasche in meiner anderen Hand gönnte. Die Flüssigkeit brannte angenehm im Hals und breitete sich wärmend in meinem Magen aus. Meine Augen fielen kurz auf die Roten Spuren an meinem Oberteil.
„Du hast nicht zufällig neben der Jacke noch eins meiner Shirts mitgehen lassen?“

JaneDoe Offline

Dicke, untervögelte Teilzeit-Brockhaus-Chiller-Robbe


Beiträge: 127

12.10.2016 00:07
#68 Noch is gar nichts "war", und ein Indianerherz sollte aber auch auf das zugehörige Hirn hören XD Zitat · antworten


Elora kannte sich erstaunlich gut mit der Kaffeemaschine aus, vielleicht machte sie so etwas öfter? Ohne ihr zu nahe treten zu wollen, natürlich.
Sie dabei beobachtend, wie sie konzentriert Kaffee machte (auch noch so leidenschaftlich dabei… ohne ihr zu nahe treten zu wollen, natürlich), so konzentriert, dass sie mich nicht einmal ansah, als ich begann ihr einen Vorschlag zu machen, besser noch: ein ziemlich gutes Angebot. Ihr Gesichtsausdruck verriet ihre… Überraschung? ganz gut, die Augenbrauen wanderten stetig nach oben, während ich sprach. Obwohl es eigentlich offensichtlich sein müsste, nach meinen ständigen Schwierigkeiten mit der Schulter seit der Prügelei und vor allem der geübten Beidhändigkeit und der damit verbundenen langsameren Arbeitsweise.
Gerade wegen dem aufbrausenden, sehr dominanten Beschützerinstinkt ihres Bruders merkte ich extra an, dass ich dennoch anwesend war. Wenn Elora arbeitete, würde ich nicht in meiner Zelle sitzen und die Füße hochlegen, sondern hier sein und die Buchhaltung oder irgendetwas anderes machen, was anstand – wenn nicht sogar vorn mit am Tresen herumlungern. Und ich kannte meine Gäste mittlerweile ziemlich gut, und wusste, wie ich sie davon abhielt, Elora anzugraben oder schlimmeres. Herrje, auch wenn das der gesunde Menschenverstand vorgab – sie war so jung, sie hatte gerade die Zwanziger das erste mal angekratzt! Frischfleisch nannte man so etwas wohl.
Ich blinzelte erstaunt, als sie fragte, wann es losgehen sollte, direkt heute? Nachdenklich rieb ich mir das Kinn, das bereits wieder arg stoppelig war, ich sollte mich heute Nacht oder morgen früh dringend rasieren. „Ist vielleicht vernünftig. Dann kannst du Caleb helfen und der ist noch ein bisschen entlastet… Und du hast noch Hilfe, sowohl mich als auch ihn.“ Auch wenn ich wenig Hilfe war, aber davon mal abgesehen. Das gefiel mir ganz gut, und wenn ich ehrlich war, hatte ich fast gedacht, dass Elora ein bisschen mehr Überzeugungsarbeit (vor allem bei ihrem Bruder) erforderte, um sie in mein kleines Boot zu holen. Aber gut, umso besser! Ihre ästhetische Zusammenstellung von Tasse, Untertasse und Löffelchen war schon einmal vielversprechend, und ich lächelte breit, als sie über ihren Alkoholkonsum fast ins Stammeln geriet. „Alles in Ordnung. Kein Grund-“ Ein zerschellendes Glas ließ mich sorgenvoll den Kopf heben. Caleb war eigentlich sehr verlässlich und ganz sicher niemand, der so eine zittrige Hand hatte, dass er Dinge fallen ließ, ganz zu schweigen davon, Gläser durch den Raum zu werfen. Ich würde mal behaupten, zu ahnen, was ihn so aus der Fassung brachte, dass er mein Inventar schmälerte.
Ich folgte Elora auf dem Fuße nach draußen und ich befürchtete, dass mein Gesichtsausdruck für einen Moment blank wurde. Rein gar nichts. Die Zahnräder in meinem Kopf drehten sich so schnell, dass die Gewinde knirschten. So viel Blut, doch Kendra stand noch, und das ohne Probleme. Sie hatte sich nur die Beine vertreten, erklärte sie, doch das war keine zufriedenstellende Erklärung. Ich räusperte mich, und versuchte, mein Lachen zu unterdrücken. Diese beiden Geschwister waren eine köstliche Unterhaltung. Neben den Grimms natürlich. Wenn beide Geschwisterpaare aufeinandertrafen, war das weniger unterhaltsam, aber unter sich? Wirklich, köstlich! „Man besorgt sich vorher ein Alibi, Kenna“, wandte ich ein und ein Mundwinkel zuckte, während sie die Augen verleierte und mich genervt ansah. „Wirklich, Eli, halt die Klappe. Es reicht, wenn du Calebs Papi mimst.“ Ich konnte ein kleines, amüsiertes Schnauben nicht zurückhalten und lehnte mich gegen die Theke, das Spektakel höchst konzentriert beobachtend, auch wenn ich dennoch neugierig war und wissen wollte, was sie angestellt hatte.



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Neyl Offline

Admin


Beiträge: 36.218

12.10.2016 01:58
#69 RE: Twilight!!!!!!!!! XD Zitat · antworten






Henry´s | Just kidding...but seriously



Es gab viele Sachen, die ich über Kendra hätte sagen können und einiges davon wäre nicht ganz soooo nett ausgefallen, aber eins musste man dieser Frau lassen: Es wurde mit ihr nie langweilig. Vermutlich konnte ich mich glücklich schätzen, dass sie mich nicht mochte, denn mit einer Naturgewalt in meinem Leben, hatte ich definitiv genug zu tun. Vielleicht sollte ich irgendwann mal von beiden eine DNA Probe nehmen, um zu sehen, ob nicht doch ein Verwandschaftsverhältnis bestand? Nein, besser nicht. Jedwege Beziehung zwischen ihnen, die mit Sympathie einherging, wäre absolut fatal. Dysfunktion auf ganzer Ebene.
Jedenfalls hatte meine Frage nach ihrem Wohlergehen weniger mit Nächstenliebe, als mit meinem Berufsethos zu tun, auch wenn sich ein Teil von mir nicht ganz vor der Tatsache verschließen konnte, dass sie Calebs Schwester war und trotz ihrer burschikosen Ader irgendwo tief drin, ganz bestimmt...
„Nein, alles gut. Das werden ein paar fette blaue Flecken und vielleicht hab ich ein paar Hautabschürfungen, aber das ist kein Job für dich, Doc. Auch wenn's mir ein bisschen Leid tut, die ganze Entspannung war bestimmt schon langweilig."
...ihre guten Seiten hatten. Oder so...
"Lass gut sein Lana, Kendra ist wie eine Küchenschabe, die würde noch nach zwei Atomkriegen dumme Sprüche reißen." , knurrte Caleb sichtlich unzufrieden über den Auftritt, den sie hier gerade hinlegte, aber ich winkte nur amüsiert ab. Um ehrlich zu sein, war ich ganz froh mich wieder zurückziehen zu können, denn sie hatte mit ihrer ersten Aussage nicht untertrieben. Allerdings verkniff ich mir lieber den Kommentar, dass sie die Benutzung eines Dampfstrahlers in Erwägung ziehen sollte. Denn im Gegensatz zu ihren, funktionierten meine Überlebensinstinkte einwandfrei.
Ich hatte mich gerade wieder neben Alistair gesetzt, als Elora und Eli zurückkehrten und besorgt beobachtete ich, wie Elora dem Commander geistesabwesend seinen Kaffee servierte, ehe sie sich daran machte die Scherben aufzusammeln. Der Barkeeper schien sich um einiges schneller wieder von dem Anblick erholt zu haben und fand offenbar Gefallen, an dem kleinen Schlagabtausch zwischen Caleb und seiner Schwester. Wirklich verübeln konnte man es ihm nicht, auch wenn nicht jeder diese Auffassung teilte. Alistair beispielsweise bemühte sich zwar offenbar um einen neutralen Gesichtsausdruck, seine Körperhaltung zeigte aber deutlich, dass er lieber das Weite vor der charmanten, jungen Lady in red gesucht hätte. Auch das konnte ich nachvollziehen.
Meine Aufmerksamkeit wurde aber schnell auf die beiden Menschen hinter der Theke gezogen. Stirnrunzelnd verfolgte ich, wie der Verteidiger vor ihr in die Hocke ging und ich begann mich zu fragen, ob ich wirklich der geeignete Wing(wo)men für Elora war. Denn wer würde sich schon in ihre Nähe trauen, wenn ich jeden mit einem Blick strafte, der eindeutig besagte: Wenn deine Hand ihr zu nahe kommt, wird die Bekanntschaft mit meinem Skalpell machen. Nicht, dass ich diese Gedanken bei Caleb hatte, oder überhaupt an jemand Bestimmtes dachte, aber ich glaubte ganz gut einschätzen zu können, dass meine Mimik zurzeit nicht besonders einladend wirkte. Also zwang ich mich dazu meine Augen von ihnen zu lösen und richtete sie stattdessen auf den Blondschopf vor mir. "Ich hoffe Elo sieht so verstört aus, weil Kendra aussieht, als hätte sie ihre Leidenschaft für Vampire entdeckt und nicht wegen eurem kleinen Gespräch unter vier Augen.", sagte ich in gedämpften Tonfall, ehe ein keckes Schmunzeln sich in meine ernste Miene schlich. "Denn ansonsten werde ich dir die Schulter vermutlich wieder einrenken müssen...nachdem ich sie dir ausgekugelt habe versteht sich."

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NoNameSorrySoon Offline

Grünschnabel

Beiträge: 36

12.10.2016 14:41
#70 NA Zitat · antworten


Henry's


Der Auftritt von Kendra hatte die Aufmerksamkeit sämtlicher Anwesenden auf sie gelenkt, weswegen die doch nicht ganz unwichtige Unterhaltung mit Lana sich im Sand verlief. Ich sah mir das Spektakel an. Nahm jedes Wort auf, welches gesprochen wurde, mied es aber, mich selbst dazu zu äußern. Als Elora mir meinen Kafee brachte, wieso auch immer sie es machte und nicht Elijah, wendete ich meinen Blick kurz von der Theaterbühne ab und sah zu ihr. "Danke.", gab ich höflich von mir und nahm den Kafeebecher in die Hand, um ein wenig in ihm herum zu rühren. Ich führte den Becher zu meinem Mund während meine Augen abwechselnd die Gesprächsbeteiligten fixierten. Sie hatte sich also nicht verletzt. Die Sorgen ihres Bruders waren berechtigt. Auch die Ärztin fühlte sich gerade zuständig. Eigentlich waren diese Leute alle viel zu nett zu ihr. Man konnte mich altmodisch nennen, aber ich fand, dass sowas schlicht und ergreifend unter der Würde von einem ... Ich unterdrückte ein Seufzen. Sie war alkoholisiert. Auch wenn ich mittlerweile das Gefühl hatte, dass das ein Dauerzustand zu sein schien. Elijah schien das ganze tatsächlich noch belustigend zu finden, während in mir sich reinstes Unverständnis ausbreitete. Was zur Hölle hatte sie gemacht? Sich in einer Blutlache gewälzt?
Nachdem das Gesprächstempo etwas schneller und wirrer wurde führte ich noch einmal den Kaffee zum Mund und befand, dass er gut schmeckte. War Elora eigentlich Kaffee Liebhaberin? Ich war mir gerade da gar nicht so sicher.
Doch mittlerweile hatte ich genug. Man sah es nicht sonderlich gern, wenn gegen Dunkelheit zivile Personen nach draußen gingen. Eigentlich hätten die Soldaten sie an der Grenze eventuell aufhalten müssen. Vor allem eine stark alkoholisierte Person. Ich ging nicht davon aus, dass Kendra irgendwas mit ihren 'Reizen' hätte reißen können.
Ich setzte den halb leeren Becher ab und stand vom Barhocker auf. "Sagen sie mal, wie sind sie um diese Uhrzeit und in diesem Zustand überhaupt nach draußen gekommen?", dröhnte meine Stimme ungeachtet der anderen Gespräche in Richtung der Darlugh. "Nach allgemeinen Richtlinien hätten die Soldaten am Ein- und Ausgang sie vermutlich aufgehalten, mit der Begründung, dass sie in ihrem Zustand zu wenig zurechnungsfähig sind. Und noch was ganz anderes: Was haben sie getrieben, dass sie dermaßen misshandelt aussehen?", ich schnaufte. "Ich gehe nicht von einem Blutfetisch aus-", auch wenn ich das den beiden zutrauen würde. "Und ich bezweifle, dass hier in der Nähe Einsatzkommandos des Zentralstaates herum laufen. Geschweige denn, dass sie das überlebt hätten.", meine Stimme hatte die typische Tonlage meiner Arbeitszeit angenommen. Kalt, distanziert und eventuell auch etwas herablassend. Zumindest hatte man mir das mal mitgeteilt.

NoNameSorrySoon Offline

Grünschnabel

Beiträge: 36

12.10.2016 14:44
#71 RE: NA Zitat · antworten


Zuhause


Eine Sache der Übung also? Lächelnd verdrehte ich die Augen. "Das glaube ich die tatsächlich auf's Wort.", gab ich zu.
Jonas ertrug meine stümperhafte Misshandlung wie ein Mann und verzog relativ wenig seiner Miene. Ich war mir sicher, dass ich mindestens die Gesichtszüge verzogen hätte und gezischt hätte.
Ah Elora. An sie hatte ich gar nicht gedacht. Sie war meistens seine Hauptsorge. Fast schon paradox, wie die beiden aneinander klebten.. oder Jonas an Elora klebte? Ob er wohl ein schlechterer Mensch wäre, wenn Elora nicht existieren würde?
"Stimmt ja.. hatte vergessen, dass sie auch dort war.", viel eher hatte ich sie in meiner Konzentration nur am Rande wahrgenommen. Konzentration..Tunnel...verbissenes Nachdenken. Wie man es gerne nennen wollte.
Wo er vorher bei dem körperlichen Schmerz kein Zucken zugelassen hatte, huschte bei der Nennung von Kendras Namen kurzzeitig eine abwertende Maske über sein Gesicht. Immer wieder belustigend. Bei seiner Erzählung rutschten meine Augenbrauen immer ein Stück weit höher. Das kotzende Etwas? "Aber ihr geht es schon gut, oder?", er lebte ja noch, also ging ich davon aus, dass es bei Kendra ebenfalls der Fall war. Aber konnte ja sein, dass sie aufgrund von Kampfungleichheiten mehr gelitten hatte als Jonas. Auch wenn ich wusste, dass sie sich ziemlich gut zur Wehr setzen konnte. Ich meine..sie legte sich gelegentlich mit Jonas an. Keine Sache, die ich freiwillig machen würde. Außerdem sah ich keinen Sinn darin, den Zorn meines Arbeitskollegen auf mich zu ziehen.
"Hast du denn gesehen, in welche Richtung sie ging? Als ich an ihrem Haus war, hat keiner auf gemacht.", obwohl sie natürlich auch schon am Schlafen hätte sein können.
Als ich fertig war, entfernte ich mich von ihm und betrachtete sein Gesicht. Jonas witzelte darüber, dass ich eventuell wechseln sollte. Ich zuckte mit meinen Schultern und gab spöttisch grinsend von mir: "Das überlasse ich gerne Lana. Sie ist sicher mit mehr Leidenschaft bei der Sache als ich.". Für mich war das Flicken von Wunden eine Notwendigkeit, keine Möglichkeit.
Als Jonas auf sein T-Shirt wies, ging ich auf meine Kommode zu und suchte nach irgendwas, was eventuell ihm passen könnte. Ich hatte schon einige Männersachen in meinem Schrank...'Souvenirs'. Die waren aber nicht von Liebhabern. Entschlossen und mich selbst davon überzeugen versuchend griff ich nach einem schlichten weißen Männer T-Shirt. Nichts aufwendiges. Es hatte nur einen emotionalen Wert. Theoretisch gesehen. Ich sah das Shirt kurzzeitig an, und erhob mich dann von den Schränken, um es auf das Sofa zu legen. "Das kannst du tragen..", gab ich weiterhin unberührt über das T-Shirt von mir. "Es ist zwar nicht deins, aber he, bei mir wird es höchstens als Schlaganzugoberteil getragen." Mein Blick senkte sich kurz auf das Shirt und ging dann wieder zu Jonas. "Willst du noch einen Lappen um dich im allgemeinen von dem Blut etwas zu säubern?"

JaneDoe Offline

Dicke, untervögelte Teilzeit-Brockhaus-Chiller-Robbe


Beiträge: 127

12.10.2016 15:09
#72 ... bis an die Grenzen der Liebe! Zitat · antworten



Vielleicht sollte ich jeden persönlich ansprechen, damit jeder die Chance hat, sich dazu zu äußern. Sich vor Alistair setzen, ihm tief in die Augen sehen und fragen: „Ali, was möchtest du mir dazu sagen?“ Und selbiges bei den gefühlten siebenhundert anderen Menschen (hoffentlich) im Raum. Mit jedem dann ein kleines Gespräch unter vier Augen, damit mir jeder noch einmal deutlich machen kann, was er von mir hält, was mir übrigens am Arsch vorbeigeht, und mir noch mal erklären kann, wie das mit dem Leben eigentlich funktioniert und wie ich mich verhalten sollte, damit ich nicht umgebracht wurde.
Nur mal am Rande. Ich wusste das, übrigens. Ich wusste ja, wie sich „normale“ Menschen, die nicht als „lebensmüde“ klassifiziert wurden, sich verhielten. Ich kannte Umgangsnormen und Höflichkeitsfloskeln, aber ich nutzte sie aus einem Grund nicht. Aus Prinzipien, die ich für mich irgendwann mal aufgestellt hatte. Die zwar wie spätpubertäre Züge wirkten, die ich ganz sicher noch irgendwo hatte, aber die auch genauso gut eine logisch nachvollziehbare Erklärung hatten. Die ich jetzt nicht ausbreitete, wo kommen wir denn da hin, wenn ich auch noch anfange, mich für jeden Scheiß zu rechtfertigen…
Calebs Vergleich mit einer Küchenschabe war wirklich gut. Ich fühlte mich davon überhaupt nicht gereizt, sondern das war eigentlich eher ein Kompliment. Küchenschaben waren immerhin ziemlich krass. „Undkraut vergeht nicht, sagte ich grinsend und hob die Hände, bevor ich mich an der Schulter kratzen musste. Ih, Jetzt fing das auch noch an zu jucken. Dammit, Caleb, gib' mir einfach deine verdammte Schlüsselkarte! Der war aber scheinbar mehr damit beschäftigt, wie eine beschäftigte Hausfrau zu seufzen, rhythmisch, ständig wieder. Ja, hoffnungslos, ich hatte's gerallt, Kleiner, können wir eventuell darüber sprechen, wenn ich mich nicht mehr fühlte wie mit Sekundenkleber eingerieben? Und nur mal am Rande – es juckte. Ekelhaft, echt jetzt. „Ich will gar nicht wissen, was passiert ist, oder?“, fragte er und ich rümpfte die Nase, die Mundwinkel zuckten. „Nein, wirklich nicht.“ Elora kam mit Eli aus dem Hinterzimmer, und sie begann, Calebs Missgeschick aufzuräumen und natürlich warf sich mein kleiner, heroischer Bruder direkt dazwischen und nahm ihr mit einem dramatischen “Du musst das nicht tun!“ die Arbeit ab. Schon mal überlegt, dass sie das tat, um sich abzulenken von dem Theater hier? Würde ich auch machen. Müllschacht auf, Scherben rein, und Caleb und mich direkt hinterher. Klappe zu, Affe tot. Calebs Warnung, dass Jenna und Filip uns töten würden, wenn sie davon erführen, ließ mich eine Schnute ziehen. „Ja, und weißt du was? Je länger du mich hier stehen lässt, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass schon irgendwer heulend auf dem Weg zu ihnen ist, also gib mir einfach deine verdammte Karte, ja?“
Als wäre das nicht genug, beschloss Le Commander, der mit dem dicksten Schwanz im Raum (jedenfalls dachte er das der Hierarchie wegen wahrscheinlich, in Wahrheit, befürchtete ich, war sogar mein Schwanz eindrucksvoller als seiner), sich zu Wort zu melden und stolzierte mit dem typischen steifen Nussknacker-Gang auf mich zu. Ich schloss für einen Moment die Augen, atmete tief ein und aus, bevor er die Stimme erhob und seine Worte die Wirkung eines Feuerzeuges auf ein Gasleck auf mich hatten. Ganz abgesehen davon, dass er klang wie eine beleidigte Leberwurst, weil ich nicht die Antrage 17a, 24f und 173g vorher bei ihm abgegeben hatte, alle unterschrieben mit meinem eigenen Blut, bevor ich herausgegangen war, hatte ich einfach keinen blassen Schimmer, weshalb er der Meinung war, sich überhaupt einmischen zu müssen. Meine Mundwinkel hoben sich zu einem Lächeln, das wahrscheinlich sehr deutlich nicht freundlich gemeint war. „Ich habe gesagt, ich war mir die Füße vertreten. Ich wüsste nicht, dass man das nur an der Oberfläche kann. Ich bin brav hier unten gewesen, und habe meine Zimmerdecke mit roter Farbe gestrichen. Ende der Geschichte. Meine Karte ist mir dabei in den Farbtopf gefallen, was bin ich doch für ein Dummerchen.“ Mit den Schultern zuckend fuhr ich fort. „Und du kannst vielleicht mit deinen Regeln und Richtlinien um dich werfen, aber die interessieren mich nur mäßig.“ Mit aufeinander gepressten Lippen stemmte ich die Arme in die Seite. „Und danke für das Interesse an meinen sexuellen Vorlieben, darüber kann ich dir bei einem Drink gern mehr erzählen.“ Die Lippen genervt gespitzt, drehte ich mich zu meinem Bruder um. „Würdest du mir bitte deine Karte geben, damit ich mir ein Handtuch und Sachen holen kann? Farbe trocknet schnell, und das klebt. Und juckt.“



What screws us up most in life is this picture in our head of how it's supposed to be.

JaneDoe Offline

Dicke, untervögelte Teilzeit-Brockhaus-Chiller-Robbe


Beiträge: 127

12.10.2016 18:29
#73 Yeah three times Zitat · antworten



Von Sekunde zu Sekunde wurde das Ganze spannender. Auch gefährlicher für das Geschäft, aber der Tage heute war ohnehin verflucht, was meine Einnahmen betraf, also lernte ich lieber meine neue Aushilfe ein und genoss die Show. Und wer weiß? Vielleicht tanzte Caleb nachher noch nackt auf dem Tresen, dann war mir zumindest die Null noch sicher. Ich sollte einmal nachfragen, wenn er schon der Meinung war, dass ich etwas gut bei ihm hatte, sollte ich das vielleicht auch nutzen. Nur ein kleiner Spaß am Rande.
Die Konversation wurde bunt, von Küchenschaben darüber hinaus, dass Kendra einfach stehengelassen wurde, weil Caleb sich vorerst um die noch nicht Beschädigten unter uns kümmerten, die in Gefahr gerieten – sprich Elora, die sich zu sehr den Scherben genähert hatte und nun davon abgehalten wurde, eventuell ebenfalls noch Blut zu vergießen. Ich beobachtete, wie Caleb ihr die Scherben aus der Hand nahm und den Rest selber entsorgte, wie es sich für einen anständigen jungen Mann gehörte, bevor er sich erneut Kendra zuwandte – und Lana sich mir.
Ich hob beide Augenbrauen, überrascht, als sie mich ansprach, doch je länger ich ihr zuhörte, umso mehr musste ich mich zusammenreißen, nicht laut zu lachen. Ich spürte, wie ein Mundwinkel zuckte. Ich hatte gewusst, dass Lana auf Elora aufpasste, hatte scheinbar allerdings unterschätzt, wie sehr. Ich hatte fast ein bisschen Mitleid mit dem Küken – wie sollte sie nur je ihre jungen Jahre genießen, wenn sie nicht nur Papa Bär, sondern auch Mama Bär als Anstandsdame auf den Fersen hatte? Vielleicht sollte man bei beiden für Ablenkung sorgen, damit das Kind lernte, mit ihren Freiheiten umzugehen. Ich beugte mich ein Stück vor, um nicht so laut sprechen zu müssen – manchmal konnte Kendra Ohren wie eine Fledermaus entwickeln. „Es würde mich nicht mal wundern, wenn Kenna demnächst merkwürdige … Praktiken für sich entdeckt“, antwortete ich leise mit einem Schmunzeln. Sie hatte schon ernst dreingeblickt, als ich Elora in mein Büro geleitet hatte, und dieser Ausdruck hatte sich bisher nicht verändert – bis jetzt. Ihre Lippen verzogen sich zu einem kleinen, amüsierten Lächeln, das allerdings ein bisschen drohend wirkte und ihre nächsten Worte wunderbar unterstrich. Ich behielt das Schmunzeln bei, musste aber mit Gewalt den Drang in mir unterdrücken, laut loszulachen. Also wirklich. Sehr deutlich, unsere liebe Ärztin. Woraus auch immer sich diese Muttergefühle begründeten, es feuerte durchgängig, und auch wenn ich bezweifelte, dass sie mir wirklich wieder den Arm auskugeln würde, denke ich doch, dass sie einen Weg finden würde, mir Schmerzen zuzufügen. Sie war immerhin Ärztin, und es würde mich nicht wundern, wenn sie all ihr Fachwissen nutzte, um ihr Ziel zu erreichen. Was meine Mundwinkel noch ein Stück weiter hob. „Keine Angst, Mama Bär, sie hat sich lediglich die Kaffeemaschine genauer angesehen, während ich auf Knien vor ihr gerutscht bin, um sie zu überzeugen, für mich zu arbeiten. Du hättest gern als Anstandsdame mit hereinkommen können.Meine Bürotür steht dir immer offen.“



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Pummel Offline

Eumelchen <3


Beiträge: 71

12.10.2016 21:04
#74 Chill chill chill chilllllllllllll Zitat · antworten


Henry's
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Ich war gerade dabei eine schmale, gebogene Scherbe einzusammeln, die mich irgendwie an einen Schwanenhals erinnerte, als Calebs stockende Stimme an mein Ohr drang. Im nächsten Augenblick hockte der Schwarzhaarige sich auch schon zu mir herunter, sodass ich seinen verstörten Gesichtsausdruck aus nächster Nähe betrachten konnte. Ich hatte anscheinend etwas verpasst. "Das musst du nicht tun." Sagte er mit richtig ernster Stimme. Oh. Doch. Eigentlich würde genau sowas und Ähnliches in den nächsten Wochen zu meinem Tätigkeitsbereich gehören. Bevor ich den Verteidiger jedoch darüber in Kenntnis setzen konnte, spürte ich bereits seine Finger an meinem Handgelenk, die mich daran hinderten meine Aufgabe fortzuführen. Ich runzelte allmählich die Stirn, während er mir die Scherben einfach abnahm und mich an meiner Hand wieder nach oben auf die Beine zog. Nachdem er sich kurz seiner Schwester zugewandt und meine Hand dabei losgelassen hatte, tauchte Caleb wieder unter, um auch die letzten Reste des kleinen Unfalls einzusammeln. Ich betrachtete ihn kurz verwirrt, befand dann jedoch, dass es wohl keinen Sinn hatte jetzt noch zu protestieren. Jungs und ihre Eigenheiten. Am Ende ging es wahrscheinlich bloß darum, dass er seinen Schlamassel selbst beseitigen wollte. Und ich stand hier doof herum und strich abwesend über die Stelle, die er bis eben noch berührt hatte. „Okay, dann so…“ – nuschelte ich mehr zu mir selbst und richtete meine Augen zwangsweise wieder auf die Anwesenden im Henry’s. Kendras Antlitz überging ich vorerst, um nicht zu sehr ins Grübeln zu geraten. Eli an der Theke unterhielt sich gerade mit Lana. Ihm schien der Zwischenfall mit Kendra nicht wirklich etwas auszumachen. Im Gegenteil Ob es wohl etwas gab, was den Blonden aus der Ruhe bringen konnte? Vielleicht würde ich ja lernen ihn besser einzuschätzen, wenn ich ab jetzt mehr Zeit hier verbringen würde. Wir waren zwar bei unserem Gespräch unterbrochen worden. Aber letztlich hatte ich zugesagt dem Barkeeper ein wenig unter die Arme zu greifen. Später würden wir noch weitere Details klären müssen.
Noch während Caleb nach getaner Arbeit sich wieder an seine Schwester wandte, bemerkte ich, wie Alistair seine Tasse abstellte und sich von seinem Hocker erhob. Schmeckte ihm der Kaffee etwa nicht? Oder hatte er endgültig die Lust daran verloren seine Zeit hier zu verschwenden? Nein, es kam schlimmer. "Sagen sie mal, wie sind sie um diese Uhrzeit und in diesem Zustand überhaupt nach draußen gekommen?"
Daran hatte ich noch gar nicht gedacht. Während ich darum bemüht war meine Gesichtszüge zu wahren, wütete Alistair weiter und wollte wissen, was Kendra genau getan hatte, um so auszusehen. Doch anders, als ich, ließ sich die Frau in keiner Weise verunsichern oder einschüchtern. Mehr noch. Sie hatte keine Probleme damit ihm deutlich zu machen, wie wenig sie von seiner Befragung hielt. Als Erklärung fügte sie beiläufig an sich beim Streichen ihrer Zimmerdecke verdreckt zu haben. Und dabei war ihre Karte auch in einen Farbtopf gefallen. In einen Farbtopf. Meine Mundwinkel zuckten und ich musste mir an die Lippen fassen, um das sich darauf abzeichnende Lächeln nicht zu offensichtlich werden zu lassen. Man konnte ja vieles über Kendra sagen… aber nicht dass sie nicht schlagfertig war. Odeya, Kendra, Lana. Alles Frauen, von denen ich mir jeweils ein Scheibchen abschneiden konnte. Eines nach dem anderen. Zunächst musste ich mein Bier wiederfinden. Und dann… aus Mangel an Alternativen schenkte ich Kendra, die ihren Bruder gerade erneut nach seiner Karte bat, ein kurzes Lächeln. Anschließend wanderten meine Augen langsam du dem Herren, von dem gerade eine Reaktion erwartet wurde.

Neyl Offline

Admin


Beiträge: 36.218

12.10.2016 22:19
#75 RE: Wo sind die Happy Pills? Zitat · antworten






Henry´s | Butterflys...



Kurz war ich verwundert, dass Eli trotz meiner strengen Miene näher herankam, aber sobald ich seinem Kommentar gelauscht hatte, konnte ich die Intention dahinter vollends nachvollziehen. Wenn man nicht gerade Caleb war, war es zurzeit vermutlich klüger nicht in den Aufmerksamkeitsradius der rassigen Dame mittleren Alters zu geraten. Es sei denn, man wollte, dass einem im nächsten Moment ein Hocker um die Ohren geflogen kam. Seinem Beispiel also folgend, rutschte ich ebenfalls näher an die Theke, während Alistair neben mir den Warnhinweis, der in imaginären, rot aufblinkenden Lettern über Kendra schwebte, offenbar übersah und sich von seinem Hocker erhob.
Mich in Gedanken schon mal darauf einstellend, dass ich vermutlich doch noch was zu tun bekommen würde, richtete ich meine Augen wieder auf den Barkeeper, der unwahrscheinlich gute Laune zu haben schien. Dabei hatte ich doch vergessen ihn mit ein paar Schmerztabletten zu versorgen.
"Dann sollten sich wohl alle Kerle lieber in Sicherheit bringen. Oder Frauen?" Ich zuckte unbekümmert mit den Schultern. "Wer weiß das schon." Wie bereits erwähnt, vielleicht sollte ich einfach dankbar sein, dass sie mein Gesicht nicht abkonnte. Aber viel wichtiger war mir, dass ich ihm unmissverständlich klar machte, was ihm drohen würde, wenn er seine guten Manieren bei der Rothaarigen zu seiner Rechten vergessen würde. Vermutlich wäre meine Aussage überzeugender gewesen, wenn ich mein Amüsement verbergen hätte können, so jedoch schien ich ihn nur noch mehr zu erheitern. „Keine Angst, Mama Bär, sie hat sich lediglich die Kaffeemaschine genauer angesehen, während ich auf Knien vor ihr gerutscht bin, um sie zu überzeugen, für mich zu arbeiten. Du hättest gern als Anstandsdame mit hereinkommen können.Meine Bürotür steht dir immer offen.“
Spätestens nach diesen Worten, verflüchtigte sich der letzte Hauch Ernsthaftigkeit von meinen Zügen und ich schüttelte lächelnd den Kopf. "Auch, wenn du es manchmal anzweifelst, halte ich dich für einen ziemlich intelligenten Mann Eli, deshalb denke ich, dass das nicht nötig wäre. Erstens, wirst du dir bewusst darüber sein, dass ihr Bruder Elo das ein oder andere beigebracht hat, um sich im Notfall selbst zu verteidigen und was noch viel wichtiger ist..." Ich stützte mein Kinn auf meinen zusammengefalteten Händen ab und grinste zu ihm auf. "...würde Jonas davon Wind bekommen, wärst du ein toter Mann." Abermals hob ich unbeschwert eine Schulter, warf dem jungen Mädchen einen flüchtigen Blick zu und richtete meine Augen wieder auf Eli. "Was nebenbei bemerkt eine Verschwendung für die Damenwelt wäre.", zwinkerte ich ihm neckisch zu. "Oder Männerwelt?", überlegte ich laut, gespielt nachdenklich, ehe ich mir auf die Unterlippe biss, um mein breites Grinsen einzudämmen.
"Jedenfalls...", fuhr ich fort, ihn ein wenig versöhnlicher musternd. "Ich finde es gut, dass du Elora einen Job angeboten hast. Für sie, für dich. Ab heute bist du mein neuer Lieblingspatient." Natürlich war mir bewusst, dass es auch Dinge gab, die gegen einen zu häufigen Aufenthalt im Henry´s sprachen, aber zur Abwechslung schluckte ich meine teils verwirrenden, bösen Vorahnungen beiseite und konzentrierte mich auf die positiven Dinge. Denn auch, wenn es gerade nicht den Anschein machte, fand ich es durchaus an der Zeit, dass sich unsere kleine Raupe so langsam entpuppte.

Liebe ist nur eine weitere Methode anderen Leid zuzufügen <3

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